Zeitungssterben, Leistungsschutz und anschliessender plötzlicher Zeitungstod

In ihrem Artikel „We Need To Change Copyright Laws To Save Newspapers“ argumentieren Dr. Eric Clemons und Nehal Madhani, Copyright und andere Informationsnutzungsrechte würden Kreativität fördern, weil nur dann die Kreativen von ihren Schöpfungen auch finanziell profitieren und weiterhin kreativ bleiben würden.

Wie wir wissen, ist das eine gewagte, wenn auch immer wieder geäusserte Hypothese. Um nun die vor allem in den USA zügig aussterbenden „klassischen Medien“ zu schützen, schlagen die beiden Autoren eine Verstärkung des Copyrights bei Nachrichtenpublikationen vor: Eine Newsmeldung soll 24 Stunden lang nicht von anderen wiederholt werden dürfen, bei einer Wochenpublikation (wie etwa der Printausgabe des ehemaligen Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“) soll die Schutzfrist auf eine Woche ausgedehnt werden. Das gelte auch für den Inhalt, und nicht nur den Wortlaut einer Nachricht. Solche Forderungen hören wir auch hierzulande, in der Debatte um das sogenannte Leistungsschutzrecht.

Was wäre die Folge? Aggregatoren wie Google News könnten keine Nachrichten-Überschriften mehr auflisten, was zu einigen wenigen Prozent Verlusten bei Werbeeinnahmen der Suchmaschinen führen würde. Umgekehrt erhalten „klassische Medien“ rund drei Viertel ihres Internet-Traffics von Aggregatoren und Suchmaschinen, würden also etwa auch drei Viertel ihrer Online-Einkünfte verlieren. Die Folge davon ist eine Pleitewelle in der Medienindustrie. Falls zusätzlich die Inhalte der News geschützt werden, veröffentlichen qualitätsfreie Publikationen, etwa aus dem Springer-Verlag, die Artikel eben schon einen Tag vor dem Ereignis.

Auf diesem Boden wächst ein neuer juristischer Dschungel, der zwar reichlich neue Arbeitsplätze für Rechtsanwälte bietet, die Medienindustrie aber um so schneller ausblutet. Wer den „plötzliche Zeitungstod“ nicht herbeiführen möchte, sollte sich daher mit der Realität auseinandersetzen; Distribution von Informationen ist heute eben etwas anderes als vor 100 Jahren. Und es wird nie wieder so sein wie damals.

(via businessinsider) (pic Jerry Bowley cc by-nc-sa)

13 Kommentare

  1. ehemaliges Nachrichtenmagazin, Fritz liest also Fefe…

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  2. Absolut richtig! Wie man die Print-Medien am leben halten kann, weiß ich auch nicht. Ich jedenfalls kaufe hin und wieder Zeitungen und Magazine. Nicht so wie früher, dank Internet, aber eben gern, weil ich das Papier rascheln hören möchte. Ebenso gehts mir mit Büchern. Die „Weberaufstände“ haben auch nichts genützt. Die Schreiber mußten gegen Gutenberg die Segel streichen usw, usw der Fortschritt ist nicht aufzuhalten, for better or worse.
    Peter A. Bruns

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  3. Du tust so, als wäre das Aussterben der „klassischen Medien“ was schlechtes.
    Also ich bin dafür, diese Regelungen einzuführen. Denn ich kann sie nicht schnell genug untergehen sehen. ^^

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  4. Eine Nachricht unter Verschluss halten, bzw. nur in einer Zeitung / Sender veröffentlichen? Das halte ich für arg schwierig, denn so kommt eine Information (die ja durchaus wichtig sein kann auch für Nicht-NY-Times/Spieler/Herald/Sun-Leser) erst viel zu spät an. Was das für ein Chaos auslösen würde.

    Glücklicherweise gibt es ein Internet, bei dem die Nachrichten sowieso verbreitet werden. Und wenn es eben dann in P2P-Info-Netzen passiert ;-)

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  5. P2P-Nachritentauschbörsen *fg*
    Muha.

    Well, nee, echt tolle Idee.
    Eine nachricht darf nur nochvon dem ersten verbreitet werden. Alle anderen müssen Ihren schon gelaufenen Druck einstampfen und neu drucken. Wobei andere Zeitungen dann auch schon gedruckt wurden und im Endeffekt die komplette Ausgabe im Schredder landet.

