EHEC, Scheisse und Faschismus in der EU

Die Panikwelle des Jahres heisst also EHEC, Menschen sind gestorben und einfachere Gemüter könnten sich nun veranlasst sehen, keine Gurken, Tomaten, Avocados und/oder nichts aus „biologischem Anbau“ mehr zu essen. Nicht so schnell:

EHEC ist, wie jeder schnell in der Wikipedia nachlesen kann, eine Sorte des bekannten E.Coli, unseres Lieblings-Darmbakteriums. Jeder von uns trägt Milliarden davon mit sich rum, ohne Folgeprobleme. Nur sollen die niedlichen kleinen Einzeller im Darm bleiben, da kennen sie sich aus und machen keinen fiesen Bazillenstress. Im Essen haben sie definitiv nichts zu suchen, schon gar nicht die Turbovariante „enterohämorrhagische Escherichia coli“ (EHEC).

Normalerweisse schmieren wir uns nichts aufs Butterbrot, was andernorts gerade frisch verdaut wurde. Nur in der Landwirtschaft, und hier besonders beim weniger konventionellen, und tendenziell „biologischen“ Anbau, kippt man in grosser Menge auf die Felder, was eben noch bei Kuh, Schaf und Ziege hinten raus gekommen ist. Warum auch nicht, macht man seit Jahrtausenden so, hat immer ganz gut geklappt.

Die Schwierigkeiten fangen erst da an, wo Nahrungsmittel in grosser Menge düngemittelfrei, aber industriell erzeugt werden. Wenn man also riesige Mengen von Gülle braucht, um angebliches „Biogemüse“ herzustellen. Und diese Gülle lagert, transportiert und anderweitig industriell behandelt, vorzugsweise bei warmem Wetter, wenn die lieben kleinen Einzeller besonders gut gedeihen. Ja, aber warum dann ausgerechnet spanisches Gemüse, und kein italienisches, griechisches, israelisches?

Ich kaufe schon lange nichts mehr aus Spanien. Nicht etwa, weil die Spanier blöd wären, das sind sie nicht, sondern weil dort mit EU-Subventionen in riesigen, landschaftszerstörenden Plastikfoliengewächsfabriken, unter Verbrauch des wenigen vorhandenen Wassers, mit Hilfe rechtloser, illegaler Arbeitskräfte aus Nordafrika und mit ebenso illegalen Insektiziden Obst und Gemüse produziert wird, auch unter dem EU-Bio-Siegel.

Diese Anhäufung von „geht ja gar nicht“ kommt eben nur in Spanien vor, und ich führe das darauf zurück, dass unser schöner südliches Nachbarland eben erst 1982 das Joch der Diktatur abgeschüttelt und die Feudalverhältnisse 1986 ziemlich nahtlos in die EU mitgenommen hat. EHEC ist also ein politisches Problem, ein Problem schlampiger EU-Standards („bio“) und eines von nicht aufgearbeiteter faschistischer Vergangenheit. Zumindest sehe ich das so. Und esse weiter Tomaten, Gurken, Avocados, ohne mir Sorgen zu machen.

guardian

10 Gedanken zu „EHEC, Scheisse und Faschismus in der EU

  1. Die faschistische Diktatur in Spanien war schon 1975 mit dem Tod Francos zuende. Juan Carlos, der anschliessend bis 1982 den König geben durfte, war zwar immerhin Monarch, aber bestimmt kein Faschist.
    1982 gab es nochmals einen -gescheiterten- Putschversuch des spanischen Militärs, der die planmässige Übergabe der Staatsgeschäfte an das -Gott steh‘ uns bei!- Parlament verhindern sollte. Der so -wider willen- wieder eingesetzte König (immer noch J.Carlos) übergab aber als erste Amtshandlung die Macht an das (gewählte, sozialistische) Parlament und dankte gleich wieder ab. Zwar ist tatsächlich 1982 erst offiziell die Republik ausgerufen worden, aber zwischen durch waren noch sieben Jahre (konstitutionelle) Monarchie.

