Die finale Antwort auf Piraterie

Jeff Vogel ist 41, hat Bücher geschrieben und eine Menge Spiele programmiert, unter anderem die Exile-, Avernum- und Geneforge-Reihen. In seinem Blog „The Bottom Feeder“ beschreibt er ziemlich amüsant die Entwicklung seiner persönlichen Einstellung zum Thema Piraterie (also Kopieren ohne ausdrückliche Genehmigung).

Zu Beginn seiner Karriere verdiente er Geld mit Spiele-Lösungsbüchern, solche auf Papier, bis seine Kunden immer öfter nach PDF-Versionen verlangten. Zuerst hatte er Angst, dass dann seine Bücher nur noch kopiert würden und er kein Geld mehr dafür bekäme. Nach drei Jahren war ihm klar, was zu tun sei: Er stellte die PDFs auf seinen FTP-Server und mailte zahlenden Kunden einfach den Link zu. Ihm war bewusst geworden, dass sowieso jeder alles kopieren kann, wenn er will. Und zahlende Kunden sollten es so einfach wie möglich haben, die bezahlte Ware zu bekommen.

Als er sein erstes Spiel programmierte, wollte er „Piraterie“ vermeiden, also generierte das Game nach der Installation des Demos einen fünfstelligen Code, der vom Kunden beim Online-Kauf angegeben werden musste, so dass Jeff daraus eine gültige Seriennummer erstellen konnte, die er dem Kunden zuschickte. Er behielt das System trotz aller Schwächen fünfzehn Jahre lang bei, und sagt heute, er hätte das Geld, das in der verschwendeten Zeit hätte verdienen können, besser als Häufchen Scheine zum Heizen verwendet. Heute gibt es einen öffentlichen Downloadlink für das Game, und Kunden bekommen vom Online-Shop eine Seriennummer zugemailt. Ja jeder kann alles kopieren, aber seither verdient Jeff viel mehr Geld als früher. Weil es für die zahlenden Kunden einfacher geworden ist.

Eine einzige kleine Hürde genügt, meint er heute, um die Leute zum Bezahlen zu bewegen. Wenn es gar keinen Anreiz zum Bezahlen gibt, tun das die Leute auch nicht, sagt Jeff. Nicht, weil sie böse wären, sondern, weil sie faul sind. Aber eigentlich weiss so gut wie jeder, dass auch Spieleprogrammierer von irgendwas leben müssen. Wie erfreulich: Jeff Vogel hat verstanden, wie digitale Ökonomie funktioniert. Definitiv anders als die Massenproduktionsökonomie der Industriezeit, aber eigentlich besser. Ach, ja, und, wie die meisten von euch schon wissen, gibt es „Piraterie“ gar nicht. Ein Missverständnis.

jeff vogel

15 Kommentare

  1. Klar gibt es Piraterie. Mit Waffen und Raketen In Somalia, und in Südostasien… ^^

    Gefällt mir

    • Gott sei Dank gibt es diese Form der Piraterie, siehe da schon erholt sich die maritime Welt. :O

      Gefällt mir

  2. Die Leute sind übrigens nicht faul. Sie sind effizient!
    Effizient ist, wenn man nur die Ressourcen aufwendet, die wirklich nötig sind.
    Faul ist, wenn man noch weniger aufwendet und das einem selbst schadet.
    Und hier kommt niemand zu schaden. (Dazu müsste jemand eine Ressource verlieren. Die verpasste Chance sie zu ergattern, zählte noch nie.)

    Gefällt mir

  3. Übrigens ist das „Auch X muss von etwas leben.“-Argument Blödsinn. Man muss sich sein Brot ja erstmal verdienen. Sonst könnte ja jeder daherkommen und Geld verlangen.
    Das heisst nicht, was zu machen, was man selber für belohnenswert hält, sondern was andere für belohnenswert halten. Und das tun sie, wenn sie sich mit dem Belohnen zukünftige Vorteile versprechen.

    Aha, jetzt wird die Sache schon klarer! :)
    „Wer mich jetzt belohnt, für den mache ich zukünftig gerne was extra. :) Sonst kann ich es halt nicht machen. :(“
    Und das kommt bei neuen Projekten darauf heraus was ich immer gesagt hab, und was Kickstarter.com und andere auch so halbgar umgesetzt haben.
    Danach kann man dann eine Win-Win-Beziehung zu seinen Kunden aufbauen. „Die Funktion bau ich gerne ein, wenn ihr (z.B. per Vorbestellung oder Mikrobezahlung) die Kosten dafür zusammenkriegt.
    Wie ein Bugzilla mit Kickstarter pro Bug/Ticket. :)

    Gefällt mir

  4. Hmm, ja du – leite mal ein Unternehmen mit 500 Angestellten unter dir für die DU verantwortlich bist und gib dann mal von dir auf Kopierschutzmaßnahmen zu verzichten. Was als kleines Experiment gut geht, muss bei den „Großen“ nicht zwangsläufig funktionieren. Wie wäre es wenn du erst einmal anfängst Software zu entwickeln, bevor du anderen vorschlägst wie sie ihre zu verkaufen haben?

