Offener Brief an Thomas Elbel: Warum Filesharing nicht böse ist

Der Berliner Rechtswissenschaftler und Fantasy/SciFi-Autor Thomas Elbel schrieb diesen lesenswerten offenen Brief an den bekannten Technikblogger Lars Sobiraj, in dem er sich beklagt, dass Leute seine Bücher umsonst herunterladen und lesen. Ohne ihm einen einzigen müden Euro zu geben, so dass er mit seinem dritten, selbstveröffentlichten Buch so viel Verlust gemacht habe wie ihm seine ersten beiden, verlagsveröffentlichten, zusammen eingebracht haben. Das ist bitter. Aber weil Thomas vernünftig und ohne ideologische Verzerrung argumentiert (anders als, hrm, Sven Regener), so dass wir nach einem, in ruhigem, freundlichen Ton geführten Facebookchat vereinbart haben, uns auf ein Bier zu treffen, wenn ich nächstesmal in Berlin bin, antworte ich auf seinen Blogbrief mit diesem hier.

Lieber Thomas, liebe Autoren, die ihr eure Existenz durch “das Internet” bedroht seht. Ich will im Folgenden versuchen, euren Denkfehler (ja, da ist einer) aufzuklären und gleichzeitig zu beschreiben, wie wir alle aus diesem Schlamassel wieder rauskommen (und wie nicht). Also:

Thomas Elbel erzählt, dass er nach zwei Verlagsveröffentlichungen wegen unbefriedigender Verkaufszahlen beschloss, das dritte Buch selbst zu veröffentlichen. Dadurch hatte er Kosten für Covergestaltung, Lektorat, Bestellung der ISBN-Nummern, technische Vorbereitung für Ebook und Print-On-Demand, Werbung. Und das alles, nachdem er den Roman fertiggeschrieben hatte, versteht sich. Der Verlust (Einnahmen der ersten 2 Monate, minus Ausgaben) beträgt 3500 Euro. Wer ist schuld? Die Downloader?

Nein. Sorry, aber “schuld” am Verlust ist zunächst mal Thomas. Weil er die Seiten gewechselt hat und zuerst Autor, dann aber Kreativunternehmer war. Als Unternehmer trägt man aber das Risiko, dass im worst case die Erstkosten nicht mehr reinkommen. Wobei wir da noch ein Jahr warten sollten, oder theoretisch (so stehts im Urheberrecht) bis 70 Jahre nach dem Tod von Thomas. Glücklicherweise hat Thomas einen Dayjob als Professor, muss also jetzt nicht hungern.

Der Denkfehler ist, dass wir an das vereinfachte kapitalistische Wirtschaftsmodell glauben: Ich biete eine Ware zu einem festen Preis an, und wenn ich damit keinen Erfolg habe, sind die anderen schuld. Stimmt natürlich nicht. Aber ist es denn nicht unethisch, die Früchte einer kreativen Leistung einfach so zu geniessen, ohne ewas dafür zu bezahlen? Nein, ist es nicht. Wir, die Bewohner der westlichen Industriezivilisation, haben uns nur gedanklich dem Statute of Anne von 1710 angeschlossen, in dem das britische Handels- und Herrschaftsimperium definierte, dass man Bücher nur dann kommerziell veröffentlichen (verkaufen) kann, wenn man sich als Publizist registriert hat (was einen unter die Kontrolle der staatlichen Zensur stellt) und dem Autor etwas bezahlt. Die Schutzfrist betrug damals übrigens nur 14 Jahre. Und es handelt sich hier um eine Festlegung, die in dieser Form zunächst nur in Britannien vorhanden war – während etwa in Ostasien ein völlig anderes Verständnis von Urheberschaft und Verwertung besteht.

Und was ist mit der nichtkommerziellen Verbreitung? Auch wenn uns Verlage und Konzerne weismachen wollen, dass jede nichtkommerzielle Weitergabe mit einem Nichtverkauf, also einem Diebstahl in Höhe einer Buchung in der Zukunft gleichzusetzen ist (was jeder nach nur kurzem Nachdenken als Unsinn erkennen kann), gibt es auch und gerade in der westlichen Industriegesellschaft mehrere gut funktionierende Modelle für nichtkommerziellen Verbreitung, die zum Lebensunterhalt des Urhebers wesentlich beitragen können.

