Urheberrechtsbruch: Verwerflicher als Vergewaltigung und Totschlag

octopi

Auch in Deutschland wird man inzwischen härter bestraft, wenn man Links auf urheberrechtlich geschützte und unlizensiert weiterkopierte Filme postet (zB als Torrent-Seite) als im Fall von affektbeladener Tötung oder von Vergewaltigung. Wie kann das sein?

Ähnlich wie bei der Auto-Brandstiftung, die mit absurden Gefängnisstrafen geahndet wird, bedroht eine Verletzung des Urheberrechts das Weltbild des Establishments direkt. Mehr als die Vorstellung körperlicher Gewalt, weil sowohl brennende Autos als auch selbstgebrannte Film-DVDs nicht jeden treffen – sondern nur die Wohlhabenden, die Profiteure unseres Wirtschaftssystems.

Urheberrecht ist also Herrschaftsrecht, der Besitz an Geistigem wird entsprechend erbarmungslos verteidigt. Wenn die Tentakel des namenlosen Bösen (siehe Beispielpic) nach dem kulturellen Alleinvertretungsanspruch der 1 % und ihrer Unterstützer greifen, geht man auch mal über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus und setzt den digitalen Michael Kohlhaas für knapp vier Jahre hinter Gitter.

Nein, ich mache hier keine Spässe. Das Urheberrecht ist deshalb so reformresistent, weil es eine Säule im Weltbild der bürgerlichen Gesellschaft darstellt. Das Geistige wird hier als etwas Besitzbares definiert, als Besitz in einem Umfang, der es zur beliebigen Handelsware macht, sobald es einmal der Natur entrissen wurde. So wie gefracktes Erdgas, nicht wahr? Auch das hinterlässt verwüstete Landstriche, bereichert aber einzelne, die skrupellos genug sind, um die Rechte der Allgemeinheit hinter wirtschaftliche Interessen zu stellen.

heise, pic Stewsnews cc by nc sa

5 Kommentare

  1. Wie schön zwischen all dem unsäglichen Wahlkampfgeblubber von allen Seiten auch mal ein richtiges Statement zu hören. Dem kann ich nur zustimmen – und ich bin nicht eben der „war3z-dude“ aus Muttis Keller, sondern „besitze die Rechte“ (Pffff…) an weiss der Geier wievielen Tracks, Loops, Kits, Videoclips, ein oder zwei (eher drei) Open-Source Libraries und Anwendungen.

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  2. Was für ein Quatsch.

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  3. das kämpferische an dem beitrag gefällt mir sehr (und die tentakel!), aber ich sehe wirklich nicht ein, wenn sich jemand durch lohndumping (heise) bereichert. vielleicht nicht in gesetze pressbar, aber ein gewisses problem sobald geld im spiel ist, sehe ich bei der hilfe zur beschaffung schon. da geht es nicht um wissen oder geistiges eigentum, sondern eine kreation (filme, musik etc.) die eben auch geld einspielen muss (für die künstler, nicht für einen werbebanner-typen!).
    ist kipo unmoralischer, wenn geld dafür verlangt wird oder sich ein mittelsmann an der beschaffung beteiligt und bereichert?
    ist eine anstiftung zum mord genau so zu bestrafen wie ein ausgeführter mord?

    das man meines wissens nach probleme bekommt, wenn man auf einen blog verlinkt der auf wiki verlinkt welches wiederum auf eine australische sperrliste verlinkt, weiß ich (google nach „schutzalterblog + durchsuchung“). aber das man keine probleme bekommt, wenn man videos von frauen (oder männern oder trans*) verlinkt die heimlich (z.b. bei urinieren) gefilmt wurden oder wie zwei mexikaner absolut affektlos (seitens der mexikaner) mit einer kettensäge enthauptet werden, verstehe ich nicht! ich hab zwar etwas gegen den §131, wenn es um fiktive gewalt (battle royale ist beschlagnahmt) geht, aber davor wird man weniger geschützt, als vor anderen gefahren aus dem netz. vielleicht auch mal ein punkt für die piraten?

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  4. Ws hierbei zugrunde liegt, ist das Prinzip einer Besitzgesellschaft, in der Vergehen gegen Besitzrechte höherer Wert beigemessen wird als Vergehen gegen Personen.

    Die weitere Entwicklung dieser Rechtsauffassung zeigt sich auch in der Definition von Personen, welche „juristischen Personen“ -also unpersönlichen und biologisch nicht existenten Körperschaften“ höhere Rechtsansprüche zuerkennt als „natürlichen Personen“.

    Diese Auffassung wird deutlich sichtbar in der Verschiedenheit von Länge und Aufwand in jeweiligen Prozessen. Im Grunde hat hier, im bürgerlichen Recht, der Geldwertbesitz den zuvorigen Status-/Rang- und Grundbesitzstandard des Feudalrechts ersetzt.

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  5. Was ich hier vor mir sehe, ist mal wieder unser altes Problem, der Kapitalismus. An „Raubkopierern“ läßt sich einfach viel besser Kohle verdienen als an Mördern oder Kinderschändern. Dabei ist das Nachahmen und Kopieren der Motor der Evolution. Man stelle sich vor, auf die Erfindung des Rades gäbe es ein Patent. Mit was für Fahrzeugen führen wir dann durch die Lande? Letztendlich ist das Urheberrecht die Perversion des Fortschrittes, ja möglicherweise gar gleichzusetzen mit der Verhinderung von Fortschritt. Da wird, wie auch das Monsanto mit GENCODES (!!!) versucht, die ganze Welt als „Eigentum“ zu deklarieren, mehr oder weniger der zur Zeit bedauerlich erfolgreiche Versuch unternommen, mit völlig natürlichem Verhalten zu kriminalisieren und abzuzocken. Ohne Kapitalismus hätten wir derartige Probleme nicht.

    Mein ceterum censeo.

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