Copyrightkriege: Der virtuelle Imperialismus

Das frühe Informationszeitalter (a.k.a. „Gegenwart“) wird von Auseinandersetzungen um die Definitionshoheit geprägt: Wer darf festschreiben, was Information ist, was geistige Leistung bedeutet und wer was besitzen darf, mit welchen Folgen?

Während in den USA noch Gesetzesinitiativen wie SOPA und PIPA um Millimeterbreiten hin-und-hergeschoben werden, damit sie nicht all zu schnell einen Herrschaftsanspruch letzten verbliebenen Supermacht über das Geistige dieser Erde zemetieren, ist bereits der aktuelle Stand der Copyrightolympiade geeignet, bizarrste Bilder vom Zustand der postindustriellen globalen Gesellschaft zu zeichnen.

Der britische Student Richard O’Dwyer hatte die Linkseite TVShack betrieben, die TV-Serien-Fans auf entsprechende, nicht immer legale Angebote verwies; so etwas ist in Great Britain schon mehrfach von Gerichten als legal bestätigt worden. Trotzdem wird Richard jetzt, nach einem weiteren Gerichtsbeschluss, in die USA ausgeliefert und dort als schwerkrimineller Copyrightvölkermordverbrecher vor Gericht gestellt.

Währenddessen stellt die PirateBay ihr Angebot von Torrents auf Magnet Links um. So dass in Zukunft die Up- und Downloads wieder über einen Server irgendwo auf der Welt koordiniert werden, und Nutzer nicht mehr von Abmahnanwälten belästigt werden können.

Diese haben es heute bereits schwerer als gestern, weil das Oberlandesgericht Düsseldorf erkannt hat, dass typische Filesharing-Abmahnungen eine „völlig unbrauchbare anwaltliche Dienstleistung“ darstellten und deshalb nicht bezahlt werden müssten. Da dürfen wir aber noch eine Anschlussgefechte erwarten.

Ebenso zur Entscheidung des Verwaltungsgerichts Köln, Internetprovider müssten Webseiten nicht sperren, weil sie nicht für die Inhalte zuständig seien, nur fürs Durchleiten. Konkret geht es hier um Sportwetten. Bei US-Copyrightansprüchen könnte es da allerdings wieder anders aussehen.

Ich frage mich, wann die EU die hegemonialen Bestrebungen der US-Konzerne als unfreundlichen Akt betrachtet und Massnahmen ergreift, um Wissen und Kultur der Menschheit nicht endgültig zum Öl des 21sten Jahrhunderts werden zu lassen. Oder eben, präziser gesagt, zur Kernenergie des 21sten Jahrhunderts. Mit den bekannten Folgen.

7 Kommentare

  1. solange die arschgesichter die jetzt an den trögen sind und den amis bei jeder gelegenheit in den arsch kriechen wird sich noch sehr lange nichts verändern.

    aber mal gucken was in frankreich demnächst passiert – wenn das sackgesicht erst mal weg ist. die zeichen stehen ja zur zeit recht gut dafür.

    irgendwie bin ich der hoffnung das in franzland wieder so eine art (zumindest kleine) anti-amiland/großbritannien – vive la france kämpfergarde von unten drankommt die selbstbewusst auftreten und eine linie ziehen welche klarstellt „bisch ‚ier’er ünd niescht weiteur ihr dümmen engländeur“ sowie ala „wir spücken eusch ins gesischt ihr külturlösen amerikäneur – wir sind selber la grande nation – ünd atomwaffen ‚aben wir auch“! (ja ja, ich weiß – sehr tief in die klischee-kiste gegriffen . . . :-D )

    das würde dann auch deutschland (das land mit den zZ. absolut rückgratlosen polit-clowns), bzw- den gegenkräften innerhalb DEs – ein ganzes stück weiterhelfen sich aus dieser anglo-neoliberalen unterjochung zu befreien.

