Wem schadet der BP-Boykott wirklich?

Vor allem in den direkt betroffenen, südlichen Staaten der USA, aber auch in anderen Teilen der Welt haben Autofahrer immer weniger Lust, bei BP und Aral zu tanken. Die Pächter (oder Besitzer) der betroffenen Tankstellen überkleben entweder das BP-Logo (siehe unten) oder beklagen sich über Umsatzrückgänge und beharren darauf, hier würden die falschen bestraft.

Die Tankstellen-Betreiber, so das Argument, würden mehr unter einem BP-Boykott leiden als der Konzern selbst, und ein Ausstieg aus dem Vertrag sei wegen dessen Langfristigkeit nicht möglich. Ein Dilemma, nicht wahr? Gehen kleine Geschäfte pleite, weil Konsumenten ihrem Ärger gegen einen umweltzerstörenden Konzern Luft machen wollen? Oder ist der Boykott die einzige Möglichkeit, ein Unternehmen in seine Schranken zu weisen, selbst wenn das zu wirtschaftlichen Kollateralschäden führt?

Ich denke, man muss den Kleinunternehmern und Tankstellenpächtern hier widersprechen: Sie sind ein unternehmerisches Risiko eingegangen und müssen notfalls die Folgen mittragen, wenn ihr Lieferant und Franchise-Partner eine Umweltkatastrophe verursacht und deswegen boykottiert wird. Sorry, liebe Gewerbetreibenden, aber es ist ein Missverständnis, zu glauben, dass Risiken von Anderen übernommen werden sollten. Wer kein Risiko will, sucht sich eben einen schlechtbezahlten Arbeitsplatz, und trägt ab da auch keine Verantwortung mehr.

Oder, was denkt ihr? (ocweekly, dailyfinance) (pic oben: greenpeace)

16 Kommentare

  1. Sehe ich genauso. Ohne Erdöl hätten wir heute auch keine Tankstellen, und jeder, der sich entscheidet, auf diesen Zug aufzuspringen, muß auch mit ihm in die gleiche Richtung fahren. Diese Entscheidung hat jeder selbst zu tragen, aber es bleibt ja auch jedem selbst überlassen, stattdessen mit den Pennern unter der Brücke von morgens bis abends Fusel zu saufen und darüber zu lamentieren, wie schlecht die Welt doch ist. Immanuel Kant hat über den Komplex „Mündigkeit“ einige sehr passende Sätze formuliert (->selbst suchen!! Net mich danach fragen!!)

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  2. Eee, mitgegangen, mitgehangen. Wer Benzin verkauft, hat gewusst worauf er sich einlässt. Das ist wie wenn ein Crackdealer rumjammert, dass seine Quelle einen Bandenkrieg angezettelt hat, und jetzt deswegen niemand mehr bei ihm kaufen mag.

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  3. ich würde ja an der Kasse laut fragen warum das überklebt und ob sie was zu verbergen haben ;)

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  4. ich befürchte ja, daß man bp wirklich kaum damit trifft, weil die im zweifel den sprit an die anderen Firmen verkaufen. Das deshalb, weil eben diese den plötzlichen Nachfrageschub – getankt wird ja trotzdem – nicht auf Lager haben.

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    • Genau das gleiche dachte ich auch. Die Tankstellenbetreiber verdienen (in Deutschland zumindest) 1 Cent PRO LITER wenn überhaupt…und verdienen eigentlich nur mit Alk/Zigaretten richtig Geld. Wobei das natürlich auch nicht wirklich viel ist.

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  5. NeinNeinNein, so geht das doch nicht. BP soll doch für die Säuberung aufkommen, und wenn sie jetzt Pleite gehn dann kann/will es wieder keiner Bezahlen. Also müssen sie schön weiter einnehmen, um auch die Sauerei wieder wegmachen zu können. Und keine Angst, das wird ganz schön teuer, also bleibt denen eh nix für die eigene Tasche.

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  6. Wenn man BP (Aral) boykottiert und dafür bei der Konkurrenz tankt, ist nicht viel gewonnen. Es müsste aich ein Umdenken stattfinden, Peak Oil und so…

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    • RADFAHREN!!!
      Ist kein leeres Geschwätz, ich besitze in der Tat kein KFZ und fahre meistens Rad, seltener ÖPNV. Ist erst ein Anfang, ich muß mir auch ’nen Stromanbieter suchen, dessen Gelder definitiv NICHT irgendwie den Ölkartellen und deren Freunden zugespielt werden, damit auch mein PC keine Verseuchungsfirma unterstützt, wenn ich ihn einschalte. Ist keine leichte Aufgabe, sein Leben in der Hinsicht auszurichten, denn die Infos, welche Produkte warum zu vermeiden sind, sind schwer zugänglich und von Falschaussagen durchsetzt. Es geht net nur um Öl. Es geht auch um Baumwolle (usbekische Baumwolle ist Haupt-Ursache für das inzwischen komplette Verschwinden des „großen“ Aralseebeckens, das macht Tschernobyl durchaus ernsthaft Konkurrenz was die Schäden anbelangt), Ausbeutung armer Völker (dürfen wir überhaupt noch bei Aldi kaufen??) undsoweiter undsofort.
      Ich sach‘ nochmal den Namen Immanuel Kant. Das ist über 200 Jahre her, daß der Mann einige Dinge gesagt hat, die anscheinend immer noch net in den Köppen der Menschen angekommen sind, warum auch immer. Dazu hat Einstein aber ein paar Passende Sätze gesagt ;)

