Musikverlage wollen 360-Grad-Verträge

Was sind Musikverlage und was sind 360-Grad-Verträge? Verlage sind im Musikbusiness dafür da, um das Unternehmen, das die Tonträger vertreibt, auch an den urheberrechtlichen Tantiemen („Gema“) der Musiker/Komponisten zu beteiligen. Sag ich jetzt mal so, ganz in Kürze.

„360-Grad-Verträge“ ist eine beschönigende Umschreibung (Euphemismus) dafür, dass das Tonträgerunternehmen (bzw der Verlag) an sämtlichen, auch mittelbaren Einnahmen des Künstlers beteiligt ist. Konzerte, T-Shirts, Werbeauftritte. Also der Teil, mit dem Künstler bisher ein noch Geld einnehmen konnten. Das mit den Tonträgerverkäufen alleine lohne sich nicht mehr.

Greg Saunders von Warner Publishing beschreibt auch den Idealtypus des Künstlers, dem man gerne einen Vertrag anbieten würde: „Gut für uns ist, einen Komponisten unter Vertrag zu nehmen, der auch Producer ist und direkten Zugang zu Musikern hat. Der klassische, selbstgenügsame Singer/Songwriter ist noch ok, aber schwierig“.

Naja, eigentlich sollten Künstler die Konsequenz ziehen und diese ineffiziente Vermarktungmaschine komplett vermeiden. (via hypebot)

10 Kommentare

  1. „Gut für uns ist, einen Komponisten unter Vertrag zu nehmen, der auch Producer ist und direkten Zugang zu Musikern hat. Der klassische, selbstgenügsame Singer/Songwriter ist noch ok, aber schwierig“.

    heißt direkt übersetzt:

    gut für uns ist, einen künstler unter vertrag zu nehmen, der ALLES SELBER MACHT, BEREITSTELLT und ORGANISIERT – und dafür das ihm (oder seinen angehörigen und freunden) nicht etwa „was gar schlimmes“ passiert, muss er uns jede woche von seinen einnahmen etwas abgeben. wir sind dann auch großzügig und verlangen NUR 80%!

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    • Du Menschenfreund. Mit 80 % sind die nicht zufrieden. Eher was dreistelliges.

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    • Also aktuell sind es 96,5%. Und die wollen den Künstleranteil noch drücken.

      Warum jemand so blöd ist, das zu machen, und sich darüber auch noch zu freuen, verstehe ich bis heute nicht…

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  2. […] This post was mentioned on Twitter by herr bee, 11k2. 11k2 said: Musikverlage wollen 360-Grad-Verträge: http://wp.me/pjgMd-4VU […]

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  3. Mir stellt sich jetzt noch die Frage, wieso und was eigentlich noch die Musikverlage in diesem Fall machen, wenn doch der Musiker selbst schon fast alles alleine regelt. Ist es nicht ein bisschen schwierig zu vermitteln, dass ich gerne an allem beteiligt werden möchte, obwohl der Musiker sich schon selbst um seine Musik usw. kümmert? Dadurch wirkt das Konzept irgendwie seltsam dümmlich.

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  4. „tVerlage sind im Musikbusiness dafür da, um das Unternehmen, das die Tonträger vertreibt, auch an den urheberrechtlichen Tantiemen („Gema“) der Musiker/Komponisten zu beteiligen.“
    Das ist allerdings sehr vorsichtig ausgedrückt. „Im Normalfall“, zitiere ich mal einen Musikverlagsmenschen aus dem Gedächtnis, „verhandelt der Musikverlag, dem der Künstler die Rechte im Plattenvertrag abgetreten hat, mit der GEMA. Der Musiker selbst hat mit der GEMA normal eher nichts zu tun.“ …und sieht im Normalfall (wenn er so naiv war, sich die Aufführungsrechte abschachern zu lassen) auch eher nichts von seinen Tantiemen. Dafür darf er dann an den „Rechteinhaber“ (die GEMA) blechen, wenn er seine eigenen Stücke spielt.
    Klar, dass sich Typen, wie Greg Saunders um Leute reissen, die so verrückt sind, die komplette Arbeit zu übernehmen und sämtliche Einnahmen an ihn zu verschenken. Einen Einzelnen kann man womöglich auch noch einfacher über den Tisch ziehen, als eine Truppe von Leuten von denen der eine oder andere dann doch erst nachdenkt, bevor er unterschreibt.

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  5. Solange die Musiker die Verlage zu brauchen scheinen wie ein Junkie seine Drogen (beides ist Irrglaube!), wird sich auch nichts daran ändern, daß die „Dealer“ den Löwenanteil der Einnahmen für sich vereinnahmen und die eigentlichen Produzenten werden genauso ausgebeutet wie die Konsumenten. Schon Spliff hat das in den 70ern schön formuliert: „Rock is a Drug!“ (Spliff Radio Show).

    Glücklicherweise kommen nicht zuletzt dank Thom Yorke etc. mehr und mehr Musiker auf die Idee, daß man diese Droge auch selbst produzieren und vermarkten kann. Macht dies tatsächlich Schule, und dank Internet sehe ich da reelle Chancen, können die Musikverlage in Zukunft ihre eigene Musik machen und die dann vermarkten, denn das ist absolut fair. Spätestens dann hört der Irrsinn ganz von selbst auf, weil dann klarwird, daß die „Dealer“ selbst überhaupt keine Werte produzieren, sondern sich wie Zecken an den Markt heften, bis sie vor Übersättigung von selbst abfallen oder gewaltsam entfernt werden. Hoffen wir, daß das BALD geschieht.

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  6. Hier klingt immer so die Frage durch, warum Künstler das wohl machen. Bzw. warum die auf Verträge mit für sie ungünstigen Bedingungen eingehen. Da kann ich weiterhelfen: Weil die Plattenfirmen immer noch die Vertriebswege beherrschen. Die 4 sogenannten „Majors“ besitzen über 80% aller gehandelten Musikrechte. Die Indie-Labels kloppen sich um den Rest. Die haben alle Geld für Werbung, die haben beste Beziehungen zu Radio, MTV etc. und so weiter. Wenn man in dieser ich nenne es mal „Szene“ nichts ist, dann ignorieren einen ca. 99% der potentiellen Kundschaft.

    Die Nicht-Musiker, die behaupten, jetzt wäre mit der digitalen Technologie, dem Internet und mit Creative Commons alles besser, gehen mir schwerstens auf den Keks. Noch sind die Karten extrem ungleich verteilt.

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    • Du redest von Musikern, die nur des Geldes wegen musizieren. Und die Musik die dabei rauskommt ist meisstens eh nicht intressant.

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      • Nein, davon rede ich nicht. Es ist nun mal so, dass man besser ist bzw. wird, wenn man sich mehrere Stunden am Tag musikalisch betätigt als wenn man das neben einem Fulltimejob macht, vor allem wenn der einen auch geistig fordert.

        Auch bzw. gerade wenn man das aus der Liebe zur Musik macht, und immer mehr Zeit hineinsteckt, möchte man irgendwann damit Geld verdienen, wenn man nicht gerade reich ist. Allein die notwendigen Instrumente und Zubehör wie Saiten etc. verschlingen schon eine Menge Geld.

        Außerdem wird bei dieser DIskussion immer vergessen, dass ein Musikernicht immer seine eigenen Songs spielt. Es gibt Berufsmusiker, die z.B. im Orchester angestellt sind. Es gibt aber auch Komponisten und Textdichter, die selber gar nicht auftreten. Wenn man da nicht differenziert, dreht sich die Diskussion sowieso ständig im Kreis.

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