Anita Sarkeesian bekämpft Sexismus mit Wissenschaft und Videogames

Sind Gamer sexistisch? Mehr als andere, oder weniger? Eine US-Forscherin hat das mal untersucht, damit wir das nicht tun müssen.

Die junge Wissenschaftlerin mit akademischen Abschlüssen in Soziologie, Politik und Kommunikation hat bereits einige Untersuchungen zu Rollenstereotypen in der Popkultur vorgelegt. Am 17. Mai begann sie eine Kickstarter-Kampagne mit einem Spendenziel von 6.000 US-Dollar, um damit eine längere Untersuchung von eben solchen Rollenklischees bei weiblichen Figuren in Video/Computerspielen zu finanzieren, oder eben ihren Lebensunterhalt während dieser Zeit. Das Ergebnis aus hunderten von untersuchten Games wird in fünf zwölf frei zugänglichen Youtube-Beiträgen veröffentlicht.

Sie stellte ein Video auf Youtube, um für ihre Kampagne zu werben, und wurde in den Kommentaren mit der dunklen Seite unserer Gesellschaft konfrontiert: Dem von fast allen von uns verdrängten Sexismus. Ihre Ankündigung einer Untersuchung dieser Rollenklischees genügte den vorsteinzeitlicheren unter den Youtubenutzern, um eine kollektiv erbrochene Flut an Beschimpfungen (Feminazi, Schlampe, Nutte) und Drohungen (Vergewaltigung, Körperverletzung, Mord) auzulösen. Also Äusserungen, die wir eher mit anderen Gesellschaften, vorzugsweise geschichtlich weiter zurückliegenden, in Verbindung bringen. Da Anita einen jüdischen Familienhintergrund hat, gelangte auch Godwins Gesetz zur verzögerungsfreien Anwendung. Dazu kamen einige (ergebnislose) Versuche, die Kickstarter-Kampagne mit erfundenen Vorwürfen zu kippen.

Ich persönlich nehme an, dass die in der Youtube-Kommentarfläche aufmarschierte Hassbrigade vor allem aus männlichen Teenagern mit subjektiv empfundener chronischer Untervögelung besteht, also Leuten, die, unabhängig vom Alter, rein statistisch nicht zu auffälliger Reifeentwicklung neigen. Interessanterweise gibt es in diesem “Internet” auch andere Vertreter unserer amorphen Spezies: Die Kickstarter-Kampagne endet übermorgen, hat aber bis heute bereits über 125.000 USD an Spenden eingebracht. Das sollte genügen, um Anita Sarkeesian eine Weile forschen zu lassen. Aufklärung und Vernunft: Game on!

youtube, kickstarter, wikipedia

17 Kommentare

  1. Wenn man sich solche comments anschaut bringt das doch immer wieder Momente in denen man sich für das männliche Geschlecht schämt…

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  2. [ aufmarschierte Hassbrigade vor allem aus männlichen Teenagern mit subjektiv empfundener chronischer Untervögelung besteht, ]

    ausgerechnet zu einem solchen beitrag in dem es um die erforschung von vermeintlich stereotypischen verhaltensweisen und gesellschaftlich bezogene klischeevorstellungen sowie dadurch auf einzelne gruppen übertragene wertungen (ob nun negativ oder positiv) geht, führst du eines der aller dümmsten mitten ins felde.

    nur mal als bspl:

    meistens sind diejenigen, die man zur gruppe der sog. asozialen rechnet in wirklichkeit diejenigen, die sich am allerwenigsten asozial verhalten. in ihrer absoluten zahl sogar ganz im gegenteil.

    hingegen sind vielfach gerade diejenigen denen man besonders hohe soziale kompetenzen einräumt und zuspricht aufgrund ihrer eingenommen höheren sozialen stellung (zB. besonders gut ausgebildet, besonders ehrwürdiger beruf – wie zB. arzt, wissenschaftler, beamter, bürgermeister, lehrer usw. -, besonders wohlhabend, besonders schön usw.) die besonders ASOZIAL auffällig sind in ihrem verhalten anderen gegenüber.

    im fernsehen lässt sich dieses am besten beobachten.

    während man gerne auf randgruppen oder besonders gerne auch auf zB. prekär beschäftigte und harz4-empfänger herumhackt, diese als asozial bezeichnet, sie virtuell bespuckt, verunglimpft und darauf herumtritt und/sowie sie als diebe, schmarotzer und abzocker betittelt . . .

