Wo uns die Informationsrevolution bereits überrollt

metal scrap

Haarsträubend viele unserer Mitmenschen haben noch nicht mitbekommen (oder verdrängen angestrengt), dass wir uns mitten in einer technischen Revolution befinden. So hart und laut wie die industrielle Revolution, nur schneller. Die Probleme sind entsprechend massiv, kommen aber aus einer ganz anderen Richtung als vermutet. Und wieder werden ganze Wirtschaftsbranchen annihiliert, und gesellschaftliche Konzepte in Frage gestellt.

Wir erinnern uns: Vor der ‚industrial revolution‘ wurde Arbeit nicht nach Stunden abgerechnet, sondern nach Lebenszeit, selten nach Jahren oder Projektdauer. Tagelöhner waren, mehr als heute, ein Nischenthema. Durch die fortschreitende Automatisierung wurde der anhaltende Arbeitskräftebedarf in Arbeitskräfteüberschuss verwandelt, durch Verlagerung der Produktion in Billiglohnländer wurden einstmalige Industrienationen zu Verwaltungsstandorten. Bis dann die Informationsverarbeitung auch den Bürostuhl auf die Abwärtsspirale von Rationalisierung und Massenentlassungen stiess. Das Konzept von Arbeit im Vertragsverhältnis zwischen Arbeiter und industriellem Verwerter verschwindet; Zeitarbeitsfirmen machen aus Arbeitskraft zeitgeistgerecht eine weiterverarbeitbare Information. Produkte verlieren ihre zentrale Funktion, Massenproduktion von Konsumgütern tritt in den Hintergrund, der behauptete Besitz an Geistigem wird zum Geschäftsmodell.

Nintendo beansprucht Werbeeinnahmen von Youtubevideos, wenn diese Nintendospiele zeigen (zB “Letsplay”-Reihe), was die Urheberrechte der Videouploader zugunsten der Markenrechte des Spieleherstellers verdrängt. Ferrero lässt die Fanseite “World Nutella Day” vom Netz nehmen, weil das Markenrecht auch hier in einen Alleinvertretungs- und Alleinnutzungsanspruch umgebogen wird, auf Kosten der Rechtssicherheit von Konsumenten und Kreativen.

Zwei kleinere Opferszenarien aus der heute tobenden Informationsrevolution. Die in immer massivere Besitzansprüche an Marken, Namen, Ideen übergehen werden, wenn wir uns dem neuen Geschäftsmodell multinationaler Konzerne nicht entgegenstellen. Im späten 20sten Jahrhundert kämpften wir gegen Umweltzerstörung durch gewissenlose Fabrikanten, heute müssen wir um so erbitterter gegen deren Griff nach allem Nichtmateriellen kämpfen. Wissen, Kultur, freie Meinung, Kreativität, unsere ganze Zivilisation steht vor der Privatsisierung. Wir können das verhindern, aber wir müssen das auch aktiv in die Hand nehmen. Ich bin dabei. Ihr auch?

pic Jjb@nalog cc by

12 Kommentare

  1. dabei!

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  2. Hat dies auf Ich sag mal rebloggt.

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  3. fand die Sache hier bei Heise auch krass – http://www.heise.de/newsticker/meldung/YouTube-stoppt-Online-Klavierunterricht-1866473.html – schlägt in die gleiche Kerbe…

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  4. ‚türlich

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  5. joinin‘ your course!

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  6. Das Bild ist doch von nem alten Fiesta ?

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  7. Das ist einer der Gründe weshalb ich Mitglied der Piratenpartei geworden bin!

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  8. Das Nintendo Beispiel ist aber ein echt schlechtes. Auf jedem Spiel steht auf der Packung dick und fett:
    „Keine Vermietung, Aufführung, Sendung“ oder ein vergleichbarer Satz.
    Das was die Let’s Play Leute gemacht haben war nach aktueller Rechtslage einfach nicht erlaubt, rein rechtlich gesehen können die froh sein so davon gekommen zu sein.

    Aber wie du schon sagst ist das ganze eigentlich nur ein Symptom die Zentrale Frage ist wirklich wie die Gesellschaft in Zukunft mit der Informationstechnik umgehen will. Dazu müssen wir uns Regeln überlegen wie alle Menschen fair und gleichberechtigt dran teilhaben und profitieren können.

    Um noch mal auf das Nintendo Thema zurück zu kommen, eigentlich ist das doch eine gute Lösung, schließlich gibt es echt viele Leute die Spiele (gerade Singleplayer) gar nicht mehr kaufen weil für sie es reicht das Let’s Play zu sehen. Vielleicht hätte Nintendo das etwas besser kommunizieren müssen und es nicht in irgend einem stillen Kämmerchen verhandeln sollen…. das war sicher nicht klug.

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    • Dochdoch, genau das ist das Problem. Nur weil etwas auf einer Packung steht, ist es ja noch nicht geltendes Recht. Das Urheberrecht wird zur Marktmonopolisierung missbraucht, den Bürgern werden heimlich Rechte weggenommen.

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      • Ich hab doch gesagt dass man für die Zukunft Regeln finden muss wie man das löst.

        ABER: Im Moment und schon seit gut 50 Jahren war das was die gemacht haben nicht erlaubt. Der Hersteller war sogar so freundlich den Konsumenten darauf hinzuweisen.

        Wenn man sich das so anschaut, hat sich da die Letzen Jahre nicht viel geändert (in anderen Abschnitten schon)
        http://lexetius.com/UrhG/52#2

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  9. „wenn wir uns dem neuen Geschäftsmodell multinationaler Konzerne nicht entgegenstellen“

    die entgegenstellung wird sich ganz automatisch einstellen

    keine arbeit -> kein geld -> keine nachfrage -> keine aufträge -> und so weiter, und so fort . . .

    der kapitalöismus ist erledigt.

    wie oft denn noch eigentlich? maschinen (oderprogramme) kaufen keine autos. keine kühlschränke, fragen keine dienstleistungen nach, spielen keine kostenpflichtige spiele, musik, schauen keine filme, brauchen kein internet, etwas zu essen, etc. etc. etc.(sowie alles das wofür bezahlt werden kann/muss/soll)

    informationsgesellschaft hin oder her, da wo immer weniger menschen zu immer geringeren löhnen beschäftigt und immer mehr in die beschäftigungslosigkeit entlassen werden brechen jedwede wirtschaftskreisläufe ganz zwangsläufig zusammen. ist doch nur eine frage der zeit.

    ach ja, und die urheber und rechteinhaber jeglicher colouer können sich selbstverständlich auch eine aufs maul hauen.

    müsste doch jedem BWL-verblödeten vom prinzip her bekannt sein.

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  10. […] siehe auch 11k2: Wo uns die Informationsrevolution bereits überrollt […]

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