Das Märchen vom männlichen Sextrieb

zardoz

Männer denken alle 2 bis 5 Sekunden an Sex, Frauen nur halb so oft, Männer können einfach nicht anders als unaufhörlich herumzuvögeln, Frauen sind kontrollierter und weniger lustorientiert. Weiss doch jeder. Ach ja? Woher wissen wir das? Von Verwandten, Nachbarn und Freunden? Oder sind das am Ende doch nur urbane Mythen?

Die US-Soziologin Alyssa Goldstein war so freundlich, uns in ihrem Artikel „When Women Wanted Sex Much More Than Men – And how the stereotype flipped“ darauf hinzuweisen, dass nachzulesendermassen und nachprüfbar bis vor etwas über 100 Jahren (so circa bis zum Ende des 19. Jahrhunderts) nicht nur männliche Babys rosa und weibliche hellblau angezogen wurden, sondern auch Frauen als das sexhungrigere Geschlecht galten. Und Männer als das kühlere, weniger lustorientierte. Damals war diese Polung übrigens Teil des Begründungsszenarios dafür, dass Männer ja intelligenter und überhaupt geistiger orientiert seien, Frauen dagegen emotionaler und eben deswegen weniger fürs Intelligenzthema zu haben.

Und rechtzeitig vor dem Eintritt des 20sten Jahrhunderts kippte das Bild, und der von den Zwängen der urbanen Lebensweise, industriellen Arbeitsorganisiation und den kollektiven Selbstbildprojektionen des Bürgertums so fies eingeschränkte Mann erhielt ein neues, freilich ebenso frei erfundenes Männlichkeitsattribut, das der unaufhörlichen, unersättlichen Reproduktionsbereitschaft.

„Unstoppable“ würde der Unreal-Tournament-Stadionsprecher hier ausrufen, wenn nicht gar „Godlike!!!“. Aber wenn wir das genau wissen wollen, sollten wir Frau Goldstein fragen, die kennt sich mit der Sache nachzulesendermassen und nachprüfbar besser aus als wir Nerds. Lustig ist dieses Forschungsergebnis allemal.

alternet

Das Pic ist natürlich aus dem unsterblichen 1974er SciFi-Movie Zardoz, mit dem ebenfalls unsterblichen Sean Connery.

8 Gedanken zu „Das Märchen vom männlichen Sextrieb

  1. Toller Beitrag, tolles Bild, seltsam-abstruser, aber gerade dadurch toller Film. Danke! Wir alle sind Opfer(und Täter) von Vorurteilen und Klischees, anhand derer wir stets versuchen uns die Welt erklärbar zu machen. Derzeit grassiert ja auch dieses Vorurteil, Männer seien machthungrig-geldpotente Säcke in Vorstandsposten, die keinen Bock haben auch mal einen solchen Posten an Frauen abzugeben. Richtig ist: 95 Prozent aller Chefposten sind in Männerhand (was schlecht ist). Richtig ist aber auch: 95 Prozent aller Männer werden einen Chefsessel niemals aus der Nähe sehen.Ein paar Wenige versauen den Ruf der Vielen. Beliebtes Grundprinzip.

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    1. „Derzeit grassiert ja auch dieses Vorurteil, Männer seien machthungrig-geldpotente Säcke in Vorstandsposten, die keinen Bock haben auch mal einen solchen Posten an Frauen abzugeben. Richtig ist: 95 Prozent aller Chefposten sind in Männerhand (was schlecht ist).“

      Also doch kein Vorurteil, sondern Fakt.

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      1. Stimmt, das habe ich verbal nicht richtig austangiert. Mir ging es eher darum, dass der überwiegende Teil der Männer – im Grunde fast alle – eben keinen Chefposten haben.Und dementsprechend auch die Verlierer eines Verhaltens einer sehr kleinen Gruppe sind. Ging durch meine Satzbildung aber konsequent verloren, richtig gesehen.

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  2. Ausgezeichnet – und besser noch: von einer Frau!

    Ich muß den Artikel noch lesen, aber er wird wohl auch nicht umhon kommen, das „enhanced Flipping“ des Vorurteils mit dem Aufstieg extremer (pseudo-)feministischer Organisationen wie der von Bettie Friedan in den USA gegründeten National Organization for Women (N.O.W.) zu verbinden, die einen Überheblichkeitswahn, wie er wohl bei Schopenhauser zuhause war, umgekehrt und weitergetrieben hat.

    Eine Präsidentin der N.O.W. führte diesen angeblich „angeborenen männlichen Sextrieb“ soweit, daß sie erklärte: „alle Männer sind Vergewaltiger, und das ist alles, was sie sind“ (Robyn Morgan), und dies führte zu einer logischen Fordrung nach Abschaffung aller Männer, wie wie es im Ausrottingsplan der Feministin Valerie Solanas (‚S.C.U.M. Manifesto‘, siehe google) sehen, oder alles Männlichen, wie es sich im jetzt modischen „Gender-Mainstreaming“ zeigt. Beidem liegt dieselbe Ideologie zugrunde.

    Sie ist ein wesentlicher Bestandteil, wenn nicht die einzige Basis eines „Feminisimus“, der nicht mehr, wie bei Mary Wollstonecraft und Susan B. Anthony (in den USA), Clara Zetkin und Rosa Luxemburg (in Deutschland), und vielen anderen „Müttern des Feminismus“, die gesetzliche Gleichstellung von Frauen und Männern ALLER KLASSEN, und ein menschenwürduiges Leben FÜR ALLE anstrebt, sondern von „Höheren Töchtern“ wie Bettie Friedan oder Hilary Clinton kommt.

