Die Steam Machines, und warum sie unsere Welt verändern

dampfmaschine

Am vergangenen Freitag hat Valve die ersten technischen Daten der Steam Machines veröffentlicht. Und das war die Ankündigung einer Revolution. Wer’s nicht mitverfolgt hat:

Das sind PCs, oder Baupläne für PCs, die nächstes Jahr mit SteamOS-Linux und direkter Anbindung an die Steam Software-Vertriebsplattform auf den Markt kommen sollen. Die Gehäuse sind in der Grösse 30,5 mal 31,5 mal 7,4 cm geplant. Also fast quadratisch, wie ein Stapel Vinyl-Langspielplatten, oder zwei Pizzakartons aufeinander. In den 300 Geräten, die an Betatester ausgeliefert werden, stecken ausnahmslos neue Intel-Desktop-PC-Prozessoren aller drei Leistungsklassen (i3, i5, i7), 16 GB Ram, eine 1 TeraByte Hybrid-Festplatte (mit 8 GB Flashpuffer), ein 450-Watt-Netzteil und neue Nvidia-Grafikkarten (Titan, GTX780, GTX760, GTX660). Also im Vergleich ziemlich fette Geräte.

Die Steam-PCs kann man dann beliebig nachbauen (und verändern), das quell-offene Steam-Linux auch auf anderen Geräten installieren und von der Steam-Website heute schon Games und andere Software kaufen oder auch mal umsonst beziehen.

Was…. genau machen die Leute von Valve hier? Warum tun die das, und warum genau tun sie das?

Zunächst die Hardware: Der Hauptkonkurrent von Intel und Nvidia heisst AMD. Und dieser Konkurrent beliefert demnächst sowohl Microsoft als auch Sony mit seinen preiswerten, grafikstarken Chips für die nächste Xbox- und Playstation-Generation. Also müssen sich Intel und Nvidia richtig Mühe geben, um nicht den Anschluss an den wichtigen Gaming-Markt zu verlieren, und haben diese Chance auch genutzt, indem sie Geld und Entwicklerzeit in die Steam Machines investierten. Ob es irgendwann auch Steam Machines mit AMD-Bauteilen geben wird, wissen wir heute nicht.

Dann das Konzept: Valve besitzt die wichtigste Spiele-Vertriebsplattform (Steam) und kann mit einem eigenen Betriebssystem und der dazu gehörigen Hardware ein vollständiges System aufbauen, das leistungsfähiger, offener, erfolgreicher als die „alten“ Videospielkonsolen ist. Wem kommt das bekannt vor? Genau – in sehr einfachen Worten könnte man sagen: „Valve ist das neue Apple“.

Letztere schafften es unter Leitung von Steve Jobs, vom Spezialisten-Computerhersteller zum weltgrössten Musikvertrieb mit Hardware (iPod) und danach zum profitablesten Notebook- und Smartphone-Anbieter zu werden. Valve wird den nächsten Schritt machen und mit Spielen und anderer Software in einem eigenen Ökosystem (Hard- und Software) zum Umsatzsieger des Jahrzehnts werden. Das wird nicht nur auf Kosten von Apple gehen, die den Anschluss an Unterhaltungssoftware (also Games) ziemlich verpasst haben, sondern auch Microsoft und Sony als Konsolenhersteller, und dazu Microsoft als Betriebssystem-Ex-Monopolist schwächen.

Das Steam-Linux wird übrigens in naher Zukunft auf allen Tablets laufen, macht also die neue Spielplattform Nummer Eins mobil. Das krempelt alles um, und auf der Gewinnerseite stehen diesemal auch wir, die Konsumenten, Gamer, Computernutzer. Je weiter das relativ robuste Linux-Betriebssytem verbreitet wird, desto weniger haben NSA und BND zu melden. Allein dafür sollten wir Gabe Newell und den guten Leuten von Valve dankbar sein. Richtig: Das ist der lang erwartete Durchbruch für Linux. Ich werde jedenfalls SteamOS mit seinem riesigen Spieleangebot so schnell wie möglich ausprobieren.

