Warum das Internet böse ist

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Wir wundern uns dauernd, warum Regierungspolitiker so repressiv mit dem Internet umgehen. Vorratsdatenspeicherung, Copyright­maximalismus, Totalüberwachung – muss das denn sein? Die Antwort darauf gibt uns (wie so oft) die Wissenschaft. Im April letzten Jahres (12) führte TNS Infratest im Auftrag des Bundespresseamts eine Studie über die politische Einstellung der Internetnutzer in Deutschland durch. Man musste die nun vorliegenden Ergebnisse erst freikämpfen, aber hier ist das enthüllende Zitat:

“Bezüglich ihrer parteipolitischen Affinität zeigen sich keine eindeutigen Präferenzen für eine einzelne Partei, allerdings ist eine starke Ausrichtung auf das linke Parteienspektrum feststellbar: Das bürgerliche Lager ist mit 19% stark unter-, das linke Lager aus SPD, Grünen und Linken (zusammen 61%) dagegen entsprechend überrepräsentiert. Würde man die Piraten – die sich ideologisch noch nicht festlegen wollen – noch hinzuzählen, käme man sogar auf einen Anteil von 77%.”

Klar, oder? Das muss man ja verbieten (auch wenn das “linke Lager” hier maximal breit gefasst ist). Alles am besten. Hauptsache, man bereitet diesen unpatriotischen Kommunisten Probleme. So wie mit den Drogen. Und den Computerspielen. Comics. Rocknroll. Jazz. Kinos. Theater. Schachspielen. Der bürgerliche Roman. Dichtung. Einfach alles, was die jeweils besitzstandwahrende Generation als Ausdruck der Jüngeren (so unter 50) empfindet. Das erklärt natürlich vieles. Und… Oooops, 18 16 % der Internetnutzer würden Piraten wählen?

netzpolitik

6 Kommentare

  1. Tja, nur dumm, dass der „Internetnutzer“ (noch) nicht repräsentativ für „den Wähler“ in Deutschland ist …

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  2. Mit den 18% (vorsicht, an Projekt 18 haben sich schon andere verhoben :P ) wird es aber erst was wenn ihr den Leuten klar machen könnt das es nicht reicht Beiträge zu liken oder auf Twitter zu folgen sondern den Arsch hochzubekommen und auch zur Wahl zu gehen UND dann auch noch das richtige Kreuzchen zu machen.

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  3. So schön solche Zahlenspiele sind haperts meist an der Bereitschaft zur Wahl zu gehen. Ich kenne das Problem aus dem Umfeld mit vielen Langzeitarbeitslosen. Die sind oft so desillusioniert und enttäuscht von der Politik das sie nun gänzlich ins Heer der Nichtwähler abgeglitten sind. Ist natürlich nicht klug aber menschlich nachvollziehbar.
    Würde es der linken gelingen große Teile dieser Leute als Wähler zu aktivieren wäre längst schluß mit neoliberaler Klientelpolitik oder es hätte, was wahrscheinlicher wäre, eine Änderung des Wahlrechtes für Leistungsempfänger gegeben. Solche Ideen kursierten ja schon mehrfach in bestimmten Kreisen der CDU und ihres Wurmfortsatzes FDP.
    Gottfried Ludewig (CDU und RCDS) hatte z.B. vor einigen Jahren vorgeschlagen das Leistungsträger ein doppeltes Stimmgewicht erhalten sollten!

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  4. Als erschreckend empfinde ich vor allem, dass TNS Infratest noch immer mit solchen verkrusteten Kategorisierungen à la ‚Bürgerliches Lager‘ hantiert und damit hartnäckig den seit Mitte / Ende der 1980er Jahre feststellbaren ideologischen Wandel in unserer Gesellschaft ignoriert. Das ist in ungefähr so, als ob man versuchen würde, die wissenschaftlichen Erkenntnisse unserer Gegenwart in das kosmologische Weltbild des Mittelalters zu quetschen. Ob ich den Tag noch erleben werde, an dem man endlich die Existenz einer ‚Bürgerlichen Linken‘ anerkennt (und das Lagerdenken damit endlich obsolet macht)?

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  5. 77-61=18 das ist wie bei FOX news. wenn man das verrechnet kommt eigentlich doch was anderes raus.

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  6. ich bin immer wieder glücklich, zu sehen, wie akribisch meine Leser an die 11k2-Beiträge herangehen. Jeder Buchstabe und jede Ziffer wird diskutiert, von Inhalten ganz zu schweigen! Danke!

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