    also so zu werden wie es sich europa ab ende der siebziger jahre anschickte zu werden. also sich ein starkes kerneuropa als zugpferd herauskristallisiert welches die schwächeren mit-nimmt auf die reise statt sie total auszubluten. so wie es ursprünglich angedacht war bevor die ganzen schleimigen, gierigen und nimmer-satten neoliberal-technokraten sich überall eingenistet haben um alle menschlich-ethischen errungenschaften der letzten 300 jahre aufzuweichen und an den rand des ruins zu treiben.

    diese hoffnung habe ich wieder ein bisschen angesichts der doch mittlerweile immer zahlreicher werdenden die anfangen sich wieder einzumischen und auch angesichts der immer zahlreicher werdenden denen langsam aber sicher dämmert das es so wie jetzt nicht mehr lange weitergehen kann wenn nicht doch noch alles in einer totalen katastrophe enden soll.

    und ich sage es immer wieder:

    alle pateien müssen sich von der basis her endlich von dem ganzen schleimigen dreck befreien. nat. mit ausnahme der FDP – denn die besteht sowieso nur noch zu 100% aus absolut wertlosem schleim und dreck!

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  2. Warum niemand die USofA anpinkelt? Weil die doch die großen Brüder sind! Ganz klar, Vorreiter in allen belangen, das Idealbild von allem.

    (GB liefert schon weider einen eigenen Bürger einem fremdem Staat aus? Die spinnen doch.)

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  3. […]weil das Oberlandesgericht Düsseldorf erkannt hat, dass typische Filesharing-Abmahnungen eine „völlig unbrauchbare anwaltliche Dienstleistung“ darstellten und deshalb nicht bezahlt werden müssten[…]
    Leider nicht generell sondern in dem Einzelfall wo die Kanzlei sich noch nicht mal die Mühe gemacht hat in die Abmahnung reinzuschreiben welche Musikstücke ihrer Ansicht nach illegaler Weise getauscht wurden und bei denen die Kanzlei die Rechteinhaber vertritt.
    Ich fürchte wenn die Kanzlei das jedoch macht wird die Nummer weiter wie gehabt laufen. Leider.

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    • als ich mal von denen abgemahnt wurde vor fast 10 jahren da stand der titel noch drin :>

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    • Wo ich zufällig nochmal hier bin:
      Solche Briefe kann man getrost in den Müll schmeissen.
      ’ne Freundin von mir hat bei einem Anwalt gearbeitet, wo die dauernd so Kram reinbekamen.
      Die haben nämlich garkeine Beweise. Und selbst wenn sie welche hätten, wäre es entweder nicht illegal, oder sie könnten nicht klagen weil sie Mitbeteiligte wären.

      Denn: Wie kommen sie denn zu den „Beweisen“?

      Nun, normalerweise bauen sie „Fallen“. Setzen also selber Filesharing-Server auf, und schauen wer runterläd. Da sie selber aber sogar laut ihrer eigenen wahnhaften Definition die „Rechteinhaber“ sind, und der Server auf *Anfrage* vom Runterlader die Daten *an ihn* sendet… der Runterlader also nichts „nimmt“, sonder auf eine Bitte hin *bekommt*… hat der Runterlader einfach nur auf *Entscheiden* des „Rechteinhabers“ (er hat seinem Server befohlen sich so zu verhalten) lizenzfrei eine Kopie bekommen. Kann also komplett legal alles damit anstellen was er will. (Wie gesagt: Sogar laut deren Definition!)
      Der Download ist, unabhängig von allem, so oder so legal.
      Und das Ganze ist so oder so illegales Fallenstellen. Eine Form von Mit„täter“schaft. So dass rechtlich nichts davon verwertbar ist.

