Auf der Party bei dem einen Prozent

Bizarrer Abend. Nachmittags los. Eigentlich eher so ein Community-Ding, Freunden zur Seite stehen, als Tonmann. War aber doch eine Betriebsversammlung einer mittleren (also nicht international tätigen) Bank. Die Leute vom PA-Verleih kompetent, freundlich und professionell, also stressfreies Arbeiten und brauchbarer Sound trotz halligem Restaurantbau und viel zu niedriger Lautstärke. Aber bitte, die Leute wollen sich beim Essen unterhalten. Dann full stop, weil der Star des Abends eintrifft: Günter Beckstein.

Der nach dem (reichlich mittelmässigen) Parvenü-Menü – Kartoffelbrei, geschmacksarme Roulade und unschlüssig zubereitetes Wurzelgemüse – eine Dreiviertelstunde die Union von Politikern und Bankern (beide beim Volk verhasst, hahaha, frenetischer Banker-Applaus) und die für den Fortbestand der Menschheit unabdingbare Eurorettungsschirm­rettung zugunsten der unwilligen, faulen Griechen und gegen den Widerstand der dummen deutschen Bevölkerung einschliesslich ihrer verblendeten Medien beschwor, gewürzt mit von ihm sicher als subjektiv sympathisch empfundenen Anekdoten über die Abiturfahrt seiner Tochter und nette Abendessengelegenheiten bei Bundesanschi zuhause. Es fiel mir sehr, sehr, sehr schwer, nicht zu schreien und mit Dingen zu werfen. Weil das den Gig meiner Freunde incl. Gage torpediert hätte.

Dann lieber noch ne Runde Tontechnik (der Rotwein war ok, ne akzeptable Syrah-Merlot-Plörre), und beim Abgang des Verfassungsfeindes und Kinderquälers schnell zur Seite gedreht, weil er mir sonst auch noch die Hand geschüttelt hätte (ich muss mein Charisma irgendwie downgraden). Und davon hätte ich mich noch für Wochen traumatisiert gefühlt, und wahrscheinlich vor meiner eigenen Hand geekelt.

Um es mit einem grossen Werk der Weltliteratur zu sagen (welches mich derzeit durch die düsteren Novembertage begleitet): “More.. more meat for me! Its time for my pound of flesh! Time to pound the meat puppet!” Echt. Dieses Leben wäre unerträglich für mich, ohne Killerspiele.

Der Abend also eine prägende Erfahrung. Obwohl Meister Joda uns beigebracht hat, dass Wut und Hass auf die dunkle Seite führen, wo Darth Beckstein dünn grinsend wartet, um uns alle zu Bilderberg-Klonkriegern zu formstempeln und ich nie in meinem Leben Politiker werden wollte, weil ich, genau so wie ihr, Politik als inhärent korrupt und abstossend empfinde, muss ich die Verantwortung annehmen und auf Seiten der Republik, der Rebellen gegen das wirtschaftsfaschistische dunkle Imperium kämpfen. Auf Seite der (machtlosen, entrechteten) Neunundneunzig Prozent. Isch kandidiere. Für Freiheit, Killerspiele und das Recht auf Wirtschaftliche Teilhabe (a.k.a. Ende der Plutokratie).

Das Pic ist vom alten Francisco de Goya y Lucientes, hat mich irgendwie an Finanz-Sith Günter erinnert, und das Literaturzitat aus Borderlands.

4 Kommentare

  1. Ich fühle den Schmerz mit dir…

    Apropos: Gibt es eigentlich schon einen Dreckschwein Beckstein-Bundesanschi-Shooter?
    Bei Worms konnte man doch früher auch Wurmteams und Würmer benennen. Also warum nicht Köpfe austauschen, Körpermaße regeln, Namen drüber, und BÄM! Kopf weg. ^^

    Wir schaffen das.

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  2. du armes würstchen du (meine ich jetzt gar nicht ironisch oder so) dir das antun zu müssen!

    ich kann es dir voll und ganz nachfühlen. ich hatte mal ein ähnliches erlebnis im jahre 1988. damals geriet ich mehr per zufall (unterwegs mit bekannten) in den genuss der aschermittwochs-versammlung der CSU in passau. und ich schwöre – wäre ich damals just in diesen stunden in die reichweite von schußwaffen geraten – ich wäre als massenmörder in die geschichte eingegangen. danach habe ich mich von diesem trauma erst einmal 14 tage erholen müssen soviel hass und antipati baute sich auf auf meine „christlich“-politischen mitmenschen! diese ätzenden leute sind nur sehr schwer zu ertragen – im besonderen dann wenn sie in größeren konzentrationen auftreten.

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  3. Er hat ja recht, wenn er vom dummen Volk spricht. Anders ist seine Position ja nicht zu erklären.

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  4. ..ist das auf dem Bild Saturnus, der sein Kind frisst?

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