Wie die deutschen Piraten im Ausland wahrgenommen werden

Wie das Ausland die aktuell noch in Offenbach am Main bundesparteitagenden Piraten sieht, liess sich etwa am Grusswort der russischen Piratin Lola Voronina (pic oben) ablesen:

Freunde, Bürger, Piraten,

während ihr euch hier versammelt, seid ihr keine deutsche Partei. Ihr seid das Flaggschiff einer internationalen Gemeinschaft von Friedens Freiheitskämpfern. Die Feinde der Freiheit, der freien Ideen, der freien Kultur und des Internet müssen lernen, dass der Preis für ihre Politik der ist, dass sie aus ihren Ämtern geworfen werden. Gefeuert. Wegen Inkompetenz. Niemand sonst auf der Welt hat das besser bewiesen als ihr, die ihr heute hier sitzt, und ich glaube, das ist etwas, worauf ihr stolz sein solltet.

Paradoxerweise bewirkt das Internet nicht nur die Freisetzung von Ideen. Zur selben Zeit bringt es mehr Gleichheit als alles andere, das die Menschheit je erfunden hat. Du kannst deine Geschichte selbst erzählen, so dass nie wieder jemand deine Stimme wegnehmen und in deinem Namen sprechen kann. Das bedeutet, dass ein neunjähriges Mädchen in Paraguay mit ihrem ersten Computer uns allen hier in den reichen Teilen der Wel gleichgestellt ist. Ich denke, das ist fantastisch und wert, verteidigt zu werden.

Es wirkt ironisch, dass wir mehr mit Freiheit zu tun haben als die, die sich früher Liberale genannt haben, und mehr mit Gleichheit als die sogenannten Sozialisten. Das sind keine Gegensätze. Die Positionen verbinden sich, weil jeder für sich selbst sprechen kann. Deshalb verändert das Internet die Welt mehr, als als es die Druckerpresse konnte.

Aber es gibt Leute, die diese Freiheit, Teilnahme und Gleichheit verhindern wollen. Weil sie sehen, dass dadurch ihre Privilegien bedroht werden. Die Priviliegien der Interpretation, der Verbreitung von Lügen, und des fortgesetzten Betrugs aus Profitgründen. Der Kampf hat gerade erst begonnen, und sie haben schon viele Siege errungen. Aber es sind wir, und nur wir, die ihre grösste Schwäche entdeckt haben: Ihre politische Macht. Wir sind eine der letzten Verteidigungslinien für all das, woran wir alle glauben.

Die Welt schaut auf uns. Aber nicht um dabei zuzusehen, wie wir stolpern und fallen, damit sie uns auslachen kann. Nicht länger. Sie beobachten uns mit Respekt. Sie beobachten uns, damit sie uns kopieren können. Ich kann mir beim besten Willen keine ernsthaftere Art vorstellen, uns Respekt zu zeigen. Guten Wind, meine Freunde! Ihr werdet hier weise Entscheidungen fällen. Ich bin stolz, mich Pirat zu nennen. Viel Spass auf dem Parteitag!

Was Lola da sagt, klingt dramtisch, idealistisch, enthusiastisch, aber ist trotzdem (oder genau deswegen) vollständig richtig. Die Piratenpartei ist das politische Werkzeug der Klasse der Unzufriedenen, und wird die Verhältnisse umstürzen, zugunsten von Demokratie, Gleichheit, Freiheit, Gerechtigkeit. Eben weil das alle wollen. “Alle” hier im Sinn von “die Mehrheit”.

16 Kommentare

  1. Schon wieder diese Verwechselung von Gleichheit und Gleichberechtigung.
    Letzteres ist das Ideal. Ersteres eine grausige Horrorvorstellung.

    Oder hat einer von euch schonmal zwei Menschen gesehen die absolute gleich sind?
    Wir sind alle verschieden. Selbst eineiige Zwillinge. Und das ist gut so.

