Das selbst geschaufelte Grab der Musikindustrie

Die Grafik oben stammt aus dem Prozess der Major Labels gegen die US-Tauschbörse Limewire und stellt – überraschenderweise – völlig präzise dar, wo das Problem liegt.

Die Kurve zeigt, dass von etwa Mitte der 80er bis etwa Mitte der 90er der durchschnittliche LP/CD-Konsum eines US-Bürgers von drei auf fünf Alben anstieg. Dann Stagnation und ab Ende der 90er ein Rückgang auf einen Wert, der heute unter dem von 1975 liegt. Abgesehen davon dass die 4 Majors sich selbst unrichtig als „Musikindustrie“ bezeichnen und in ihrer Darstellung alle wirtschaftlichen Zusammenhänge ausser acht lassen (Stagnation der unteren und mittleren Haushaltseinkommen seit 1990, neue Medien wie Mobiltelefonie, Games, Internet), sondern den Start der ersten grossen Tauschbörse ihren eigenen, völlig subjektiven Umsatzerwartungen entgegenstellen, fehlt in der Grafik oben vollkommen die eigentliche, zentrale Entwicklung (siehe unten):

(1) Erster MP3-Player Audio Highway Listen Up,

(2) erster kommerziell erfolgreicher MP3-Player Diamond Rio PMP300,

(3) erster iPod.

Das Format der Wahl hat sich geändert, die Konsumenten wollen MP3s statt Vinyl (LP) oder Poycarbonat (CD), und die Majors haben nicht darauf reagiert: Downloads mit verringerter Nutzbarkeit (kein Verleih, Weiterverkauf, keine freie Kopierbarkeit) zu etwa den selben Preisen wie CDs/LPs sind nicht konkurrenzfähig. Folge: Musik als Kunst- oder Kulturform blüht wie nie zuvor, nur die Umsätze mit physischen Tonträgern gehen in den Keller, und die überteuerten Digitaldownloads kommen aus diesem gar nicht erst raus.

Das wäre an sich kein Problem, schon gar, weil die Tonträgerindustrie eben nur eine vergleichsweise winzige Branche darstellt. Aber eben diese Leute zerstören durch ihre Lobbyarbeit gerade unser Urheberrecht, und das schadet sowohl allen Kreativen als auch allen Konsumenten. Und jetzt die gute Nachricht: Wir können das stoppen. Durch Abstimmung an der Wahlurne und Abstimmung an der Ladenkasse.

hypebot

 

 

7 Kommentare

  1. Die Clowns haben wohl noch nie die Begriff „Marktsättigung“ gehört.
    „Predicted Sales“. Genau. Und 2100 werden wir dann 110% unseres Gehaltes für „Alben“ ausgeben. Siiiichiiiii! ^^

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  2. Es gibt Musik an der Ladenkasse? Aber doch nur dieses Gedüdel aus den Lautsprechern, oder? Ich meine Musik ist ja kein Produkt, das man irgendie „kaufen“ könnte.

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  3. vor allem sollte die MI mal erklären warum es knapp 2 jahre vor NAPSTER einen solch signifikaten einbruch zwischen ende 1996 und anfang 1997 gab?

    sowie im besonderen aber auch das trotz der einführung der selber bespielbaren MCs ende der 70ziger jahre die umsatzkurven ohne unterlass nach oben anstiegen, und genauso warum es selbst nach einführung der selber-brennbaren CDs und DVDs aber trotzdem, zwar mit dellen und periodischen einbrüchen, stetig nach oben ging obwohl ja angeblich „Home Taping Is Killing Music/Films“.

    das außer acht lassen der schon seit ende der 70ziger jahren stagnierenden löhnen und gehälter sowie die nichtzurkenntnisnahme der generellen ausgabenverschiebungen hin zu den neuen medien und technologien ist ja nur der eine aspekt.

    was aber bisher überhaupt keine berücksichtigung findet ist der posten in den privat-haushalten der in richtig „bezahlfernsehen“ fließt. natürlich ist das bei uns in deutschland noch nicht SO SEHR der fall, aber in vielen anderen unterhaltungs-wirtschaftlich relevanten ländern schon. ganz besonders in den englischsprachigen wirtschaftsräumen – allen voran die USA bei denen gerade dieser posten pro haushalt /pro monat einen ziemlichen batzen ausmacht!

