Der Buchmarkt löst sich bereits in Einsen und Nullen auf

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Und das auf Kosten der traditionellen Verlage, die auch in dieser Sparte verzweifelte Rückzugsgefechte führen. Der erfolgreiche US-Autor Hugh Howey rechnet uns vor, dass (in den USA, und bald auch bei uns) heute bereits die Hälfte der verkauften belletristischen Bücher eBooks sind. Von diesen werden nur noch etwa ein Drittel von den traditionellen Grossverlagen veröffentlicht – schaut man in die Bestsellerlisten, dann haben die einstigen Marktführer noch weniger zu sagen.

Es liegt in der Natur des digitalen Publishing, dass kleine, kleinste und gar nicht vorhandene Verlage (also Eigenverlag des Autors) hier flexibler reagieren können. Amazon alleine hat etwa halb soviele Veröffentlichungen wie die fünf grossen US-Buchverlage zusammen, kleine, unabhängige und verlagsfreie Publikationen machen hier rund die Hälfte aller Titel aus. Diese Entwicklung wäre ohne eBooks nicht möglich gewesen. Umgekehrt betrachtet, zeigen die Zahlen der letzten Jahre, dass durch die Informationstechnik und die ihr zu eigene extrem kostengünstige Güterdistribution Monopole der Analog-Ära geschwächt werden. Das beobachten wir übrigens in allen Sparten. Warum geht es dann in der Buchverlagswelt so schnell, schneller als bei Filmen, Musik, Games? Weil hier die Konkurrenz stärker ist und die Verwurzelung in der Popkultur schwächer. Ein Buchautor ist kein Popstar, er plärrt nicht aus dem Autoradio und schart keine Fangemeinde vor den Bildschirm oder die Leinwand. Bücher lassen sich weit weniger als Massenkultur vermarkten als andere Unterhaltungsmedien. Es kann also sein, dass wir in wenigen Jahren beim kollektiven Zusammenbruch einer einstmals gloriosen Branche zusehen können. Mit den zu erwartenden Begleiterscheinungen, nämlich extreme Lobbybemühungen bis hin zur Verzerrung unseres Rechtssystems, wie wir es schon im Fall des Leistungsschutzrechts erlebt haben, das ja das Zitatrecht als wesentlichen Bestandteil des Urheberrechts aushebelt. Der Buchmarkt wird sich trotzdem in Einsen und Nullen auflösen. Wie auch die anderen Unterhaltungsmarktsegmente. Daran werden die Monopolbemühungen der bisherigen Industrien nichts ändern können, sie machen es nur für alle Beteiligten schwerer.

Das vollständige statistische Material Howeys und seine Analyse findet sich hier: authorearnings, via io9

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