Julia Schramm, Klick mich und die bezahlten Provokateure der Contentmafia

So sieht das also aus, wenn “Big Media” versucht, einen sogenannten “Shitstorm” zu zelebrieren. Zuerst wird berichtet, dass ein Gratis-PDF von Schramms Buch “Klick mich” vom herausgebenden Knaus-Verlag aus der Dropbox-Cloud entfernt wurde (Der Verlag scheint zu den weniger schlimmen zu gehören). Dann folgt der (unbestätigte) Hinweis, sie habe einen Vorschuss von 100.000 Euro erhalten, und schliesslich klassifizieren die Big-Media-Lohnschreiber das Buch als schlecht. Und da soll man nicht neidisch werden?

Als weniger erfolgreicher Autor? Oder als Netzkultur-Idealist nicht den Zerfall der Internetgrundwerte fürchten? Nein, soll man nicht. Man kann genausogut auch ein paar Tage abwarten, bis die Meinungskampagne von Bild, SPON, FAZ und anderen Produkten der Meinungsindustrie wieder verebbt ist. In Wirklichkeit ist nichts passiert: Eine junge Doktorandin hatte das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, und ein Popkulturbuch (nichts anderes ist “Klick mich”) im finanziellen Raster der Aufmerksamkeitsökonomie zu verorten. Der Preis, den sie dafür zahlen muss, ist, den Text des Buchs nicht vollständig auf ihrem Blog veröffentlichen zu können (entweder… oder), aber wir alle wissen ja, wie wir alles trotzdem gratis lesen können. Nachdem die grosse Medienmaschine aber partiell lernfähig ist, intensiviert sie eine solche Kampagne mit bezahlten Kommentatoren, ähnlich den steinewerfenden Agent Provocateurs auf ansonsten friedlichen Demonstrationen. Winziges Problem: Das Internet ist nicht so anonym, wie die Netzkultur das schon lange fordert. Pech für die Vertreter der Kontrollfraktion: Ich kann als Bloginhaber natürlich sehen, von wo aus du postest, ob du mit mehreren Namen Selbstgespräche führst und wie dein undynamischer IP-Arbeitgeber heisst. Peinlich, wenn dieser der Medienindustrie zuzurechnen ist, nicht wahr? Nun bin ich aber immer noch ein grosser Fan von engagierter Datenhygiene und werde deshalb keine Namen nennen. Heute zumindest nicht. Allen anderen unter meinen Lesern möchte ich versichern, dass die Aufregung garantiert bald vorbei sein, und dieser ungeschickte Versuch, die Netzkultur zu diskreditieren und zu schwächen, erfolg- und folgenlos bleiben wird.

Zusammenhangfreies pic: twitter

17 Kommentare

  1. Wenn du denkst, dass auf deinem Blog bezahlte Kommentatoren am Werk sind, da IP Adresse(n) einem Unternehmen der Medienindustrie zu zuordnen sind: Du überschätzt die Wichtigkeit und Reichweite deines Blogs und unterschätzt die echten Provokateure (so es sie denn gibt). Die würden sicher nicht unter einer IP ihres Auftrag-/Arbeitgebers posten.

    Mein Arbeitgeber kommt, wenn man es so nennen mag, aus dem erweitertem Umfeld der Medien und ich bin mir natürlich bewußt, dass die IP diesem zugeordnet werden kann. Allerdings sah ich bisher keinen Grund, hier anonymisiert zu schreiben. Wenn aber alleine die IP des Arbeitgebers bei dir dazu führt, Tot und Teufel an die Wand zu malen, werd´ ich das eben ändern (wie du sicher sehen kannst) oder einfach komplett aufhören, hier zu schreiben oder zu lesen.

    Die in Teilen der Piraten Partei zu beobachtende aufkeimende Paranoia und Wagenburgmentalität, scheint sich auch auf dich zu übertragen. Schade, eigentlich.