    tatsache ist und bleibt das nur so und soviel einkommen pro kopf und haushalt da ist. zudem sind diese pro kopf- und haushalteinkommen besonders in den letzten 20 jahren dank der zunehmenden prekären arbeitbeits- und einkommensverhältnisse in der breiten masse massiv unter druck geraten und sind weiterhin im freien fall.

    man kann doch den leuten nicht ständig die einkommen abspenstig machen, sie immer weiter einschränken und ihnen kürzungen abverlangen – wobei ja auch gerade diese konzerne und ihre zahlreichen tochterunternehmen und mannigfaltigen beteiligungen in anderen wirtschaftsbereichen – zB. in den telekommunikationsbranchen – daran beteiligt sind (zB. beim weltweiten massiven „lohndumping“) und dann trotzdem von diesen leuten ernsthaft erwarten (verlangen) sie sollten immer weiter und immer mehr kaufen (können).

    die leute (verbraucher) sollen also nach althergebrachten modellen immer weiter kaufen (am besten zu immer höheren preisen) und gleichzeitig die kosten für die neuen medien und technologien stemmen (an denen gerade auch die unterhaltungskonzerne beteiligungen haben und daran mitverdienen), aber dennoch von ihren immer karger werdenden löhnen und gehältern leben können sowie rücklagen bilden um für ihre und die zukunft ihrer kinder vorzusorgen (zB. bildung, kranken/versicherungen, renten usw. usf. etc), ganze staaten und infrastrukturen am laufen halten (damit die konzerne immer schön weiter ihren geschäften nachgehen können) während sich fast die gesamte private (konzern)-wirtschaft in einem immer größer werdendem ausmass aus allen gesamtgesellschaftlichen verantwortungsbereichen verabschiedet.

    JA WAS DENN NUN? sollen die leute althergebracht im gleichen umfang immer weiter kaufen und auf einem relativ hohen niveau konsumieren oder sollen sie jede verdiente währungseinheit nach der jeweiligen lebens-priorität ausgeben während ihnen gleichzeitig immer mehr abverlangt wird sich einzuschränken.

    entweder – oder!

    beides geht nicht! nicht bei immer weiter stagnierenden sowie real fallenden löhnen und gehältern bei gleichzeitiger austrocknung der staatlichen einnahmequellen (immer mehr unternehmen – hauptsächlich konzerne – zahlen immer weniger steuern während sich gleichzeitig aus den einkommen aus prekäreren arbeitsverhältnissen immer weniger bis gar keine steuern mehr generieren lassen – ganz im gegenteil sogar) die in zunehmenden masse die jeweilgen infrastrukturen der länder erodieren lassen.

    die MI (bzw. unterhaltungsindustrie) ist ja nur ein indikator (unter mittlerweile gar nicht mehr wenigen) dafür das dieses raubtier-kapialistische.wirtschaftsmodell seinem ende entgegengeht.

    natürlich habe ich jetzt ein wenig weit ausgeholt, dennoch, wer die strukturellen zusammenhänge nicht erkennen kann oder will ist selber schuld.

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  4. […] Geld zu machen, sind ja ziemlich am Ende (wie unser Schwester-Blog 11k2 gerade auch mal wieder schön belegt), und Trent Reznor darf sicher für sicher in Anspruch nehmen, das schon frühzeitig mitbekommen zu […]

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  5. […] dem Thema unter dem Titel „Das selbst geschaufelte Grab der Musikindustrie“ (zu finden hier auf 11k2.wordpress.com) hat der liebe Kollege Falk Fatal (zu finden hier) ausgegraben. Spannend ist, dass der […]

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  6. Danke für den guten Beitrag!
    Allerdings glaube ich, dass es noch weitere Argumente für den Rückgang und die Stagnation gibt, die zentral ist. Die Hörer_innen haben Ende der 80er und Anfang der 90er ihre Vinylsammlungen zum Teil auf CD erneut gekauft. Diesen Trend sind viele bei der MP3 nicht mehr mitgegangen, bzw. waren nicht mehr bereit dafür zu bezahlen. Dazu kommt, dass mit digitalen Daten auch das Kopien 1zu1 möglich war (nicht von Vinyl auf Tape) und kaum auffiel (eine vernünftige Hülle bzw. das Cover mit Farb-Drucker gebastelt, ein Unterschied kaum zu sehen). Aber wie gesagt, guter Beitrag und die Graphiken sind wirklich sehr spannend!

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  7. […] und linear weitergerechnet (wie die RIAA das so gerne tut), würde das für 2021 bedeuten, dass der Umsatz mit CDs dann auf jährliche 200 Millionen Euro […]

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