Warum der legale eBook-Markt scheitern wird

Aus nahezudem selben Grund, der anfangs auch den legalen Musikdownloadmarkt behindert hat: Missbrauch technischer Möglichkeiten in Tateinheit mit massloser, unkontrollierter Gier. Genauer:

Das Wall Street Journal berichtete vor ein paar Tagen, dass eBook-Leser von Suzanne Collins‘ „Hunger Games“ Trilogie durchschnittlich 57 Seiten pro Stunde lesen, Kindle-Nutzer bestimmte Buchzeilen überproportional oft markieren und Barnes&Noble-Kunden nach dem Beenden eines Bestsellers typischerweise sofort einen neuen im Downloadshop kaufen.

Klingt seltsam? Ist es auch. Was wir da haben, ist der gläserne Leser, die totale Kontrolle der literarisch orientierten Freizeit, die Vorratsdaten-Unterhaltungs-Überwachung. Diese Daten sind unendlich wertvoll für Verlage und Werbetreibende, gezieltes Marketing ist um so vieles effektiver als die letztjahrhundertliche Giesskanne der Massenmedien und ihrer Werbeseiten- und Clips. Die Privatsphäre der Nutzer, Konsumenten, Bürger bleibt dabei auf der Strecke, und wird im Stil des Postindustrialismus rückstandslos kommerzialisiert.

Als Alternativen bleiben: Einfach nichts lesen, die Ausgabe auf Papier finden oder eine der weniger legalen Downloadplattformen benutzen: Die Pirate Bay respektiert ihre Nutzer weit mehr als Amazon, Google oder Apple. Das kann nicht gutgehen. Wird es auch nicht. Pech für die Autoren, die sich nach anderen Geschäftsmodellen umsehen müssen. Der Buchmarkt wird inzwischen von den Verlagen zerstört. Tja.

wsj, pic: amazon

8 Kommentare

  1. Ebenso die Preispolitik.
    Wieso soll man für eine digitale Kopie (zu deren Herstellung nur ein Bruchteil der Kosten eine echten Buchs anfällt) das gleiche kosten wie eben das echte Exemplar?
    Bekommt der Schriftsteller nun mehr für jedes verkaufte virtuelle Exemplar? Ich denke mal eher nicht.

    Und wenn es schon das gleiche kostet, wieso hab ich an einer solchen Ausgabe weniger Rechte als am gedruckten Werk?

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  2. Ich liebe Ebooks – da braucht man halt dann einen Reader, der nicht nach Hause telefoniert. Kindle? Nein danke!
    Abgesehen davon ist das natürlich richtig mit dem Scheitern. Ich habe vor Jahren das Missvergnügen gehabt, einen Artikel über eine „Diskussion“ von verschiedenen Vertretern der „Ebook-Branche“ zu lesen. Natürlich keine Autoren, die haben schließlich mit sowas nix zu tun, das waren Marketing-Experten, Verlagsmitarbeiter etc. Anführungszeichen nach gusto setzen, bitte.
    Ergebnis: die gesamte Diskussion hat gezeigt, dass die Leute genau – nichts – aus den Problemen der Musikindustrie gelernt haben. Dass sie, während selbige für DRM und überhöhte Preise richtig aufs Maul bekommen hat, auf einem anderen Planeten waren, wo die Kunden dumm sind und alles mit sich machen lassen. Da fehlt mir einfach jegliches Mitleid. Vor allem, weil andere Verleger, Baen Books zum Beispiel, seit Jahren zeigen, wie man es richtig macht.

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    • nicht misszuverstehen das ich gegen das lesen wäre, ganz im gegenteil sogar (ich lese selber sehr viel), aber meinen könnte man schon des-öfteren das viele buch-fetischisten und literaturapologeten (besonders die sie sich für etwas besseres halten als alle anderen menschen) auf einem anderen planeten leben.

      oftmals extrem verbohrt in der jeweiligen sehr begrenzt abgesteckten weltanschauung, nicht selten technisch rückständig und in ebenso nicht seltenen fällen fast schon der ideologieverdächtigen kurz-sichtigkeit und kurzschlüssigkeit nahe.

      eben weil viele meinen sie hätten alle weisheit mit löffeln gefressen steuern sie nun, genau wie ihre verblendeten vorgängerr, mit vollen segeln gegen die genau gleiche wand . . .

      . . . yo ho ho (and a bottle of rum) . . . ;-)

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      • Naja, in dem Fall war’s wirklich auffällig, wie diese Leute, deren Geschäft es ist, Bücher zu verkaufen, einfach praktisch eine Checkliste der dummen Entscheidungen, mit denen die Musikindustrie gescheitert ist, durchgegangen sind – „DRM – am besten pro Lesegerät das Buch nochmal kaufen – Check, Privatkopie nicht zulassen, siehe Punkt 1 – Check, das Ganze möglichst teuer, am Besten zum Preis des Hardcover – Check,…“

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  3. […] Gastbeitrag: fritz […]

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  4. So wie sie sich derzeit anstellen laeuft es darauf hinaus das sie sich selbst einen ungewollten Monopolisten erzeugen wie Amazon oder Apple. Die schotten sich durch DRM ab und merken nicht mal das sie damit ihre eigenen Kunden vergraulen, denen einfaches Kaufen und lesen wichtiger ist als rumgefrickel und ewige Suche nach Loesungen um die verdammte DRM Seuche irgendwie auf dem Tablet/eBookReader anzeigen zu lassen. Und schwupps rennen die Leser zu Systemen die Einfachheit und All-In-One Loesungen (vom Einkauf bis zum Geraet aus einer Hand) versprechen und ihr eigenes DRM damit verstecken koennen. Und nachher hoert man wieder das gejammer der Verlage das die ja keine Alternativen mehr haetten, waehrend die Leser nicht mal mehr merken das alles ueber ihr Leseverhalten aufgenommen wird.

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  5. Und warum sollte der legale eBook-Markt nun scheitern? Ein legaler Markt für Musik-Downloads hatte zunächst doch gar nicht existiert – dann kam iTunes und hat sich auf die Besserverdiener konzentriert.

    Dem legalen eBook-Markt geht es hervorragend und er wird sich weiter prächtig entwickeln. Amazon ist nicht alles. Ein Blick auf smashwords.com zeigt den Weg, den der Markt in Europa nehmen wird.

    Und was den Datenschutz angeht: Schon mal mit einem Facebook-Fan über den Umgang mit dessen Daten gesprochen? Das interessiert den nicht.

    Jeder hat die Veröffentlichung seiner Lesegewohnheiten selbst in der Hand. Amazon-Kunden können DRM-freie eBooks mit Calibre nach epub konvertieren und auf ihren eReader verschieben.

    eReader werden zudem immer billiger. Schon heute haben viele Leser zwei oder gar drei Geräte. Es wird sie bald schon ab 20 Euro geben. Das Ausspionieren eines Nutzers ist bei der Verwendung von mehr als einem Gerät kaum noch möglich.

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  6. Ich muss Gerhard recht geben. Nicht nur amazon und co geben Aufschluss über die momentanen Verhältnisse des Marktes. Auch der Erfolg von Seiten wie http://www.website-zum-buch.de
    spricht dafür!

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