Pornoverbot – EU-Parlament stimmt über Initiative ab

Kartika Tamara Liotard

Wie uns der schwedische Piraten-Abgeordnete Christian Engström in seinem Blog warnt, gibt es bedenkliche Entwicklungen im EU-Parlament. Am Dienstag, 12.3., soll in Strassburg über einen “Bericht über die Beseitigung von Geschlechter-Stereotypen in der EU” abgestimmt werden, der schon im Dezember von der niederlandischen EU-Abgeordneten Kartika Tamara Liotard (sozialistische Partei, pic) dem EU-Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter vorgelegt und dort mit 18 Ja- und 2 Neinstimmen angenommen wurde.

Keine Frage, da stehen eine Menge tolle Sachen drin. Massnahmen zur Verbesserung der Gleichstellung, die man nur unterstützen kann. Nur sind da auch Sachen reingeraten, die sich als juristischer Tsunami herausstellen könnten: Der Bericht “fordert die EU und ihre Mitgliedstaaten auf, auf ihre Entschließung vom 16. September 1997 zur Diskriminierung von Frauen in der Werbung,die ein Verbot aller Arten von Pornographie in den Medien sowie von Werbung für Sextourismus fordert, konkrete Maßnahmen folgen zu lassen”.

‚Konkrete Massnahmen‘ wäre somit Gesetze, die (u.a.) “Pornographie in den Medien” verbieten. Also überall. Damit hätte man gleichzeitig geschätzte 75% der Bevölkerung als Pornomediennutzer kriminalisiert und den Bedarf für einen Überwachungsapparat unvorstellbarer Grösse geschaffen.

Abgesehen davon, dass wie keine europäischen Porno-Orwell-Gesetze brauchen, müssen wir ausserdem endlich aufhören, Pornografie als immer fremdbestimmt und frauenfeindlich anzusehen; statt dessen muss die Darstellung von Sexualität unter den selben rechtlichen Schutz gestellt werden wie selbstbestimmte Sexualität allgemein. Mit Sexualfeindlichkeit erreichen wir Unterdrückung und nicht Befreiung.

engström, heise, PDF des Berichts, pic/permitted

6 Kommentare

  1. Ist dir ja richtig früh aufgefallen, dass es sich bei den Leuten in der EU um Gender-Feministen und nicht um Equality Feministen handelt. Eben so, wie dieses neurotische Aufschrei-Gesindel das gerade durch die Medien turnt. Diese Menschen interessieren sich einen absoluten Scheissdreck für Gleichberechtigung, denen geht es einzig und allein darum den Menschen ihre soziophatische Ideologie aufzuzwingen.

    Und jetzt ist man ganz verwundert, dass die Emanzen Pornographie verbieten wollen, ist ja nicht so als hätten sie jemals ein Geheimnis daraus gemacht.

    Gefällt mir

    • Naja. Rumpauschalisieren bringt hier auch nichts. Aber das nur am Rande.

      Gefällt mir

  2. […] schreibt, dass innerhalb von 24 Stunden nach Veröffentlichung seines Blogposts zur möglichen Pornoverbots-Resolution des EU-Parlaments bereits über 350 Emails besorgter Bürger bei ihm eingegangen waren. Dann […]

    Gefällt mir

  3. Wenn es nur um ein Verbot der Sexualisierung in der Werbung in allen Medien gegangen wäre, würde ich das gut finden. Aber ein komplettes Porno-Verbot halte ich für nicht zielführend. Zudem es sicher auch Pornos gibt wo die Beteiligten nicht nur als Fickfleisch dargestellt werden.

    Gefällt mir

  4. (…)und den Bedarf für einen Überwachungsapparat unvorstellbarer Grösse geschaffen.(…)

    Und genau darum geht es. Um nichts anderes. Einfach der nächste Versuch in der endlosen Reihe an Terroristen, Raubmordkopierern, Kinderschändern etc.pp, die als Begründung herhalten müssen, dass man dieses dumme Internet endlich vernünftig kontrollieren kann. Man sieht doch, wo das hinführt, wenn da jeder alles machen darf: Schon schreiben den armen Leuten in der EU schnell mal 350 wütende Leibeigne.
    Das hat es ja früher auch nicht geben. Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder so direkt einem Politiker was sagen dürfte, hä?

    Gefällt mir

  5. Was wir brauchen ist im Prinzip kein Pornoverbot sondern eine aufgeklärte Nutzung der Pornografie. Es gibt Nachteile wie Pornosucht u.a. die durch den übermäßigen Konsum auftreten und gesundheitliche Schäden nach sich ziehen können. Das hat aber nichts mit den Argumenten zu tun die hier für ein Verbot angeführt werden. Diesen Auffwand sollten sie lieber in eine detaillierte Aufklärung stecken die den Kindern erklärt, dass Pornos nunmal nichts mit der Realität zu tun haben. Bücher wie dieses: http://harri-wettstein.de/ sind da sehr zu empfehlen.

    Gefällt mir


Comments RSS TrackBack Identifier URI

Kommentar schreiben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.