    Deren Blick ist von einer Welt mit Männern im Büro (sich an Sekretärinnen und gutem Leben erfreuend), und Frauen zuhause (und im Kaufhaus) eingesperrt (sich an Einkauf und Langweile delektierend) geprägt. Gemeinsamkeit in Arbeit und Verantwortung, wie sie in arbeitenden Familien normal war, kannten diese „Frauen-rechtlerinnen“ nur von Theorie, und ihre Lebensvorstellung ist, von daher, von der Realität weit entfernt.

    Ein Teil der Sexualitätsauffassung vom Geschlechtsbiest Mann, und der Frau als dem Opfer dieser tierischen Triebe, stammt auf aus diesen Ibsenschen „Puppenheimen“ der Oberen Klassen, als frau das Bett nicht mochte, aber die Augen schloß und die Pflicht tat – Spaß hatten nur die Männer – und d i e W e i b e r d a, nämlich im Bordell.

    Das vertreibt natürlich alle natürlichen Triebe und erzeugt eine voll und ganz künstliche Ideologie von Menschen, Geschlechtlichkeit und Gesellschaft. Die hat sich bis heute fortgesetzt, wie gesagt in der Geschlechtsfeindlichkeit des falschen Feminismus uns seinen Wunschträumen von einer
    n i c h t r e c h t l i c h e n Gleichheit, sondern t o t a l e n Gleichheit, d.h. Aufhebung aller Unterschiede, wie sie sich in „Gender-„Theorie und Ideologie und dem Bestreben nach totaler Angleichung im „Gender-Mainstreaming“ zeigt.

    „Gender“ ist ja ein Begriff, der von der Psychologen der „Behavior-Schule“ (Verhaltensforschung) in den Vorderrgrund gebracht wurde als: „Verhalten und Persönlichkeit, die sich bei einer Person auf der geschlechtlichen (genetischen) Basis unter Einfluß von Umwelt und Erziehung entwickeln“.

    Die „Gender-„Theorie/Ideologie dreht das herum und behauptet, daß bei Geburt a l l e M e n s c h e n g l e i c h sind, ohne jeden Unterschied. Mädchen/Frauen und Jungen/Männer sind nur Ergebnise ihrer Erziehung – bei Geburt waren sie alle gleich!

    Natürlich ist dies totaler Unsinn, aber er hat sich mit großem Erfolg weitgehend breitgemacht. Ein reiner Verhaltensbegriff wurde k ü n s t l i c h zum Menschheitsbegriff befördert, und Geschlechtlichkeit zum „Konstrukt“, zur männlich-patriarchischen Erfindung degradiert.

    Daraus ergibt sich, unter vielem anderen, auch die Forderung nach „totaler Freiheit“, d.h. ohne jede Verantwortung – nicht für Familie (die ja abgeschafft werden soll: nur ein Vergewaltigungs- und Kinderschlageplatz – seitens Männern natürlich), und Kinder (nur lästige Behinderungen beim Vergnügen), und jegliche soziale Bindung (die immer nur Unterdrückung/Unterwerfung sei kann).

    Das Geschlecht, die genetische Basis, ist hier im Weg – selbst mit Pille. Die menschliche Geschlechtlichkeit hat sich zwar kulturell von dem Rhythmus des „in Hitze sein“ fortentwickelt, aber da sind noch immer Periode, mögliche Schwangerschaft, natürliche Wünsche, die eine gewisse Begrenzung darstellen. Somit würde dem „modernen Falsch-Feminismus“ Natur zum Feind:

    Nur ein geschlechtsbefreites Wesen kann ungehemmt dem Lustprinzig folden – ob dies nun Prinzip von Siegmund Freud oder dem von Kaiser Caligula entspricht sei dahingestellt.

    Daß sich damit aber der besagte Mensch, oder die besagte Menschin auch der eigenen natürlichen Menschlichkeit beraubt, in welcher die Natur (manche sage noch immer: Gott) die Grundlagen unserer eigenen Existenz in der gegenseitigen Anziehung und Ergänzung festgesetzt hat, scheint dieser Ideologie ohne Bedeutung.

    Es ist nicht das erstemal, daß so etwas große „Fortschritte“ macht. Wir gesagt: das sterbende Rom hatte es auch – und die betrogene Französishe Revolution, nach welcher sich dieselbe „Befreiung von allem“ (für die Oberschichten) und ungehemmte „Gayété Parisienne“ (Hedonismus) breitmachte, deren Parole alles aussagte: „Après nous le Déluge!“ (Nach uns die Sintflut).

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  3. Ich bin übrigens inzwischen ganz richtig darauf hingewiesen worden, dass meine Darstellung im OP bis hin zur Verfälschung verkürzt ist. Aber historische Präszision war auch nicht Sinn des Beitrags. Eher schon das Hervorbringen von, hrm, sehr subjektiven Meinungsäusserungen wie im Fall des Kommentars gleich hier darüber.

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    1. Das ist keine subjektive Meinungsäußerung sondern Fakt. Ist eigentlich amüsant, dass Linke und Feministinnen es noch wagen, sich über religiöse Menschen lustig zu machen. Sind sie doch nichts anderes und im Bereich des Feminismus noch weitaus krasser als Kreationisten wenn die biologische Realität nicht in ihr Weltbild passt.

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      1. Bei dir läufts grade auch nicht so super, hm? Pass auf dich auf, Alter, wenn das Selbstmitleid erstmal chronisch wird, ist es kaum noch in den Griff zu kriegen.

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