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  2. Nicht dass ich nicht ein großer Unterstützer der Ideale bin, aber woll’n wer erstmal sehen wieviel davon noch übrig ist, wenn die Piraten erstmal eine regierende Periode hinter sich haben.
    „Dank“ Lobbys mit ihrer Realitäts-Gehirnwäsche wird dat so nix. Sorry. So lange die Lobbys nicht ausgelöscht sind, oder jeder eine genau so starke Stimme am Ohr der Regierung hat, ist es bedeutungslos, wer grade regiert.

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    • Beweis: Jede Partei die davor groß wurde. Beispiel: Die Grünen.

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    • runtergebrochen bedeutet das die ausrottung aller gierigen menschen. nur so kann die welt verbessert werden. aber da dies quasi unmöglich ist, setze ich meine hoffnung in die robotische liberation.

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    • Solange die Piraten so basisdemokratischen und transparent bleiben wie jetzt haben die Lobbys gar keine Chance uns zu infiltrieren.

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  3. @BAReFOO Die gründen sind aber auch das einzige Beispiel ;) Oder welche Partei ist in den letzten 20 Jahren noch groß geworden? Die linken haben sich nur umbenannt.

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  4. aber schränkt nicht gerade die art, wie sie politik machen und machen wollen, den einfluß von lobbyisten ein?

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  5. Link zur Aufzeichnung der Rede:

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  6. leider muss ich sagen das ich mit katja kullmann in größerm umfang darüber einstimme was die piraten betrifft (ich hoffe aber dennoch das ich mich auf lange sicht täusche). leicht verdächtig ist das mittlerweile schon viel zu viele, teilweise gelblich/“realo“-grünliche, sprechblasen abgesondert werden, echtes intelligentes querschießen (bis auf in teilbereichen) ausbleibt und gesellschaftspolitische weitsicht und visionen (nicht zu verwechseln mit utopien) – zB. „der endgültige abschied vom unendlichen wachstum“ – im prinzip ausbleiben:

    [ Die Piraten sind keine System-Rebellen

    Gewogen und für zu leicht befunden: Schriftstellerin Katja Kullmann geht mit der Piratenpartei hart ins Gericht. Das Programm sei zu kurz, die Ausrichtung zu pragmatisch, kritisiert sie im Interview mit tagesschau.de. Stattdessen wünscht sie sich mehr Volkspartei statt Saisonphänomen: „Die Piratenpartei ist in dem Sinne eine Wirtschaftspartei, als dass sie sich für die Verbesserung von Wirtschafts- und Handelswegen einsetzt. Ihre Klientel sind die jungen Erwachsenen, die in großstädtischen Räumen und jetzt schon als kleine und freie Unternehmer das Internet bewirtschaften. Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen, aber man darf die Piraten eben auch nicht romantisieren. … Ein Begriff wie “solidarisch” kommt im Parteiprogramm der Piraten nur einmal vor, ein Begriff wie “individuell” aber acht- oder neunmal. Die Wortwahl spiegelt die Wahrnehmung vieler von Gesellschaft und Gegenwart wider. Viele junge Erwachsene sind bereit, sich der Formel “Sei deines Glückes Schmied” unterzuordnen und nehmen dafür Leiharbeit, Zeitarbeit und Outsourcing in Kauf.“]

    das vollständige interview:

    http://www.tagesschau.de/inland/piratenpartei178.html

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    • naja, nee. das sind doch kleinmädchenträume. katja fordert die rückkehr der volkspartei und wirft gleichzeitigen den piraten mangelnden utopismus vor. aber was solls, immer her mit den billigen klischees.

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      • Jo, irgendwie schon ziemlich schitzophren. Und dass Mindestlohn und BGE ins Programm aufgenommen wurde passt auch nicht so ganz in das Urteil.

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  7. Ein kleiner Übersetzungsfehler:
    „Ihr seid das Flaggschiff einer internationalen Gemeinschaft von Freiheitskämpfern.“

    Ansonsten sehr guter Blog-Eintrag und ich fand die Rede sehr inspirierend und eines der wenigen Highlights auf dem Parteitag.

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  8. Ich fand die Rede war eines der wenigen Highlights auf dem doch Parteitag, wo doch sehr viel zerredet wurde, dadurch dass jeder seinen Senf dazu geben musste.

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