Als in den Nachkriegswirtschaftswunderjahren die ersten Tonbandgeräte auf den Konsumentenmarkt kamen und damit jedem Gerätebesitzer die Weiterverbreitung von Musik- und Sprachaufzeichnungen ermöglichten, verlangte die GEMA ursprünglich eine Einzelabrechnung. Das heisst, du füllst ein Formular aus, mit allen von dir kopierten Tonaufzeichnungen, und bezahlst für jede eine Gebühr, die dann wieder zu Teilen an den Komponisten ausgeschüttet wird. Glücklicherweise hielt der damalige Bundestag das für nicht praktikabel und führte statt dessen die Pauschalabgabe auf Kopiergeräte- und Medien aller Art ein. Davon profitieren Urheber aller Genres bis heute. Ohne Einzelabrechnung.

Als der Rundfunk wirkliche Massenverbreitung erreichte, wurde eine Runduinkgebühr erhoben, aus der nicht nur die Sende- und Produktionskosten, sondern auch die Tantiemen für die Urheber bestritten werden. Zusätzlich entstanden privatwirtschaftliche Rundfunk- und Fernsehunternehmen, die sich ausschliesslich durch Werbung finanzieren – so wie es heute auch Internetradiosender (Streaming) gibt, die durch Werbung oder Abogebühren finanziert werden und an die Urheber Tantiemen auschütten.

Das Problem ist also einerseits, dass es keine Pauschalabgabe auf Internet gibt, aus welcher dann Urheber bezahlt werden können. Das Problem ist andererseits und grundsätzlich, dass die technische Revolution, in der wir uns gerade befinden – und deren kleineren Teil das Internet darstellt – physische Träger für Werke des geistigen Raums überflüssig macht. Und damit auch unbegrenzte nichtkommerzielle Kopien ermöglicht. Was kommerzielle Kopien ebenfalls überflüssig macht. In kalten, klaren Worten: Die Informationsrevolution macht das Geschäftsmodell der Verlage obsolet. Ebenso wie durch die industrielle Revolution in Form von Buchdruck, Schallplatte und BluRay ältere Wirtschaftsformen wie manuelles Abschreiben oder Geschichtenerzählen abgelöst wurden. Geht die Welt deswegen unter? Nein, sie ändert sich nur.

Lieber Thomas, ich möchte an dich daher folgende Bitte richten: Schreib weiter. Die Menschen lieben Geschichten. Geschichten machen glücklich. Und bitte veröffentliche weiter. Wenn sich kein Verlag findet, dann eben selbständig und im Internet. Als selbstproduziertes Epub oder PDF, auf deiner Website, mit der Bitte um eine Anerkennung deiner Leistung via Paypal oder Flattr (Ich werde das mit meinem ersten Roman so machen, aber der hat noch Zeit zu reifen). Wenn du allerdings unternehmerisch tätig werden willst, sei dir darüber im klaren, dass das in die Hosen gehen kann. Und wenn du deinen Roman auf der Pirate Bay findest, sei dir darüber im klaren, dass es sich hier um eine private Weitergabe handelt, nicht um einen Verlag, der gegen die “Statute of Anne” verstösst, und deren Nutzer nicht automatisch den von dir geforderten Preis bezahlen müssen.

Nein, der Künstler hat kein wie auch immer ethisch begründetes Recht auf Bezahlung pro Kopie. Die Gesellschaft hat andererseits eine durchaus ethisch begründete Pflicht, Künstler zu unterstützen – aber diese beiden ethischen Rechtgüter sind nicht miteinander verrechenbar, sondern lösen einander im besten Fall ab. Und ebenfalls nein: Die Informationsrevolution wird nicht wieder weggehen, und es wird nie wieder so sein wie in der goldenen Nachkriegswirtschaftswunderzeit. Das wiederum ist aber kein Problem der Technik, sondern eins des Kapitalismus. Letzterer hat erstere dazu benutzt, um noch mehr für sich selber aus dem Kucken rauszuschneiden, und genau da müssten wir ansetzen, um Urhebern zu einem Einkommen zu verhelfen, und aus dem eingangs erwähnten Schlamassel rauszukommen. Ein im Grunde strukturelles Problem also, kein juristisches. Aber dazu mehr in einem anderen offenen Brief.

13 Kommentare

  1. Jo-Jo … Pirate Bay betreibt „private Weitergabe“, hm, klar. Und ebenfalls sonnenklar: Ich werde meine Autowerkstatt nach getaner Arbeit nächste Woche auf die vollkommen normale und weit verbreitete Möglichkeit hinweisen, die „Bitte um eine Anerkennung [ihrer] Leistung via Paypal oder Flattr“ an mich heranzutragen. Ich seh sie schon vor Begeisterung auf und ab jumpen! Hurra, ein „User“ mit tollen innovativen Ideen!
    Sehr geehrter Herr Effenberger. Ist das alles wirklich Ihr Ernst?
    Erstaunt, verwundert, verwirrt.

