Der Vorrats-Geodaten-Skandal: iPhone vs Android vs andere Mobiltelefone

Zum Ende der Woche flammte eine Welle der Empörung über die Vorratsspeicherung von Aufenthaltsdaten auf iOS-Geräten um den Globus. Ja, richtig, das iPhone (genau so wie das iPad) speichert in einer beliebig langen Liste, wo es sich wann befunden hat, und welche WLAN-Spots grade in der Nähe waren. Schlimmer:

Die Cops wissen das auch schon länger und benutzen dieses „Feature“, um Aufenthaltsinfos ohne Gerichtsbeschluss zu bekommen.

Aber was ist mit dem Konkurrenzmodell Android? Ist Google „genau so schlimm“ wie Apple? Natürlich speichert auch jedes Smartphone mit Android OS Standortdaten. Aber eben nicht alle und für beliebig lange Zeit, sondern nur die letzten 50 Mobilfunkmast-Triangulationen und die letzten 200 WLAN-Kontakte. Ältere werden gelöscht. Und die Daten befinden nur auf dem Telefon, das zum Auslesen „gerootet“ werden muss, und nicht wie im Fall von iOS auf allen per iTunes gesyncten iGeräten.

Zusätzlich senden beide Smartphonefamilien Geodaten an ihren OS-Hersteller, also an Apple und Google, im letzteren Fall ist der Absender anonymisiert (was aber einen sehr erfahrenen Hacker auch nicht stören dürfte); diesen Datenversand kann der Telefonbenutzer im Gegensatz zur oben beschriebenen lokalen Speicherung abschalten.

Und ebenfalls zusätzlich speichern Mobilfunkbetreiber (also unabhängig von Google, Apple oder anderen Betriebssystemanbietern) Aufenthaltsdaten von Mobiltelefonen, auch über geradezu illegal lange Zeitspannen hinweg. Letzteres kann man maximal mit aufwendigen juristischen Verfahren bekämpfen.

Wir lernen: Mobiltelefonie hat mit Privatsphäre und Datenschutz nur sehr bedingt zu tun. Und die allesspeichernde „consolidated.db“ im iPhone ist eher sowas wie ein faulig riechendes Sahnehäubchen auf einem ebenfalls unappetitlichen Haufen Datenschutzverletzungen durch die Mobilfunkbranche. Schützen kann sich ein Benutzer nur sehr bedingt, vieles davon muss tatsächlich auf dem langwierigen politischen Weg gelöst werden.

arstechnica

5 Kommentare

  1. Das kommt davon wenn man geschlossene Betriebsysteme (doch, dazu zählt auch Android!) verwendet. Und Geräte die in TPM-Manier dem Nutzer am wenigsten vertrauen.

    Der Witz ist, dass es sowas bei Nokia nicht gab. Trotz geschlossenen Quellen. Weil das OS dem Benutzer über trotzdem offen war.
    Und man eh im Normalfall das GPS aus hatte. Verbraucht nur Strom. (Und zwar nicht wenig!)

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  2. Wie schauts eigentlich bei RIM/Blackberry aus?

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  3. Sobald mein Vertrag ausläuft, werde ich kein Handy mehr benutzen.

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  4. […] sich nicht so auswerten. nenn mal die quellen, links, zu den Berichten wenn es um android geht. hier kanst du lesen was android […]

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  5. […] (mehr dazu hier oder hier) und den gleichen Vorwürfen gegenüber Google bzw. Android (mehr dazu hier) sollte klar sein, dass ein Smartphone auch sehr viel über den Besitzer […]

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