    Gefällt mir

    • Tut er doch?

      Und wenn den Verbrauchern ein Spiel nicht soviel wert ist, dass es 15 millionen euro Entwicklungskosten hat, dann soll es sowas halt nicht mehr geben!

      Gefällt mir

      • frei nach dem motto dieser arschgeigen die nimmermüde werden in die welt zu blöcken:

        „der (VERFICKTE) MARKT regelt sich selbst – der (VERFICKTE) MARKT braucht keinen staat . . . der (VERFICKTE) MARKT dieses – der (VERFICKTE) MARKT jenes . . .

        sollen diese ganzen (VERFICKTEN) MARKT-GEILEN wichser doch mal nach ihren eigenen aussagen leben und handeln . . .

        . . . VERFICKT NOCHMAL!!!!!!!!!!!

        ;-D

        Gefällt mir

        • Also bis auf die Klammern kann ich dem zustimmen ;)

          Gefällt mir

        • Du meinst also wirklich eine Firma würde Millionen ausgeben, wenn sie das Geld nie wieder reinkriegt?

          Ob du willst, oder nicht, der Markt regelt das in diesem Fall wirklich… (Außer du kannst Geld drucken)

          Gefällt mir

          • Der Markt regelt nichts, denn in diesem Markt agieren Menschen. Das sind Entscheidungen auf Ebenen, die von Menschen getroffen werden. Hier ist nix mit Markt. Große Geldsummen wirken immer verlockend und wenn große Konzerne jetzt mehr als früher verdienen können, werden sie sich sicher nicht zurücklehnen.

            Markt = Menschen, hier ist kein Hexenwerk im Spiel.

            Gefällt mir

          • es gibt keine größeren und verächtlicheren arschlappen unterwegs auf diesem planeten als diese gamzen MARKTGEILEN NEOLIBERALEN die zwar alle daumen deregulierung der märkte fordern – spätestens aber dann wenn ihnen (aus welchen gründen auch immer) die pfründe wegsacken am lautesten nach staatlichem durchgreifen und regulierungen – dazu gehört auch die überbeanspruchung von sicherheitsorganen und gerichten uä. – (aber nur und ausschließlich zulasten der konsumenten und verbraucher) schreien und jaulen wie herum-rotzende kleinkinder die in der verschissenen und verpissten dreckswindel sitzen und nach MAMA heulen.

            wenn schon „MARKT TOTAL“ – dann bitte komplett und ganz. das heißt wenn IHNEN (den drecks-neoliberallen neo-total-kapitalisten) die gewinne wegbrechen – dann sollen sie sich gefälligst nach neuen geschäftsmodelen und geschäftsfeldern umsehen mit denen sie wieder gewinne einfahren – ABER OHNE – das sie den/die staat/en misbrauchen nur ihnen die pfründe zu sichern!!!!!!!!!!!

            entweder – oder!!!

            Gefällt mir

  5. Guten Tag.
    Um dieses exorbitant excellente Posting von >spill< zu sehen überweisen Sie bitte 5€ (in gebrauchten Scheinen !) !
    Deponieren Sie bitte das Geld (In einem gebrauchten Briefumschlag !) auf dem städtischen Hauptfriedhof in Unterliederbach hinter dem 3ten Grabstein von links(also wenn man so 'reinkommt, direkt an der Trauerhalle rechtsbündig vorbei. Kleiner Tip: Um nicht unnötig aufzufallen mischen Sie Sich einfach unauffällig unter eine Trauergemeinde Ihrer Wahl.)).

    Hier eine kleine neugierigmachende Kostprobe :

    " Ja also ich finde ja quasi, also die Ma…………………………."
    (sorry, der Rest ist kostenplichtig)

    Gefällt mir

  6. Stimmt. Was für Jeff Vogel, einen Mann mit Bart, von dem ich noch nie gehört habe, funktioniert hat, während er Spiele programmiert hat, von denen ich noch nicht mal hören will, MUSS das natürlich wirklich für alle die allergeilste Lösung sein. Hey, Jeff hat mittlerweile rausbekommen, dass es total cool ist, sich ein altes lila Sweatshirt anzuziehen! ALLE sollten das so machen! Denn Jeff hat verstanden, wie digitale Marktwirtschaft wirklich funktionert!Sorry, der Artikel hier macht es sich doch ein bißchen einfach.

    Gefällt mir

    • wenn schon denn schon . . .

      bordeaux

      . . . besonders dann wenn man anderen „vereinfachung“ vorwirft!

      Gefällt mir

  7. und der industrie entgingen (mal wieder). . . ????

    ‚Piraterie‘: Industrie verlor 2010 (FIKTIVE) 59 Mrd. Dollar

    http://winfuture.de/news,63166.html

    Gefällt mir


Comments RSS TrackBack Identifier URI

Kommentar schreiben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.