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    • Schwer zu verstehn, ich weiss. Aber ich kann nicht helfen: Das ist nunmal die Gegenwart. Auf Pirate Bay wird weder bezahlt noch Werbung angezeigt, und manche Leute reparieren Autos als Hobby. Und alles dazwischen.

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      • Also: Natürlich wird auf Piraten Bay Werbung angezeigt! Und damit offenbar auch recht ordentlich verdient, etwa 5-6 Mio. pro annum, wenn ich mich recht entsinne. Und was das Bezahlen betrifft: Und wozu die Hinweise auf BitCoin und LiteCoin? Spenden wahrscheinlich … Ich vergaß …

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    • Äpfel? Birnen?
      Natürlich sind Verträge einzuhalten und bestellte Leistungen nach Erbringung zu vergüten.
      Aber jemand der ungefragt an meinem Auto rumfummelt und dann noch Geld von mir verlangt, darf nicht erwarten, dass er von mit etwas anderes als eine Anzeige wegen Sachbeschädigung und Betrug bekommt.

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      • Alles schön und gut.
        Was ich mich jedoch frage ist: Warum verfassen wir nicht einfach selbst (unsere eigenen) Geschichten, Gedichte, Erzählungen, Romane, und veröffentlichen die dann auf allen uns geeignet erscheinenden Kanälen unter einer der CC-Lizenzen oder am besten gleich ganz ohne alles, und begegnen all denen, die aus welchen Gründen auch immer meinen, Geld für ihr sogenanntes „Eigentum“ verlangen zu müssen, mit entspannter Nichtbeachtung.
        Dazu gehört selbstredend, dass wir auch ihr „geistiges Eigentum“ unbeachtet und unberührt lassen, zumal es in der Regel nicht interessant oder gut genug ist, dafür Geld auszugeben, für das wir verdammt hart arbeiten müssen. Zumindest die meisten von uns.
        Raus mit dem ganzen Kommerzscheiß aus unseren Tauschbörsen und Plattformen.
        Ich greif mal das Beispiel auf, Sgt. Grimes: genau wie ich nicht jedem x-beliebigen Hansel erlaube, ungefragt an meinem Auto rumzufummeln, verbiete ich den unverbesserlichen Junkies des alten Systems, sich weiterhin Zutritt in meinem Kopf und/oder mein Herz zu erschleichen. Ich will ihr Zeug nicht, und sollten sie sich nicht daran halten, hagelt’s Anzeigen wegen … ja, was? Belästigung? Ruhestörung? Stalking? Ich werde mal einen dieser Juristen befragen.
        Also: Einfach links oder rechts oder irgendwo liegen lassen, selbst schreiben, komponieren, inszenieren und dann teilen. Nur so wird da was draus.

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        • [ – Warum verfassen wir nicht einfach selbst (unsere eigenen) Geschichten, Gedichte, Erzählungen, Romane, und veröffentlichen die dann auf allen uns geeignet erscheinenden Kanälen – ]

          du bist wohl nicht sehr viel im netz – abseits der „offiziellen“ pfade und wege – unterwegs, oder wie?

          das netz ist voll von selbst geschriebenen geschichten, romanen, gedichten. voll von kunst, bildern, fotografien, musik und videos, voll von alternativen nachrichten (sendungen, blogs), programmen, spielen, vorlagen, etc. etc etc
          alles geschaffen von menschen denen es ein anliegen ist – denen es ein unbedingtes bedürfnis ist – sich auf irgendeine-weise der welt mitzuteilen. und das ohne erstgedanken daran mit ihren digitalem output kommerziellen erfolg (was allgemein dafür gehalten wird) zu haben.

          man muss alles nur finden wollen.

          leider wird diesen zeitgenossen aber einfach viel zuwenig anerkennung entgegengebracht (zB. durch eine kleine spende um zB. serverkosten bewältigen zu können), sie werden sogar oft verspottet, verhöhnt und vorgeführt nur dafür das nicht alles technisch super-perfekt, glänzend verpackt und mainstream-gebügelt ist.