    . . . hoffiert man gleichzeitig den echten asozialen abschaum (millionen und milliarden abzockenende bankster, wirschaftsbetrüger, steuerhinzieher bestechliche politiker, und deren gefälligen helfershelfer und erfüllungsgehilfen aus den käuflichen auftrags-wissenschaften usw.) in talk shows und sonstigen beiträgen als „leistungsträger“ die sich dann über die vorher bezeichneten gruppen negativ auslassen dürfen und dafür auch noch beifall bekommen.

    denk mal darüber nach!

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  3. Jaaa! Und genau deswegen werden wir jetzt alle Extrem-Massaker-Sexisten gegen Männer! Weil das ja ganz klar beweist, dass alle Männer ohne Ausnahme wahre Teufel und eine Rasse von Untermenschen sind, die alle getötet werden müssen!!

    Nicht wahr, Fritz? Das ist doch dein offizieller Standpunkt, so weit ich das bisher verstanden habe. Frei nach dem Motto „We hate people that hate people… because hating people is wrong.“ :P
    Wann kommt eigentlich deine Um-OP zur Frau dran? ^^

    Mann bin ich froh, dass ich mit beiden Sexismuslagern nie in Berührung komme… Ausser hier natürlich. :/

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    • Deine Kommentare sind echt schwer zu ertragen. Dass du nie in Berührung kommst, kannst du deinem Spiegel erzählen, spätestens wenn du dich wieder über die H&M-Werbung freust oder aufregst bist du dabei.

      Mit deinem Pseudo-Relativismus nimmst du die Möglichkeit von Kritik, selbst deiner. Und was das bringen soll, kann ich nur vermuten.

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  4. Ich finde es schon nicht unironisch, wie sowohl Knallbonbon als auch BAReFOOT hier beide mit ihren eigenen Vorurteilen um sich schmeißen, um eine Studie über Vorurteile zu verdammen…wobei zumindest ersterer wenigstens noch ein wenig zu differenzieren beginnt…

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    • Okay, bei genauerem Hinsehen kritisiert Knallbonbon den Gebrauch von Stereotypen durch Einsatz seiner eigenen – die Ironie bleibt…

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    • wie kommst du darauf das ich irgendetwas verdamme. ich gebe der dame in allen uhren belangen vollkommen recht! nicht aber des einen beitrages wegen sondern weil ich mittlerweile alle ihre videos zum thema kenne.

      nur finde ich es reichlich blöde von fritz einen an sich guten artikel über stereotype und klischees abzuschließen mit solch einem satz der von ebendiesen nur so strotzt:

      [ aufmarschierte Hassbrigade vor allem aus männlichen Teenagern mit subjektiv empfundener chronischer Untervögelung besteht, ]

      und habe dieses anhand eines bspl. zu erklären versucht.

      der LINK bei bärefoot, der zu einem video besagter dame führt in dem sie recht aufschlussreich und leicht vertsändlich erklärt worum es ihr überhaupt geht (nämlich allem anderen als den ihr unterstellten „bärbissigen“ feminismus) soll kontra seiner arroganten selbstgefälligkeit sein die jeglicher grundlage entbehrt. denn was soll überhaupt der schwachsinn zu fragen wann fritz sich einer geschlechtsumwandlung zu unterziehen gedenkt???

      wenn ich du wäre würde ich erst einmal lernen von anderen geschriebenes zu verstehen (wenn du es überhaupt vollständig gelesen hast) bevor du einem anderen einfach irgend etwas unterstellst!

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      • Und da hatte ich mich zuerst gefreut, endlich mal mit Dir eine interessante Konversation führen zu können, Deine Antwort war nämlich sehr anregend – und dann erinnerst Du mich in Deinem letzten Absatz daran, weshalb ich keinen Wert mehr auf sowas lege. Finde ich schade. Aber bitte.

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  5. Also Ausnahmsweise neige ich zu Knallbonbons Beiträgen die, wenn auch etwas seltsam, dennoch richtig sind.
    Barefoots Beiträge zu diesem Thema sind wie alle seine Beiträge zu diesem Themengebiet leider wie zu erwarten gewesen war ein Ausdruck schwerer Logorhoe o.O

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  6. Also ich finde, man darf sich durchaus über die sexistischeren unter unseren Mit-Internet-Nutzern lustig machen, ohne vorher chirurgische Eingriffe erduldet zu haben. Ich nehm also die „Hassbrigade“ nicht zurück. Muss sich ja keiner von euch Nerds angesprochen fühlen. Trotzdem will ich nicht von mir behaupten, ich sei Feminist, weil das nach meiner Anschauung ein Oxymoron wäre.