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  2. …und Schweinegrippe- und -pest-Fleisch, BSE-Rind, Vogelgrippe-Geflügel und Tschernobil-Pilze (wer sich noch an die erinnert: ja, die gibt es immer noch, und bei der Strahlung hat sich nicht viel getan).

    Immer noch besser als Monsanto Roundup-ready-Mutantengetreide, hochreinen Zucker direkt vom Silo, Analochkäse aus defektem Eiweiss, einen Sack E-Nummern, und kein Milligramm Fett.

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  3. Das mit der Spanien-Verweigerung kann ich gut nachvollziehen. Ich schaue bei Obst und Gemüse auch immer, ob es auch Israel kommt………dann bleibt es liegen.

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  4. Kleine Anmerkung zu den „landschaftszerstörenden Plastikfoliengewächsfabriken“:
    Vorher gab es dort konventionellen Landbau, der aber dermaßen viel von dem ohnehin zu knappen Wasser verbrauchte das das ebenfalls eingeschränkt werden musste. Von daher also eigendlich eine gute Sache.

    Das die Produkte daraus auch unter Bio vertrieben werden dürfen ist lediglich eine Auslegung der Regelung. Sie verwenden keine Künstlichen Dünger (offiziell) keine Gifte, Schädlingsbekämpfung etc, also kann es als Bio vertrieben werden.
    Das es trotzdem etwas anderes ist wenn ein Bauer das gemüse vom Feld erntet macht dabei keinen Unterschied.
    Bio ist also nicht gleich gut oder gesund.

    Und ein konventioneller Bauer bringt seine Gülle/mist vor der Saat aus und nicht wenn die Pflanzen schon wachsen. Das wiederum ist aber bei Treibhäusern nötig weil eben weniger Erde da ist der Nährstoffe speichern könnte.

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  5. klartext, ich schaue auch nach der Herkunft. Wenn ich was aus Israel finde und es lecker aussieht, wird es natürlich mitgenommen. Ist ja nicht verkehrt, die einzige Demokratie in der Ecke zu unterstützen. :)

    Ansonsten kann man eigentlich nur regionale Ware empfehlen. Am Ende auch nicht sooo viel teurer und es ist eher nachvollziehbar, wie und mit welchen Mitteln die Nahrung produziert wird.

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    1. Israelische Demokratie Gurken, das ist ja der Witz. Auf enteignetem Land Gemüse anbauen und dies von den Vorbesitzern auf noch Pflücken lassen weil man sich für die harte körperliche Arbeit zu Schade ist und dann noch das Geld ein sacken wenn die Palästinenser wieder mal ausgesperrt werden. Keine faschistoiden Tomaten aus Spanien aber dafür rassisten Gemüse aus Israel.

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  6. „Normalerweise schmieren wir uns nichts aufs Butterbrot, was andernorts gerade frisch verdaut wurde.“

    Stimmt, den Darmkeim-Joghurt löffelt man immer direkt aus dem Becher.

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  7. Mittlerweile wurde ja entwarnt: die Quelle des Übels liegt weder in Spanien, noch im biologischen Anbau im allgemeinen, noch in den Gurken im speziellen.

    Es liegt an etwas anderem. Aber an was genau werden wir erst in ein Paar Tagen erfahren.

    Darauf bin ich wirklich gespannt… echt!

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  8. Es kann in der Natur so gut wie nie vorkommen, dass ein Bakterium wie diese Version von E. Coli resistent gegenüber 8 Antibiotikas ist.
    Hersteller von Antiviren-Programmen entwickeln auch Viren um den Profit zu steigern. Das Tamiflu jedenfalls hat Gilead Sciences, zu dessen Aktionären auch Politiker wie Donald Rumsfeld gehören, schöne Gewinne beschert. Das Militär der westlichen Industrienationen hat lange Erfahrung mit dem Gebrauch von biologischen Waffen. Der wohl schlimmste Fall ist die gezielte Ausrottung der Ureinwohner Amerikas durch Pockenviren.
    Außerdem glaubt die Mehrheit aller Afrikaner, dass das AIDS-Virus von Europäern gezüchtet wurde um deren Bevölkerung zu dezimieren.

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