          gerade diese getrieben menschen sind es aber die viel neues auf den weg und in die welt bringen im gegensatz zu den komerz-hackfresen die bestenfalls nur „aufgreifen“ (mainstream-veredeln) und wie wanzen das blut seiner wirte den (kommerziellen) erfolg ab- ein- und aufsaugen.

          es ist schade das heutzutage fast alles und jeder nur noch kapitalistisch-ideologisch-verseucht ist und nur noch diejenigen anerkennt die wege finden wie auch immer abzusahnen.

          man sehe sich nur mal im RL um.
          zB. die vielen vielen millionen menschen die sich kostenlos und ehrenamtlich sozial und anderweitig engagieren.
          von den einen (den sogenannten „oberen mittelständlern“) werden sie komplett für idioten gehalten (und teilweise ganz offen als solche behandelt) – und von den anderen – den regierenden und sogenannten eliten bestenfalls als beliebig zu missbrauchende und billigste arbeitskräfte-masse anerkannt sowie als kostenersparnis-masse betrachtet und ausgebeutet.

          da liegt der hund begraben.

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          • Das stimmt schon, ich war z.B. früher sehr viel in Kurzgeschichtenforen unterwegs. Da gab es manche Perlen, aber auch viel Mist. Wie überall eben.

            Ich sehe es aber auch nicht als „kapitalistisch-ideologisch-verseucht“, wenn jemand versucht, eBooks zu verkaufen. Im Gegenteil, wenn jemand, der von unten kommt und bisher seine Texte kostenlos ins Internet gestellt hat, mit seinen Selfpublishing-Titeln erfolgreich wird, es den „großen“ quasi mal zeigt, dann gönne ich demjenigen den Erfolg. Würde mir persönlich ja auch gefallen. Ein bisschen mehr Geld schadet nicht, vielleicht kann man sich ja doch noch irgendwann mal den Traum vom eigenen Haus erfüllen, muss nicht immer die billigste Karre kaufen, oder kann seinen Kindern ein gutes Studium finanzieren.

            Das Problem ist eben, dass die ganze Welt ringsherum „kapitalistisch-ideologisch-verseucht“ ist, denn sogar der Bäcker will Geld für seine Brötchen haben.

            Das Wort „absahnen“ trifft bei deutschen Autoren jedenfalls sehr selten zu. Aber ich denke, die Leute wissen einfach nicht genug über Autoren, haben da manchmal komische Vorstellungen. Im Prinzip sind es ganz normale Leute.

            Die Anerkennung, die ich jemanden gebe, dessen Buch mir gefällt – egal ob von einem Verlag oder nicht, gebe ich ihm dadurch, dass ich sein Buch kaufe. Die paar Euro tun mir nicht weh, da gibt es doch ganz andere Ärgernisse. Muss eine erfolgreiche Fußballmannschaft Xboxen für umme bekommen, während ein ganz normaler Mensch sich einfach nur darüber freuen würde, wenn man ihn für seine geleistete Arbeit auch bezahlen würde?

            Klar, natürlich könnte die Welt sozial viel gerechter sein, mehr wie in Star Trek beispielsweise. Ich würde aber nicht damit anfangen, indem ich darauf pfeife, ob Menschen gerecht bezahlt werden. Schau doch mal, wie der Reichtum in der Welt verteilt wird. Da muss was getan werden, oder? Und Autoren können dabei helfen.

            Der Vergleich mit den Ehrenamtlichen ist gut. Du hast den Hund wirklich gut ausgegraben. Aber es sind auch diejenigen, die versuchen, sich und ihrer Familie das Leben ein klein wenig besser zu machen, indem sie ein eBook zum Verkauf anbieten. Du kennst die Menschen hinter dem Buch nicht. Vielleicht sind sie auch noch nebenbei ehrenamtlich tätig. Werden dafür verspottet, wie du schreibst, dann noch dafür, dass sie ihre Texte einst kostenlos angeboten haben, und jetzt dafür, dass sie ihre eBooks verkaufen wollen.

            Ich fand es jedenfalls nicht schön, wie Thomas Elbel verhöhnt wurde. Hat er den Spott wirklich verdient, und nur weil er mit seiner Arbeit gerne Geld verdienen würde? Macht ihn das automatisch zu einem schlechteren Menschen?

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  2. Das alles erinnert mich an die gute alte Zeit. Müsste man mal analog auf Schreiberei, Film und Fernsehen übertragen.

    Rip, mix, burn, baby! Wir brauchen Vertreter der alten Welt aber gar nicht. Hah.