      Der Upload – ohne Lizenz dazu – wäre in Deutschland verboten (obwohl natürlich niemals durchsetzbar, wie wir jetzt sehen:).
      Die andere Variante ist dann also, Dateien vom vom Filesharer *runterzuladen*.
      Was natürlich ebenso Fallenstellung und Mit„täter“schaft ist. Da das Ganze ja ohne ihr aktive Beteiligung nicht stattgefunden hätte. (In den USA ist das bekanntlich anders. Zumindest wenn man es vom Staat kommt.)

      Also bleibt die letzte, und heute häufigste Variante: Sie kucken nur, was du „anbietest“. Und listen das dann in ihrem Drohbrief auf.
      Das Problem: Nur weil eine Datei „Need for Shit – Crap Repackaged..MULTI5.H4X0RZ.rar“ heisst, heisst das nicht, dass da auch das drin ist. Das müsste erst bewiesen werden. Was sie ja bekanntlich nicht können.
      Zudem haben sie lediglich eine IP-Adresse. Wer letztendlich zu dem Zeitpunkt dahintersteckte, ist in Zeiten von W-LAN-Routern und Rootkits nicht in Beweisstärke auszumachen.

      Aber, und hier kommt der Knackpunkt: Sie wollen auch garnicht dass das jemals vor Gericht kommt!
      Denn sie wissen genau, dass sie keine Beweise haben. Und dass es vor Gericht niemals durchkäme.
      Das ist auch der Grund, warum weltweit erst zwei (ja. zwei!) Fälle überhaupt zu einem Gerichtsurteil kamen.

      Was sie wollen, ist dass du einfach so zahlst.
      Ganz klassische Schutzgelderpressung ist das Mehr nicht.
      Weshalb ich auch immer sage, dass sie nicht die „MAFIAA“ sind, sondern eine echte Mafia.

      Sie meinte, dass sehr viele einfach garnicht zahlen… und dann von der Kanzlei nie wieder was kommt. Hab ich selbst auch schon bei Freunden gesehen.

      FAZIT: Einfach in den Müll damit. Und ihr hört nie wieder was.
      Im seltenen Fall dass doch noch was kommt: Einfach mal freundlich die hier aufgezählten Punkte des Beweismangels aufzählen, und wer Spaß hat, kann noch erwähnen, dass er ansonsten wegen Schutzgelderpressung gegenklagen wird.
      Dann hat sich das für die 100%ig erledigt, weil sich der Aufwand finanziell und stresstechnisch schon garnicht mehr lohnt. ^^

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  4. hier mal was „schönes“:

    Copyright King: Why the „I Have a Dream“ Speech Still Isn’t Free

    http://motherboard.vice.com/2012/1/16/copyright-king-why-the-i-have-a-dream-speech-still-isn-t-free

    das sagt doch alles darüber aus das diese verbrecher zu fall gebracht werden müssen. langsam müsste es ja mal langsam sogar dem dümmsten befürworter einleuchten, oder?

    aber nicht doch. gerade hat SIDO diebezügöich den vogel abgeschossen:

    Rapper „Sido“ vergleicht Medienindustrie mit Bordell

    Der „Deutsche Kulturrat“ freut sich trotzdem über die „neue Galionsfigur des Urheberrechts“

    http://www.heise.de/tp/blogs/6/151237

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    • Verwechsel nie Bösartigkeit mit Dummheit. Mit Verständnis hat das nix zu tun. Die wissen genau, was für einen Schwachsinn die da verzapfen.
      Aber es geht ja auch nicht drum dass die das glauben. Es geht drum, dass wir das glauben… wenn sie es nur oft genug wiederholen.

      Was ja besser klappt als manche glauben… jetzt wo sogar hier in Deutschland von „Copyright“ gesprochen wird… obwohl wir garkeines (sondern nur Urheberrecht, was was völlig anderes ist) haben.
      Und wo sogar aktive Piraten Unwörter wie „Geistiges Eigentum“, „Copyright“, „Raubkopie“ und dergleichen benutzen, und Wörter wie „stehlen“ im Zusammenhang mit „kopieren“ gebrauchen.
      (Geht aber glücklicherweise wieder zurück.)

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