SOPA: Griff nach der Weltherrschaft

Heute ist SOPA-Protest-Tag, die englischsprachige Wikipedia und andere zentrale Webseiten sind abgeschaltet. Worum geht es dabei nochmal? SOPA (Stop Online Piracy Act) ist ein US-amerikanisches Gesetz, das von einigen US-Abeordneten mit Unterstützung der Copyright-Industrie forciert wird; die endgültige Abstimmung darüber ist auf Februar vertagt. Bereits 2008 und 2001 wurden von dieser Interessengruppe Gesetzesvorlagen wie der PRO-IP act und PROTECT IP act eingebracht, SOPA geht noch einen Schritt weiter.

Während die (technisch unwirksame) DNS-Sperre aus dem Massnahmenkatalog gestrichen wurde, bleiben neue, zusätzliche Rechte für die Copyrightverwerter mit im Gesetzestext. Rechte-Inhaber (und das US-Justizministerium) würden dann die Möglichkeit haben, mit gerichtlichen einstweiligen Verfügungen gegen Webseiten vorzugehen, die angeblich Urheberrechtsverletzungen begangen haben; auch gegen Werbeagenturen, Suchmaschinen, Kreditkartenfirmen und Banken, denen eine Zusammenarbeit mit angeblichen Urheberrechtsverletzern vorgeworfen wird.

SOPA betrifft aber nicht nur Firmen: Für Bürger aller Nationen würde der unlizensierte Download von Kultur- und Wissensdaten zur „schweren Straftat“ nach US-Recht, mit nachfolgendem Auslieferungsbegehren und lebenslänglicher Haft in US-Gefängnissen. Initiiert wird das von einer kleinen Gruppen von Konzernen der Film-, Tonträger- und Verkagsindustrie, die ihrerseits wieder zu grösseren Konzernen wie General Electric, Viacom oder Rupert Murdochs News Corp gehören.
Dagegen ausgesprochen haben sich weite Teile der Tech-Industrie wie Google, Microsoft, Reddit oder Mozilla (die MPAA bezeichnet diese Proteste als Machtmissbrauch), während die Pirate Bay versichert, SOPA würde für sie nichts verändern.

Für uns alle dagegen ist SOPA eine Bedrohung, weil neue Instrumente geschaffen würden, die von der Rechteindustrie ebenso missbraucht werden wie die bisherigen Instrumente des „Urheberrechtsschutzes“, nämlich zur Schwächung von Wettbewerbern und zur Etablierung von Kartellen mit dem Ziel, die wirtschaftliche (und damit faktische) Kontrolle (also Zensurgewalt) über Wissen und Kultur unserer Zivilisation in den Händen einiger Weniger zu konzentrieren. Dagegen müssen wir alle kämpfen.

11 Kommentare

  1. Diese Wikipedia-Aktion ist eine wirklich gute Idee aber einflusstechnisch so unbedeutend.. letztendlich interessiert es eh fast kein Schwein, ob diese Seite nicht aufgerufen werden kann.

    Hätte Google dagegen die Eier in der Hose, die Suchmaske für 24h schwarz zu färben, würde die Welt ganz anders aussehen. Dann würden ganze Wirtschaftszweige zusammenbrechen, weil die ganzen Nullnummern-BWLer keine Fachbegriffe mehr googeln könnten. Das wäre ja mal ein Spaß ^^

    Aber nein, sie schieben einen lächerlichen 10pt-Link in den unteren Bildbereich, janz großet Kino!

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    • google macht mit. sie verlinken hierauf und informieren: https://www.google.com/landing/takeaction/

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      • ja, hab ich mir angesehen und erwähnt. Hat das, abgesehen von dir, fritz, mir und baRfüSSchen noch jemand getan? naja, werden wir ja sehen, jetzt da unser prophet angekündigt hat, dass krieg ist ;)

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        • ich denke schon.

          es werden jedoch wesentlich mehr menschen in den usa getan haben – wo es wichtig ist und auch druck aufgebaut werden kann. anders als bei uns waren in den usa viele seiten komplett „schwarz“. google hatte zwar nur das logo geschwärzt, aber auch das schafft schon dringend benötigte aufmerksamkeit. denn: der meiste schwachsinn aus den usa schwappt irgendwann zu uns rüber.

          hier in deutschland haben es wahrscheinlich hauptsächlich die „aufgeklärten“, welche das problem eh schon kennen mitbekommen.

          also wird`s zeit, dass barefoot seine „denunzierungswelle“ vorbereitet …

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        • haben doch noch ein paar mehr leute gesehen. dlf berichtete heute, dass „gegenwind“ aufkommt: http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2012/01/19/dlf_20120119_1818_7a1b8403.mp3

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    • Falsch. Aber Leute wie du arbeiten extrem hart daran, dauernd zu wiederholen dass es „keinen interessiert“, und damit die meisten Leute zu entmutigen und die wenigen Versager zu stärken.

      Das ist so typisch deutsch:
      1. Ich: Ich will X ändern
      2. Deutscher: Aber alleine können wir doch eh nix ändern.
      3. Warum bin ich denn alleine? WEIL du nicht mitmachst.

      Und warum macht Google nur so einen winzigen Link dahin? WEIL dauernd Idioten wie du rumlaufen und schreien dass es doch eh alles nix bewirkt.

      Selbsterfüllende Prophezeihung nennt man sowas. Und es ist wesentlich schlimmer als Untätigkeit. Weil es auch noch andere blockiert.

      Ich will sowas nie wieder hören.

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      • Ooooh, fühlt sich da ein kleiner BWLer in seiner Bachelor-Ehre verletzt, das tut mir aber Leid!

        Würde ich mich mit irgendwelchen Heldentaten rühmen, würdest du genauso draufhauen, du Wichtigtuer! Aber natürlich kämpfst du ja immer und ununterbrochen für das Gute und immer sind alle anderen Schuld, dass es nichts wird.

        Such dir langsam mal’ne neue Masche…

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  2. Es ist Krieg.

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  3. Wichtig ist noch, hinzuzufügen, dass die bloße *Behauptung* der „Copyrightverletzung“ (hat immer noch nix mit Urhebern zu tun) zu solchen Strafen führen würde.

    Was glaubt ihr wen ich zuerst (wegen »Verletzung meines Copyrights auf die Buchstaben „a“ bis „z“«) denunziere. Die gesamte verfickte Medienmafia. Jeder einzelne. Ich such sie mir alle raus. Mit Namen und Anschrift (Dox). Script drüber, Drohbrief an alle Unternehmen mit denen sie Geschäfte machen, und BÄM.

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    • Alter, grenzgeniale Idee! So werden wir sie fertigmachen, bis sie sich selbst die Kugel geben.

      Die Staatsanwälte prügeln sich ja auch gerade darum, wer dem Bundespräsidenten als erstes ans Bein pissen darf.

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  4. Google kann die Seite nicht runter nehmen, weil es ja ein profitorientierter Konzern ist, der dann einen ganzen Tag auf seine Einnahmen verzichten müsste. Irgendwie bin ich auch froh darüber, obwohl es natürlich lustig wäre.

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