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  3. Meiner Meinung nach sind die Preise für seine eBooks zu hoch.
    Bei ca. €8,50 für die ersten Bücher und ca. €4 für das Neue zeigt das erstmal ein unsinniges Verhältnis und ist für einen unbekannten Autor zu hoch.
    Denke mal bei €1,50 für die alten und €3 für’s neue würden wesentlich weniger sich die Mühe machen einen „alternativen“ Download zu suchen.
    Dafür würden aber wesentlich mehr sagen „was soll’s – einen Versuch ist es wert.“ Und wenn er Qualität geliefert hat, braucht er sich in Zukunft keine Sorgen mehr machen.

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  4. Jetzt mal unabhängig davon, daß es hier um Buchwerke geht, kann ich nur nochmal bestätigen, daß die Verfügbarkeit von Testexemplaren wichtig ist. Ich habe schon einige Softwareprodukte „raubmordkopiert“, sie mir angeschaut, und gemerkt: ja, damit kann ich was anfangen. Und hab mir dann legal das Original gekauft. Ohne diese Erfahrung hätte ich das Produkt niemals bezahlt. Genau so verhält es sich mit Musik und Büchern – eine Musik, die ich nicht kenne, kaufe ich nicht. Ein Buch, in das ich nicht reinschauen konnte, kaufe ich nicht. Ich denke, das ist üblich so. Es gibt einige Künstler, die möchten nicht, daß ihre Werke „rumgereicht“ werden. Die dürfen sich aber auch nicht darüber beschweren, daß ich keine Werbung für sie mache.

    Gruß

    Thomas

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    • Jetzt aber mal auf dem Boden der Tatsachen bleiben, denn egal, wie man nun zum Thema steht, die Fakten sollten schon stimmen.
      Sie schreiben: „Ein Buch, in das ich nicht reinschauen konnte, kaufe ich nicht. Ich denke, das ist üblich so.“ Kann man nachvollziehen; wahrscheinlich ist das dann auch der Grund, warum z.B. im iTunes Bookstore rund 30-50 Seiten zum Anlesen geladen werden können. Ich vermute, Mitbewerber machen es ähnlich. Und das sollte dann doch reichen für eine Kaufentscheidung, ist es doch viel mehr als das, was der normale Mensch in einer Buchhandlung lesen kann.
      „Es gibt einige Künstler, die möchten nicht, daß ihre Werke ‚rumgereicht‘ werden.“ Na ja, hineinlesen in eine angemessen umfangreiche Probe ist ja wohl was anderes als „Probeklauen“, oder nicht? Und nur weil ich neugierig bin: Dann schreiben Sie: „Die dürfen sich aber auch nicht darüber beschweren, daß ich keine Werbung für sie mache.“ Wer sind Sie denn eigentlich, dass es jemanden interessieren könnte, ob Sie persönlich Werbung machen oder nicht?

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    • Eine Software, die man über längere Zeit braucht, ist das eine. Aber ein eBook, das man nur einmal liest? Mich würde interessieren, wie viele ein illegal heruntergeladenes eBook kaufen, wenn es ihnen gefallen hat. Ich glaube kaum, dass das viele sind.

      Eine umfangreiche Leseprobe ist wohl bei allen eBook-Stores drin. Also mir reicht das.

      PS: Ich bin auch so ein böser Kapitalist, der eBooks verkauft. Meine Verkaufszahlen für den Januar: Eins. Ja, ich habe schändlicherweise sogar einen Beruf, bei dem ich etwas Geld verdiene. Also ein absolut geldgeiler Mensch bin ich.
      Komischerweise würden mich die, die mich kennen, völlig anders beschreiben. Auch diejenigen, die Bücher kostenlos laden und weitergeben. Ich verurteile sie nicht, und sie verspotten mich nicht. Ich kenne in meinem Bekanntenkreis keinen „Kostenlosleser“, der einem Autor mit solcher Häme begegnen würde, wie es Thomas Elbel geschah.

      Jeder muss aufs finanzielle achten, da sind sich die Autoren und viele ihrer Leser näher, als mancher es denkt. Und ein eBook kostet doch nicht die Welt. Sollte es zumindest nicht.

