Copyright ist das, was wir sagen (Update Juli 11)

Überraschung: Die alleinerziehende Mutter Jammie Thomas aus dem US-Bundesstaat Minnesota muss jetzt doch nicht 1,5 Millionen, sondern nur 54.000 US-Dollar Entschädigung an die Musikmultis für den Tausch von knapp 2 Dutzend Popsongs auf Kazaa (kennt das noch jemand?) bezahlen. Das Gericht hat es sich anders überlegt. Schön. Trotzdem stelle ich die Frage, warum Jammie überhaupt etwas bezahlen soll, da ja mehrfache Studien ergeben haben, Filesharing verursacht keinerlei wirtschaftlichen Schaden. Darum geht es ja wohl auch nicht.

Sonst hätten nicht weitere Anwälte der Musiklobby den Musik-Streamingdienst Grooveshark verklagt. Der Vorwurf: Obwohl die Nutzer dort Musik nur anhören und nicht „besitzen“ können, sei nicht sichergestellt, dass nur legal erworbene Songs hochgeladen und gestreamt würden. Das muss Grooveshark eigentlich auch nicht garantieren, dafür gab es schliesslich mal in den USA das sogenannte Betamax-Urteil, das im Jahr 1984 feststellte, ein Anbieter von Kopiergeräten (damals der Videorekorder) sei nicht verantwortlich für etwaige Rechtsbrüche durch die Benutzer.

Inzwischen verlangen die Gema, die GVU und andere Rechteverwerter in Deutschland die Wiedereinführung der vom Bundesverfassungsgericht als unzulässig und auf gerichtliche Anordnung beim Verdacht auf schwere Straftaten beschränkten Vorratsdatenspeicherung zur Wahrung der Interessen aus dem Urheberrecht. Wie ist das eigentlich, wenn kommerzielle Gesellschaften und Unternehmen Illegales fordern? Sollte das keine Folgen haben?

Das ganze Theater um „Raubkopien“ und „Internetpiraterie“ (beides frei erfundene Begriffe ohne jeden Inhalt) belastet unsere Gesellschaft, bringt unseren Kindern bei, dass Gesetze ohnehin egal sind, und hat trotzdem kaum wirtschaftliche Bedeutung. Wir wissen, dass der weltweite Gesamtumsatz mit Tonträgern, Konzert-DVDs und Downloadverkäufen kleiner ist als der eines kleineren deutschen Pleitebaukonzerns (zB Hochtief). Nächstes Beispiel: Das Bild oben zeigt die Umsätze der bekannten Firma Apple mit den unterschiedlichen Geschäftsbereichen. Itunes macht wenige Prozent aus (und umfasst mehr als nur Musik), obwohl der Apple-Onlineshop inzwischen 80% der Musikdownloads verkauft. Nur so, um das Verhältnis zu zeigen.

Und wir hören, dass in den USA gerade der nächste Prozess, die nächste Verbandsklage, wegen illegaler Preisabsprachen der grossen Musikkonzerne rund um die zu Recht abgestürzten Downloadportale MusicNet und Pressplay anrollt. Copyright ist heute ein anderes Wort für illegale Geschäfte. Den Kreativen bringt das alles nichts; die brauchen aber sowieso andere Lösungen. Bleibt das auch noch an den Piraten hängen oder kann sich da bitte jemand anderes drum kümmern?

2 Kommentare

  1. Wenn Gruppen illegales fordern?
    Einfach beantwortet: NPD.
    • Sagen darf man alles.
    • Auf das Ziel hinarbeiten ist als Versuch strafbar. (Beispiel „versuchter Mord“.)
    • Das Ziel erreichen: Das Idealziel ist, dass es nie passieren sollte.

    Und in der Realität gibt es immer auch das andere Extrem: Also Leute, die sich nicht davor scheuen, selber das Grundgesetz mit Füßen zu treten, um selbst Aussagen über das illegale zu verbieten.
    Also hier: Parteien verbieten.

    In den USA gilt dank ein paar weisen Leuten: Ich mag deiner Meinung nicht zustimmen, aber ich verteidige dein Recht, es zu sagen, bis in den Tod!
    So halte auch ich es.

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  2. Warum hat eigentlich nicht die gesamte Lobbybranche auf der norwegischen Insel Urlaub gemacht? Ach nein, ich bin ja Pazifist, darf sowas eigentlich net mal denken. Üben kann ich immer noch mit dem altbewährten Duke Nuke’m – alle Gegner sind Schweine. Paßt doch….

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