Hier ist der Link zur Steam Machines Ankündigung. Das Pic oben zeigt eine, tja, Dampfmaschine (Steam Machine) von Huhu Uet cc by sa.

steam logo 460

6 Kommentare

  1. Naja mal sehen ob alles so schön kommt. Erwartet mal als erstes recht schnell syteme mit AMD teilen, einfach weil die günstigere teile Produzieren.

    Dann ist der Preis doch wahrscheinlich immer noch recht hoch weil Wenn die Box sehr subventioniert wird werden wohl die meisten die holen und doch als desktop nutzen und dann wahrscheinlich auch mit windows weil sie da alles kennen und steam ja auch immer noch läuft.

    Und ob Valve keinen druck von nsa usw bekommt türen offen zu lassen oder so muss man auch abwarten. Wobei sollte jeder das bs patchen können wäre es kein thema aber ich denke sowas wird in apple tradtion alles unterbunden, wegen RAUBKOPIEN, CHEATERN, …

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    • Schon vergessen, dass DRM per Definition NIEMALS funktionieren kann? ;)
      Wenn die sich bisher einen vorlügen konnten, dann schaffen sie es auch weiterhin. So lange die Koksjesus-Quelle nicht versiegen wird…

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  2. Grausam böser Vergleich.
    Ja, Valve nutzt DRM, Copyright und dergleichen, und gehört damit genau wie Apple zum organisierten Verbrechen und ausgewiesen (am besten vom Planeten Erde, auf dem sie sich moralisch ja eh nicht mehr befinden).

    Doch ansonsten ist die Steambox doch wohl eher das Anti-Apple-Gerät das nicht aus dem bösen Paralleluniversum stammt.

    Was ich mich frage ist aber, wie die mit so stark variierender Hardware die Publisher (die eigentlichen koksnasigen Verbrecher) ins Boot holen wollen?
    Ich meine der ganze Sinn einer Konsole ist doch gerade die Monokultur, die Publishern das Leben einfach macht!
    Nicht dass das was gutes wär… Aber so lockt man doch keinen Konsolenpublisher oder -spieler hinter dem Ofen vor…

    Das könnte der ansonsten bis auf die DRM-Massenkinderraubmordterrorismusvergewaltigungskrätze ganz schönen Idee das Genick brechen!

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  3. Fritz, du hättest dir Linux vieleicht msl genauer anschauen sollen, bevor du schriebst, dass die NSA und der BND da nix mehr zu melden hätten.

    Standardmäßig enthält der Linux-Kernel immer noch SELinux. Was ganz offen direkt von der NSA entwickelt wurde!!
    Und diverse Hash-, Zufalls- und Verschlüsselungs-Algorithmen wie AES, nichtelliptisches Diffie-Hellman u.s.w, die standardäßig benutzt werden, und von der NSA gezielt unsicher designt wurden.

    Klar, Windows, iOS X(, Android) und dergleichen haben das auch und noch viel mehr, aber standardmäßig ist Linux deswegen leider kein Bisschen sicherer.

    Und ich hab noch nix gesehn, was alle NSA-Änderungen wieder rauspatcht. (Ihr?)

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    • Du hast auch noch nix gesehen was für absichtliche Fehler oder backdoors sprechen würde, noch haben es die zig kernel Entwickler.

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    • AES und nichtelliptische Algos sind Die Guten[tm], sofern ich Bruce Schneier da richtig verstanden habe. Auch, wenn Diffie-Hellman nicht mehr der alleraktuellste und sicherste Key ist. Was aber schon vor Snowden bekannt war. Und was die NSA-Änderungen „herauspatchen“ betrifft: dann kompiliere deinen Kernel halt selber. SE-Linux kannst du dann komplett draussen lassen (benutzt eh kein Mensch) und wenn du wirklich paranoid bist, lässt du nur Crypto per Blowfish und Twofish zu.
      Von weiteren „NSA-Änderungen“ wäre mir nichts bekannt – und ich wette Stein und Bein, dass man Thorvalds bis zum Mond hätte fluchen hören, wenn man ihm mit so etwas gekommen wäre.

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