    Nur mal so ein Gedanke, wenn die nachricht Exklusiviert wird, bekommt der Ausläöser der nachricht dann auch etwas vom Kuchen ab? Ich meine so als „Kreativer“.

    Eine totgeburt die toter nicht sein kann.
    Die Leute haben immer noch nicht verstanden was das ominöse „Internet“ ist.
    Die sind raus. basta. Deren Zug ist abgefahren und wird nicht wiederkommen.
    Arten sterben aus, Berufe auch.

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    • . . . und mit dem kurz bevorstehendem „exorbitantem“ PREISSTURZ bei ELEKTRONISCHEN LESEGERÄTEN (auch „ebook reader“ genannt) – ich schätze mal das es schon dieses jahr weihnachten rum erdrutsch-artig geschehen wird (und dann nochmals um die gleiche zeit nächstes jahr) – und der daraufhin einsetzenden unaufhaltsamen verbreitung innerhalb der breiten massen . . .

      . . . so wird sich dann das verlagssterben – dank ihrer eigenen an größenwahn erinnernden versuche die geschehnisse mittels zwangsmaßnamen kontrollieren zu wollen statt sich den ändernden umständen entsprechend anzupassen – um ein vielfaches beschleunigen.

      außerdem:

      das es auf absehbare zeit auch mal komplett spezialisierte und lupenreine „P2P-Nachritentauschbörsen“ geben kann/wird, ist an und für sich gar nicht mal so abwegig gedacht oder gar weit hergeholt, gibt es doch schon seit langem portale die ausschließlich nur links zu PDF und sonstigen textdatei-materialien anbieten.

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  6. ei, laßt sie doch machen. Um das Maul aufzureissen, braucht es keinerlei Intelligenz, es braucht lediglich ein großes Maul. Ich seh‘ schon in Gedanken, wie sie sich dann gegenseitig zerfleischen, von wegen wer denn nun der erste mit diesem oder jenem Thema war und so weiter. Wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte *freu*

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  7. Brieftauben. Mit Chip ‚drin. ?

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  8. Unwetterwarnung!
    In der vergangen Nacht kam es in weiten Teilen zu heftigen Gewittern, teils mit Stumböhen und Starknierderschklägen. Sie sollten entprechnden Schutzmaßnahmen eingeleitet gehabt haben.*

    * Aus urheberrechtlichen Gründen dürfen wir diese Warnung erst mit 24 Stunden Verzögerung veröffentlichen.

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  9. Das Leistungsschutzrecht ist übrigens im Koalitionsvertrag von CDU, CSU, FDP bereits fest verankert. Seite 104.: http://bit.ly/QrLIX

    Gut, wer gewählt hat.

    Naja, und das redaktionseigene Scoops faktisch eh schon immer an Agentur geliefert werden und damit fleißig von anderen Zeitungen („beruft sich auf“, „sagt in der Zeitung xy..“) referenzeiert wird. Scoops im Nachrichtengeschäft sind natürlich wirklich schwierig, durch die Struktur des Netzes eigentlich abgeschafft.

    Das mit Zwang wieder einführen zu wollen…Das ist nicht unbedingt der innovative Weg von Springer und Burda. Aber Springer macht ja derzeit eh wieder mehr paid media, mal sehen, wie sich das längerfristig auf Visits und die Werbung auswirkt.

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    • Die gesamte Medienwelt wird vielleicht weltweit in ihre einzelnen Bestandteile zerfasern. Niemand wird die Oberhand mehr haben (wie einst TV oder Print) das kann aber auch heißen, dass sich unzählige Gruppen und Grüppchen bilden. Enklaven sozusagen, in denen nur diese spezielle Gruppe sich untereinander austauscht. Wie es ja heute in den USA auch schon ganze abgesperrte Wohnviertel Enklaven gibt, wie Google street view jüngst erfahren mußte, als sie fort fotografieren wollten. Die Welt aufgeteilt in Interessengruppen, die untereinander keinen Kontakt mehr finden. Was bedeutet diese Flut der Information politisch? Ist der Einzelne dann schutzlos der Willkür anderer ausgesetzt? Gar einem diktatorischen Staat? Teile und herrsche? Ich frag ja nur! Ich weiß es auch nicht. Wo führt uns die totale Internetwelt hin? „Rudi ratlos!“ oder „Kevin allein zuhaus?“
      Peter

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