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  5. (…)
    Der Denkfehler ist, dass wir an das vereinfachte kapitalistische Wirtschaftsmodell glauben: Ich biete eine Ware zu einem festen Preis an, und wenn ich damit keinen Erfolg habe, sind die anderen schuld. Stimmt natürlich nicht. (Sagt er auch nicht. Dein Argument ist, wer Äpfel anbaut und keinen Erfolg damit hat, weil sie geklaut werden, ist selber schuld, hätte ja kein Unternehmer werden müssen) Aber ist es denn nicht unethisch, die Früchte einer kreativen Leistung einfach so zu geniessen, ohne ewas dafür zu bezahlen? Nein, ist es nicht. (Warum nicht?) Wir, die Bewohner der westlichen Industriezivilisation, haben uns nur gedanklich dem Statute of Anne von 1710 angeschlossen, (was ist Dein Argument? Ist es schon schlecht sich einer Idee gedanklich anzuschließen ) (…) dass man Bücher nur dann kommerziell veröffentlichen (verkaufen) kann, wenn man sich als Publizist registriert hat (was einen unter die Kontrolle der staatlichen Zensur stellt) ( historisch interessant, aber kein Argument für oder gegen Urheberrecht oder pay per copy).
    Und es handelt sich hier um eine Festlegung, die in dieser Form zunächst nur in Britannien vorhanden war – während etwa in Ostasien ein völlig anderes (welches?, wie ist es da heute?) Verständnis von Urheberschaft und Verwertung besteht (was hat das mit irgendwas zu tun?).
    Und was ist mit der nichtkommerziellen Verbreitung? Auch wenn uns Verlage und Konzerne weismachen wollen, dass jede nichtkommerzielle Weitergabe mit einem Nichtverkauf, also einem Diebstahl in Höhe einer Buchung in der Zukunft gleichzusetzen ist (was jeder nach nur kurzem Nachdenken als Unsinn erkennen kann)(warum?; Es geht nicht um jede, sondern nur um die weitergaben, die an statt eines Verkaufs erfolgen. Also nicht um das Leihen aus einer Bibliothek o. Dgl., sondern das Beschaffen, um zu lesen, ohne zu zahlen; außerdem ist das abkanzeln aller, die es anders sehen, kein Argument), gibt es auch und gerade in der westlichen Industriegesellschaft mehrere gut funktionierende Modelle für nichtkommerziellen Verbreitung, die zum Lebensunterhalt des Urhebers wesentlich beitragen können (Ja und, dann gibt es halt auch andere Modelle. Warum darf der Autor für sich nicht entscheiden, dass er nicht nur ein wesentlichen Beitrag haben möchte, sondern seinen gesamten Lebensunterhalt aus seinem Beruf und ausschließlich durch den Verkauf bestreiten möchte?).
    (…)
    Das Problem ist andererseits und grundsätzlich, dass die technische Revolution, in der wir uns gerade befinden – und deren kleineren Teil das Internet darstellt – physische Träger für Werke des geistigen Raums überflüssig macht (Früher war das Endgerät ein Buch. Heute kann es auch ein Datenträger mit einem Bildschirm sein. Das sind auch sehr physische Dinge). Und damit auch unbegrenzte nichtkommerzielle Kopien ermöglicht. Was kommerzielle Kopien ebenfalls überflüssig macht (Ein Buch kostet Geld. Zum lesen brauchte man ein Buch. Heute braucht man kein Buch,um etwas zu lesen,also kostet lesen auch kein Geld mehr. Ein schwaches Argument). In kalten, klaren Worten: Die Informationsrevolution macht das Geschäftsmodell der Verlage obsolet (Nein, du hast nur Begründet, dass es sich heute sehr leicht umgehen lässt).
    (…)
    Wenn du allerdings unternehmerisch tätig werden willst, sei dir darüber im klaren, dass das in die Hosen gehen kann. Und wenn du deinen Roman auf der Pirate Bay findest, sei dir darüber im klaren, dass es sich hier um eine private Weitergabe handelt (daführ fehlt in Deinem Brief jedes Argument), nicht um einen Verlag, der gegen die “Statute of Anne” verstösst, und deren Nutzer nicht automatisch den von dir geforderten Preis bezahlen müssen.
    Nein, der Künstler hat kein wie auch immer ethisch begründetes Recht auf Bezahlung pro Kopie (Auch dafür fehlt jedes Argument. Ich halte dafegen: ein Autor kann frei entscheiden, wie er vergütet werden möchte. Wählt er Bezahlung pro Kopie, ist das heute nicht so gut durchsetzbar, aber von seine Kunden zu respektieren.).
    Tut mir leid, in Bezug auf Deine Kernthesen, es gibt kein Recht auf Geld pro Kopie und raubkopieren ist private Weitergabe und OK, ist Dein Brief absolut inhaltsleer.

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