Wo Männer noch echte Männer sind

In der post-industriellen Gesellschaft ist Maskulinität zunehmend schwerer zu definieren. Säbelzahntiger mit blossen Händen zu erwürgen ist nicht mehr cool, 16köpfige-Pferdegespanne mit einer Hand zu dirigieren (weil die andere einen Säbel hält) ist nicht mehr cool, glühende Eisenbarren zu jonglieren ist nicht mehr cool, selbst Pilotenbrillen und spritfressende Sportwagen haben ihren Mesmerismus eingebüsst. Also?

Eine der letzten Domänen der Männlichkeit ist heute daher (das könnt ihr gerne selber nachprüfen) das Öffnen von kronverkorkten Flaschen (Schraubverschlüsse sind für Mädchen) unter Zuhilfenahme möglichst bescheuerter Werkzeuge. Wobei man dazu sagen muss, dass der soziale Zugewinn durch eine solche Aktion sich auf die Peership beschränkt: Ich ernte regelmässig anerkennendes Grunzen meiner Geschlechtsgenossen, wenn ich die Bierflasche leichthin mit der Kante eines Biertischs oder dem grössten im jeweiligen Haushalt verfügbaren Schlachtermesser (bitte nicht mit der Schneide, sondern der Rückseite der Klinge ansetzen) öffne. Frauen reagieren auf solches Alltags-Heldentum gemeinhin eher im Post-Gender-Stil und fragen ganz unromantisch nach einem Flaschenöffner. Maskulinismus, so lernen wir nicht zuletzt aus dem Video (unten) von Chris Sumers, das die Performance „Songs of the Early Riser,“ bei einer Ausstellung von Adam Young (oben in der Bildmitte) in der Galerie Common House in Austin, Texas zusammenfasst, ist ein Teil des Erwachsen werdens, nicht des Erwachsen seins. Was mich nicht davon abhalten soll, weiter Bierflaschen mit USB-Sticks, Treppenstufen, Gartenscheren oder sonstwelchen harten, hebelfähigen Objekten zu öffnen. Doch. Ich habe ernsthaft vor, über 100 Jahre alt zu werden und dabei (in angemessenem Umfang) teenage forever zu bleiben. Prost.

dailywhat

9 Kommentare

  1. Pff. Wer sagt dass all die Sachen nicht mehr cool sind? Und dass Männlichkeit für dich in deiner feministischen Dystopie nur noch schwer auszumachen ist, wundert mich nicht. ^^

    Männlich ist heute, wie immer, große Dinge zu erreichen. Mutproben und Fähigkeitsprobem. Berge besteigen, die beste Frau der Party abschleppen, Rennen (in tollkühnen Kisten) gewinnen, sei eigenes Haus bauen, die Weltherrschaft durch Coolness an sich reissen… Die Liste ist endlos.

    Gefällt mir

    • Das klingt super! Aus welchem Film ist das? Ich will den auch sehen…

      Gefällt mir

      • na, halt aus „das große arschloch“! in der hauptrolle = BAReFOOt

        Gefällt mir

        • Tanzt der Barfüßige da auch mit einer Weltkugel? ^^

          Gefällt mir

        • wieso „das große arschloch”? verstehe ich nicht.

          Gefällt mir

      • Der Film heißt wahrscheinlich Lysergsäurediethylamid und unterliegt dem BtMG

        Gefällt mir

  2. Also ich mache mir da keine Gedanken drüber. …Ob man nun „männlich“ ist, oder nicht?! Sind wir immernoch so primativ? Ist es das, wonach wir streben? Ist das unser Ideal?

    Gefällt mir

    • Wenn du dir keine Gedanken drüber machst, dann bist du auch nicht männlich, keine Sorge ;-)
      Ich bin Uga Aga und stolz drauf.

      Gefällt mir

  3. Da kannich nur das Teil hier empfehlen – Coolnessfaktor essentiell erhöht, wenn man die Öffnervorrichtung nach innen trägt ;)

    http://www.socialcider.com/archives/490

    Gefällt mir


Comments RSS TrackBack Identifier URI

Kommentar schreiben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.