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    • Das hat gar nichts mit Paranoia zu tun. Fakt ist, dass in der Vergangenheit zahlreiche Fälle von derart ungeschickter Meinungsmache aufgeflogen sind. Sei es in Blogs, Community-Portalen, Online-Händlern oder Wikipedia. Und nicht wenige davon wurden tatsächlich über leicht identifizierbare IP-Adressen von Unternehmen, Organisationen oder Behörden durchgeführt. Auf im scheinbar professionellen Sektor sind also auch erstaunlich viele Amateure unterwegs.
      Willkommen in der Realität des Webs. ;)

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      • Bezahlte Bewertungen bei z.B. Amazon … alter Hut.
        Auch Wikipedia ist davor nicht gefeit. Mit ein wenig offenen Augen ist vieles schnell entlarvt.

        Aber dann wird es diffus: IP Adressen von „Unternehmen, Organisationen oder Behörden “ auf Blogs und Community Portale.
        Und? Was hat der Inhalt einer Nachricht mit einer IP Adresse zu tun?

        Ich würde mich ja mehr auf inhaltlicher Ebene mit Beiträgen befassen, als mir aufgrund der IP irgendetwas zusammen zureimen und damit die Leute kirre zu machen.

        Meine Realität scheint sich von der deinigen deutlich zu unterscheiden.

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  2. (Der Verlag scheint zu den weniger schlimmen zu gehören)

    DER VERLAG IST EIN 1 0 0 %TIGES BERTELSMANN TOCHTERUNTERNEHMEN:

    KNAUS -> RANDOMHOUSE -> BERTELSMANN AG KONZERN

    hierbei handelt es sich nicht um NUR irgendeinem unternehmen

    BERTELSMANN ist in DE und EU absolute Nr.1 und weltweit Nr.3 allen verlags und druckhäusern

    Arvato 100% (und über Avarto verflochten mit der AXEL SPRINGER AG)

    Gruner + Jahr 74,90% (und über G+J wiederum verflochten mit der AXEL SPRINGER AG durch Axel Springer Russia)

    Random House 100%

    RTL Group 91,00% (dadurch europaweit medien-präsent)

    SHITSTORM????

    mit wem glaubt ihr den zu vögeln?

    die, wenn sie wirklich wollten, könnten euch in einem kampagnen-shitstorm von nur wenigen wochen komplett vernichten.

    in was für einer traumwelt lebt ihr denn eigentlich???

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    • Ja, Bertelsmann = böse, aber der Knaus verhält sich eben „weniger schlimm“. Das kann man durchaus differenzieren. Aber du musst nicht, wenn du nicht willst.

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  3. Lol, wer ist denn hier bezahlt? Julia, die für einen judaslohn von 100.000 Euro alles verrät, wo sie vorher erzählt hat oder Leute, die sich ob dieses Verhaltens die Augen reiben?

    Und mit „contentmafia“ (widerliches Wort btw) kannst Du ja wohl nur den Vorstand der Piratenpartei meinen.

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  4. Fritz!
    Dieser Blog war noch nie mit derartigem Müll zugespammt.
    Vielleicht hat Don Alphonso recht – http://faz-community.faz.net/blogs/deus/archive/2012/09/19/julia-schramm-ein-buchdebakel-als-sieg-fuer-bertelsmann.aspx .
    Wird Zeit, daß Du hier mal verrätst, wer von den Schreibern diese merkwürdigen IPs haben… es ist Wahlkampf. Es müssen ja nicht gleich Klarnamen sein… Die wissen genau wie man Wähler fischt und ihre Mainstream-Medien-Propaganda der heilen Welt durch Blogs wie diesen Risse bekommt. Die haben Angst.
    Es gibt keinen Unterschied zwischen einer Diktatur und dieser Scheindemokratie. Letztens den Film „Der Diktator“ gesehen und selbst Sasha Baron Cohen macht sich ganz offen über die Zustände der sog. freien westlichen Welt lustig. Bis jetzt dachte ich, er sei satirischer Komiker. Jetzt denke ich, er ist Satiriker und der Humor so schwarz wie CDU/CSU.
    Ps: Bevor hier irgendjemand der Trolle schreibt, daß ich ein verblendeter Pirat bin: Ich wähle die Piraten nicht.