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    • die „hassbrigade(n)“ (die ja tatsächlich vorhanden ist/sind) ist/sind ja nicht das was ich kritisiere, lediglich deine genauso stereotype wie klischeehaft anspielende gleichsetzung mit den „untervögelten“. quasi nur weil es sich um einen beitrag handelt der sich um spiele dreht.

      die gute frau bekommt nämlich genauso viel „anti-feministische“ hass-postings auf andere beiträge.

      allgemein würde ich diesbezüglich behauten das es eher die „übervögelten“ (also genau diejenigen sind die in ihrer mehrheit frauen generell hauptsächlich als fickfleisch und bessere putze betrachten) und (erz)/konservative (die religiösen im besonderen) elemente sind die sich zu solchen hasstiraden hinreißen lassen. es sich also um die gruppen handelt die traditionell frauen und mädchen als minderwertig betrachten.

      gerade die von dir angesprochenen „NERDS“ gehören – zumindest soweit ich bisher feststellen konnte – nicht zu diesen mehr oder weniger rassistischen (denn recht viel mehr sind diese leute nicht. denn auch die geschlechts-rassisten sind halt nur rassisten.) hass-gruppen. ganz im gegenteil. gerade die „NERDS“ aller aller diszipline sind es die meistens als erste dazu bereit sind barrieren zwischen den geschlechtern, farben, religionen und traditionen aufzulösen, die bereit sind andere ihrer selbst willen zu akzeptieren, die bereit sind andere ihrer persönlichen leistung denn ihrer erscheinung wegen zu beurteilen. aber selbstverständlich gibt es auch hier genügend ausnahmen,

      was aber die ansichten dieser frau betrifft sind diese gar nicht mal als besonders „feministisch“ einzustufen, sondern können fast als die pure wahrheit betrachtet werden. denn tatsächlich bestehen nach wie vor teils gewaltige geschlechterspezifische schieflagen innerhalb unserer angeblich ach so aufgeklärten westlichen gesellschaften. und gerade auch in den medien aller art. natürlich kann man über die einzelnen punkte bzw. über die eine oder andere feinheit mit ihr streiten, im großen und ganzen hat sie aber (leider) recht.

      unter anderem ist es ja genau wegen diesem ganzen stereotypen und klischeehaften schwachsinn warum zB. bei mir „privat-fernsehen und radio“ seit nunmehr fast 15 jahren überhaupt nicht mehr, und selbst öffentlich/rechtlicher rundfunk nur mehr sehr eingeschränkt stattfindet. zeitungen, aber im besonderen zeitschriften ebenso-wenig und musik hauptsächlich gesangslos. bei filmen und büchern verhält es ähnlich.

      nicht aber nur wegen der zT. extrem teils geradezu grotesk dummen darstellung von frauen und männern sowie menschen anderer hautfarbe und religionen, sondern auch wegen der generell immer dämlicher werdenden inhalte. ganz zu schweigen von der immer mehr in den vordergrund rückenden manipulativen und propagandistischen berichterstattung und darstellung von menschen

      ok, ende. jetzt ist es wieder ein bisschen mehr geworden als es ursprünglich sein sollte, aber so ists nun mal wenn einem die gedanken durchgehen.

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  7. Also ich bin ja ein großer Kritiker von Anita Sarkeesian. In meinen Augen hat »Feminist Frequency« schon einen sehr starken Bias und schüttet mit seiner Kritik häufig das Kind mit dem Bade aus. (Es als »Forschung« zu bezeichnen wie Fritz es hier tut, würde zum Stillstand meines Wissenschaftlerherzes führen).

    Dennoch muss ich zwei Dinge betonen: Anita Sarkeesian leistet mit der sachlichen Darstellung ihrer Position (die ich explizit in vielen Fällen nicht teile) einen wichtigen Beitrag zum Diskurs und der Versuch offensichtlich sexistische Anfeindung gegen sie zu verteidigen geht mir persönlich gegen den Strich. Solche Kackscheiße ist es, die dafür sorgt dass wir anderen Kerle, die wir eine kritische Haltung gegenüber einigen feministischen Positionen haben, immer wieder angefeindet werden.

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  8. […] aus einem großen Teil der Gaming-Szene stoßen würde, war abzusehen. Allerdings übersteigen die Reaktionen auf ihren Spendenaufruf bei YouTube doch noch die schlimmsten Befürchtungen: Von Gewaltfantasien (bis hin zu Vergewaltigungsaufrufen) […]

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  9. […] männlichen Teils der Gaming-Community führten, als irgendwer gedacht hatte. Ich hatte euch im Juni davon erzählt. Weiter, Anita! […]

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