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  7. Du hast nicht ganz unrecht, allerdings muss man auch beachten, dass viele Franchisenehmer tatsächlich zu einem großen Teil wenig schuld tragen. Bedenke etwa dass viele eher schlecht informiert oder naive gewesen sein können (oder sie hätten z.B. gewusst dass viele Franchisenehmer grob überbevorteilt werden, unproportionell grosse finanzielle Risiken tragen, u.ä.), dass einige ihr Geschäft schon aufgenommen haben könnten, bevor sich eine gewisse Firma als „böse“ herausgestellt hat (oder geworden ist), dass andere ursprunglich bei einer anderen Kette waren, die aufgekauft wurde, …

    Nebenbei, die Tankstellen verdienen häufig ihr Geld mit dem Nebengeschäften in Bier, Zeitungen, Zigaretten, was-auch-immer, während das Benzingeschäft etwa gleich auf geht.

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  8. die einzigen die bei der sache pleite machen sind die pächter.

    BP heißt demnächst DINGSBUMS, wechselt den besitzer, das jetzige management und die vorstände wecheln auf andere posten (im zweifel in andere tochterfirmen bzw. branchen und in andere länder) und dess wars dann . . .

    . . . auf der strecke bleibt der ozean, die natur als ganzes und viele der kleinen existenzen!

    denn die katastrophe kann man gleich noch zum zwecke der marktkonzentration und des indirekten personal-abbaus (denn franchise-nehmer sind ja ach so „SELBSTSTÄNDIG“) im unteren bereich missbrauchen.

    ehemalige pächter lässt man dann auf zT. immense schulden-berge sitzen! schulden die sich meist nur deswegen ergaben und ansammelten weil die franchise-bedingungen an ständige modernisierungen und erweiterungen gekoppelt sind (eine beliebte methode der konzerne bei den pächtern mehrfach abzukassieren. denn die abnahme ist natürlich wiederum an sog. vertragsfirmen gekoppelt die, wenn man denn mal weiter-forscht, meist irgendwelche weitere töchter- oder kooperationsfirmen desselben konzerns sind usw. usf. etc.)!

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  9. Na, nach der Logik des Berichtes wäre es nur recht und bilig wenn die Allgemeinheit alle schäden trägt, allen tanken benzin und wissen, das man Öl fördern muss, also sollen wir auch das risiko tragen. Dolle logik. Wir wollen auch alle Abhängig sein von Großkonzernen, die die Märkte beherrschen, die die Löhne bestimmmen, die preise, die politik und das öffentliche bewußtsein, mit Medien die sie über ihre Aufträge in der hand halten.
    Aber wir wollen es nicht besser, wir wollen keinen Unabhängigkeit, weil wir uns danach sehen unterworfen und beherrscht zu werden. Wir wollen keine wasserstofgesellschaft und Netzwerke mit alternativen energien, weil wir uns danach sehne, in ölverseuchtem atomar verstrahlten Wasser zu schwimmen und unser Geld den Patriarchen der Welt in den Rachen zu werfen.

    So sind wir, wir wollen es nicht anders.

    Schöne Logik ist dass.

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  10. Am Rande der Klimakonferenz in Bonn wurde am Samstag eine Tankstelle blockiert. Aral/BP war wohl nicht zu erreichen, daher die einer anderen Marke. Was solls, die Ölkonzerne haben alle Dreck am Stecken. Der Pächter fand es überraschenderweise okay und hat alle Demonstranten eingeladen, sich doch etwas im Shop zu kaufen :-)

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  11. Nur eine Überlegung
    Wenn BP/Aral boykottiert wird, rechnen die sich arm und melden Konkurs an.
    Am Ende „können“ sie die Kosten der Katastrophe nicht mehr bezahlen.
    Das gehobebe Management im Hintergrund bleibt, viele andere können entlassen werden.
    Das Kapital wird weltweit unter weiß ich was für Gesellschaftsnamen verschoben, ein neuer Namen und ein anderes Logo wird entwickelt.
    Diejenigen, deren Existenz zerstört wurde und die Natur gucken in die Röhre nach dem Motto: Greif mal einem Nackten in die Tasche.

    Wie bereits erwähnt, könnten sie auch einfach andere Anbieter beliefern, ohne das es bemerkt wird, denn dem Sprit sieht man es ja nicht an.
    BP darf kein Vorwand geliefert werden, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen und andere blechen zu lassen. Vielleicht wartet das Management ja nur darauf und der Plan B liegt schon in der Schublade.
    Weiß nicht, ob das so sein könnte. Der Gedanke schoß mir halt durch den Kopf.

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  12. Seid doch froh, dass BP keine Atomkraftwerke baut.

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  13. […] keine Bewertungen. Viiiiel eindeutiger dagegen ist eure Meinung zum BP/Aral-Tankstellenboykott (vom Anfang des Monats, siehe unten): 82 % der umfrageteilnehmenden 11k2-Leser sind für einen Boykott, auch wenn die […]

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