Der Kriegsschauplatz der Informationsrechte

Am Mittwoch dieser Woche ging der jahrelange Prozess zwischen dem US-Medienkonzern Viacom und der Google-Tochter YouTube zu Ende. Zumindest für diese Runde, da Viacom Berufung angekündigt hat. U.S. Bezirksrichter Louis Stanton, Manhattan, entschied, dass Google bzw YouTube nicht für „illegal“ hochgeladene Videos verantwortlich sind.

Die entsprechende Gesetzesgrundlage bietet der US-amerikanische Digital Millennium Copyright Act (DMCA) , der Internetplattformen und Inhalteanbieter von Haftung für User-Content freihält, solange man diesen auf Aufforderung entferne.

Eine entsprechend formulierte Rechtssicherheit fehlt übrigens in Deutschland, hier sind Internetpublikationen der Gnade und Fachkenntnis (je nachdem, welche Eigenschaft weniger ausgeprägt ist) deutscher Gerichte ausgeliefert.

Im Verlauf des Viacom-YouTube-Prozesses war übrigens offenbar geworden, dass eine grosser Teil der beanstandeten YouTube-Videos von Viacom-Mitarbeitern zu Marketingzwecken hochgeladen worden waren, und hochrangige Viacom-Magaer in erbitterten Emailwechseln darüber stritten, wer von ihnen nach dem juristischen (End)Sieg die Kontrolle über die beliebteste Video-Sharing-Plattform des Planeten erhält: Es geht um Marktmacht und Kontrolle über Distributions- und Werbekanäle.

Inzwischen hat die US-Rechteverwertungsgesellschaft Ascap („die amerikanische Gema“) einen Bittbrief an ihre Mitglieder (a.k.a. Komponisten) gerichtet; einen Spendenaufruf für den Kampf gegen Creative Commons, sowie die Bürgerrechtsprganisationen Electronic Frontier Foundation (EFF) und Public Knowledge. So etwas hat die deutsche Gema noch nicht unternommen, aber auch das ist nur eine Frage der Zeit.

Die britische University of Leicester hat gerade eine Studie veröffentlicht, die vor den Folgen des britischen Digital Economy Act 2010 und des drohenden ACTA-Vertrags warnt: Durch weitere Einschränkungen von Informationsrechten zugunsten der Rechteverwerter würde Kreativität und Kunst eingeschränkt und behindert. Das sollten wir nicht vergessen, die einfache Formel hier lautet: „Us vs. Them“.

(wsj, 24dash, via techdirt)

1 Kommentar

  1. na endlich! der öffentliche rund-um-schlag (denn auf lange sicht wirds bei worten nicht bleiben – dafür sind sie viel zu gierig) – inklusive gegen google! das wird der sichere untergang der dinosaurier (denn anscheinend können sie es gar nicht mehr abwarten)!

    Paramount: Google ist größte Raubkopie-Suchmaschine

    ausschnitt:

    [ . . .

    Wie leicht das bereits am Rechner geht, demonstrierte Huntsberry dem hauptsächlich aus Kinobetreibern aus ganz Europa bestehendem Publikum in einer Livevorführung. Mit sechs Klicks holte er den gerade erst in den USA angelaufenen „A-Team“ in einer abgefilmten Version auf die Leinwand. Huntsberrys Demonstration startete mit der deutschen Google-Suchanfrage „kino und moviestream“. Ohnehin finde man über Google auch die meisten illegalen Dateien bei den klassischen Filehostern: „Die größte Leech-Site ist Google“, sagte Huntsberry. Weiter betonte er, dass – anders als noch bei Peer-to-Peer – bei der Filmpiraterie über Streaming- und Hostingsites viel Geld verdient würde.

    Huntsberrys steile These: Piraterie sei für die organisierte Kriminalität neben Menschenhandel, Identitätsdiebstahl und Kinderpornografie ein weiteres Standbein. Warum solle man Drogen auf der Straße verkaufen, wenn man auch mit Filmpiraterie Geschäfte machen könne, so eine von Huntsberrys rhetorischen Fragen. Er unterstützte seine These mit dem Hinweis, dass laut seinen Informationen der Filehoster Megaupload mit einem geschätzten Gewinn bis zu 215 Millionen US-Dollar von dem wegen Veruntreuung und Insiderhandel zu Bewährungsstrafen verurteilten New-Economy-Exzentriker Kim „Kimble“ Schmitz betrieben würde.
    . . . ]

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Paramount-Google-ist-groesste-Raubkopie-Suchmaschine-1029423.html

    zumindest gibt er am ende des artikels auch eigene (wenn auch nur sehr eingeschränkt umrissen) verfehlungen der branche zu. aber der depp glaubt doch anscheinend ernsthaft das sich GOOGLE mit „Menschenhandel, Kinderpornografie, Identitätsdiebstahl und Drogenhandel“ auf eine stufe stellen lässt und dann diese drecksau-industrie (die wie keine andere seit jahrzehnten für genau diese schwerstverbrechen bekannt ist – ) ungeschoren lässt!

    Gefällt mir


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