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    • „Dieser Blog war noch nie mit derartigem Müll zugespammt.“

      Beispiele?

      “ Die haben Angst.“

      Im Moment pissen sich _die_ (?) wohl eher vor lachen in die Hose.

      Du klingst ähnlich paranoid, wie der Bloginhaber. Wünsche dir, dass du mal in einer echten Diktatur lebst….dort hättest du dann wenigstens einen Grund, dich verfolgt und mißvestanden zu fühlen.

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      • Beispiele? Vorher gab es so einen Müll nicht… wo soll ich da Beispiele nennen?

        Klar „Antworter“, daß du dich schon voll in die Hose pissen hast.

        Wir leben in einer echten (weichen) Diktatur bevölkert von Tausenden Egoisten wie dich.

        Nur weil du nicht paranoid bist heißt nicht, daß _die_ (…) nicht hinter dir her sind.

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  5. wenn frau schramm für eine geldmenge x ihre eigenen, mehrfach und laut postulierten prinzipien über bord wirft (so sieht es nunmal für mich aus) – meinetwegen soll sie das tun, ist ein freies land.

    aber jeden, der dieses buch kritisiert, automatisch einer wie auch immer gearteten content-mafia oder sonst einem ganz arg widerlichen, bösen verein zuzuordnen, das ist einfach lächerlich.

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    • Dem kann ich mich leider nur anschließen. Natürlich hat sie das Recht ihr Buch an die Bertelsmannn Gruppe zu verkaufen statt es z.B. gänzlich unter cc zu veröffentlichen oder es jedem Käufer des PDF frei zu stellen was er zahlen möchte.
      Das sie damit ihre Glaubwürdigkeit zumindest schwer beschädigt ist mMn offensichtlich.

      Ich finde es schade das Fritz, dem ich hier einige Zeit folge, leider etwas Reflexhaft Kritiken mit „Beitrag nicht verstanden/gelesen“ abtut. Das ist nicht der von mir hier gewohnte und geschätzte Stil.
      Ich hoffe Fritz kommt nach der Aufregung wieder zur gewohnten Diskussionskultur zurück, wäre sonst wirklich schade.
      Im Bezug auf die Agitation von Seiten der „Contentmafia“ wäre es doch schön wenn Fritz besagte Beiträge aufführen könnte. So steht es bisher nur als Vorwurf im Raum.

      Ich habe übrigens das Buch gelesen bevor ich meine Meinung endgültig gebildet habe und ich bin weder Mitarbeiter noch Sympathisant eines großen Medienhauses etc. ^^

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  6. Haha, schadensregulierung auf piratisch. Soll man sowas ernst nehmen? Spielt ihr ruhig noch ein bisschen….solange keiner verletzt wird, ists ja nicht weiter tragisch.

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  7. Die Vorstellung, ein Bloginhaber hockt vor seinen Besuchertrackingtools, um seine Leser zu verfolgen, ist mir als Leser im Fall nicht angenehm. Hör bitte damit auf. Zumal es, wie die Argumente hier schon zeigen, keinen Erkenntnisgewinn bringt.

    Langsam wird die Sache mit den unbestätigten 100’000 Euro peinlich. Julia Schramm hätte diese Sache nämlich schon lange klären können. Warum tut sie das eigentlich nicht? Sie tritt doch für eine eingeschränkte Privatsphäre ein, von ihr politsprecherisch als Postprivacy gelobt. Aber auch das gilt offenbar nur für die anderen, nicht für sie?

    Nein, so wird das nun wirklich gar nix mehr.

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    • Keine Sorge, das sind die ganz normalen Infos, die jeder WPblog-inhaber angezeigt bekommt.

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  8. Ich kommentiere auch manchmal von der Arbeit aus, deshalb bin ich aber noch lange nicht der Sprecher meiner Firma. Wäre ja noch schöner.

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