Moderner Sozialismus, made in USA

Im Corner Perk Cafe in Bluffton, im US-Bundesstaat South Carolina hat sich ein reichlich unamerikanischer Brauch etabliert: Für andere bezahlen, ohne selbst zu konsumieren.

Vor zwei Jahren liess eine Kundin einen 100-Dollar-Schein auf dem Tresen, mit der Anmerkung, vom Wechselgeld solle solange frei Kaffee ausgegeben werden, bis das Geld alle sei. Die Geschichte verbreitete sich, und in Folge blieben immer wieder Geldscheine liegen, um für andere, Unbekannte, freien Kaffee zu bezahlen. Mittlerweile, so berichtet Josh Cooke, der Besitzer des Cafes, kämen manche Besucher nur aus diesem einen Grund zu ihm: Um die Heissgetränke anderer zu bezahlen, auch ohne selbst etwas zu trinken. Anscheinend sind in den US-Südstaaten mehr Leute unterwegs, die nicht ganz so streng an den Kapitalismus glauben als anderswo. Aber machen wir uns nichts vor: Die strenge Koppelung von Geld und Ware (oder Leistung) ist ein gesellschaftlicher Sonderfall und nicht etwa die Regel: In Familien, unter Freunden, im gesamten “ehrenamtlichen” Sektor ist Geld nicht die Masseinheit für Gegenleistung. Richtig. Der Kapitalismus ist ein Papiertiger. Eine andere Art Opium fürs Volk. Ok. good.

5 Kommentare

  1. “ehrenamtlichen”

    gerade dieser immense sektor ist es der die gesellschaften am laufen hält. wegen der ganzen (in DE so ca. 23 millionen freiwilligen) „IDIOTEN“*** die nicht für jeden gekrümmten finger oder geistige anstrengung die hand aufhalten!

    ***als solche werden „solche“ leute von drecks-kapitalisten (die sich nach eigenem kredo ja alles ach-gottchen-selber – und naaaaaatürlich ganz privat und ohne jede hilfe – erarbeitet haben) angesehen.

    ich würde jedem mal diese (dankes)rede von george schramm (mal in einem eher ersten moment) empfehlen:

    Erich-Fromm-Preis 2012 für Georg Schramm

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    • dieser link ist besser – er enthält die rede in einem stück:

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  2. Eine art sozialismus oder doch nur der Versuch ein gutes gefühl zu erkaufen? Das Gefühl etwas gutes getan zu haben?

    Wobei in diesem speziellem Fall das Gute wohl relativ ist: Kaum ein bedürftiger würde in ein normales Cafe gehen um eventuell ein kostenloses, heisses Getränk zu bekommen, gell?

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    • Dann is es doch sowas wie die US-Version von Sozialismus. Oder?

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  3. Sowas ähnliches ist auf dem Land in Louisiana alte Sitte (wie alt weiß ich nicht, auch nicht, ob nur dort), genannt „free supper“. Jeden Abend bietet eine andere Kneipe ein kostenloses Essen an. Als wir gleichmal fragten, ob das denn nicht missbraucht werde von blöden Schnorrern, die´s gar nicht nötig haben, gab´s nur ratlose Blicke. Neinnein, das ist ja nur für Leute, die nicht genug Geld haben.

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