Geıstıger Diebstahl bei Kaffee und TV-Serien

keurig

Das Konzept “Geistiges Eigentum” wird derzeit immer weiter ausgedehnt. Warum auch nicht – es dient allerorten sichtlich zur Profitsteigerung, und niemand weiss so genau, was es eigentlich ist (Der Fachmann spricht hier auch von win-win). Also kann man es doch überall anwenden, nicht wahr? “Geistiger Diebstahl” dagegen geht noch einen Schritt weiter, hier geht es in aller Regel um nicht erfüllte, oder sich vielleicht einmal nicht erfüllende Erwartungen an zukünftige Profite. Mit diesem Trick versucht derzeit der Kaffeemaschinenhersteller und Lieferant von Koffeinbohnenprodukten Green Mountain Coffee Roasters (Handelsmarke Keurig, in Europa wenig verbreitet) sein künstliches Monopol zu sichern. Und zwar so:

Ähnlich wie bei Druckern (und den passenden Tintenpatronen) machen Hersteller von Kaffeevollautomaten für Kaffeepads tolle Zusatzumsätze mit den überteuerten Kaffeedrops für ihre Maschinen. Zu dumm, das auch hier findige Konkurrenzfirmen für preisgünstigeren (aber immer noch überteuierten Ersatz sorgen) und somit das wettbewerbsbehindernde Quasi-Monopol des Geräteherstellers unterlaufen. Keurig-Koffeinschleudern soll es deshalb künftig mit eingebautem Digitalen Restriktions Management (DRM) geben, damit der Automat nur noch mit den getaggten Original-Kaffeepatronen arbeitet. Ein Kopierschutz für Kaffeepads. Jede Umgehung dieses “Schutzes” (vor Wettbewerb) ist dann natürlich Kaffeepad-Piraterie übelster Provenienz und hat gefälligst von staatlichen Organen verfolgt zu werden.

Nicht weniger bizarr ist die entsprechende Forderung australischer TV-Sender (allen voran Murdochs News Corp), Australier polizeilich zu belästigen, die den in ihrem Land noch nicht erhältlichen Netflix-Service in den USA abonnieren und dann per VPN nach down under tunneln. Regionale Qualitätsmedien sprechen hier bereits von “Piraterie”. Zumindest solle man Netflix verbieten, an VPNs auszuliefern (wenn das geht). Was genau ist hier das Problem? Nationale Sender lizensieren TV-Serien und Filme, sehen sich aber vereinzelter Konkurrenz durch ebenfalls, aber an andere bezahlende VPN-Abonnenten ausgesetzt. Piraterie ist hier also bereits nicht mehr das umsonst ansehen oder gar privat weitergeben von Unterhaltsbewegtbild, sondern das bezahlte Nutzen eines Dienstes dafür aus einem anderen Land. So wie im obigen Fall das Benutzen von Kaffepads eines anderen Herstellers, zukünftig bei Umgehung der elektronischen Kaffeekopiersperre. “Geistiges Eigentum” ist, wie wir sehen können, inzwischen sehr deutlich zu etwas geworden, das weder auf Geistigem noch auf Eigentum beruht, sondern einfach ein behauptetes Monopol darstellt. Also?

techdirt: kaffee, australien

5 Kommentare

  1. Hat dies auf http://www.ne-na.de rebloggt.

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  2. [ Kaffeepads ]

    ist gerade das allerbeste bspl. für diesen ganzen quatsch. denn der erfinder von damals – in den 70zigern – bekam und bekommt einen scheißdreck für seine erfindung/entwicklung. und das obwohl er SÄMTLICHE beweise dafür besitrzt.

    gestohlen von – „nestle“.

    komme mir bitte mal einer mit piraterie, diebstahl geistigen eigentums und dergleichen etc, – ah, ist ja schon passiert vor ein paar jahren (sogar schon mehrfach) – ich machte denjenigen anwälten dann sehr sehr klar, und zwar äußerst glaubhaft – weil es auch so gekommen wäre – was mit ihnen passieren würde sollten sie es unbedingt darauf ankommen lassen wollen.

    und ja, es ist wirklich so – eigentlich bin ich für leben und leben lassen . . .

    . . . will mir aber irgendjemand mein leben wegen ein paar nichtigkeiten und zum wohle ein paar geldgieriger drecksäcke das leben schwer machen . . .

    . . . so bin ich auch zur äußersten – wenn es denn unbedingt sein muss auch irringsten – gewaltanwendung bereit. und zwar bis zum exitus des betreffenden und wenn es denn sein muss auch seiner sämtlichen sippschaft mit dazu.

    das problem was wir haben ist schlicht und einfach gesagt (und ziemlich einfach zu verorten):

    „das nach oben bereitwillig gebuckelt und das nach unten ebenso bereitwillig getreten wird ganz nach dem kleine-feige-quiekende-schweine-prinziop.“

    solange es aber menschen gibt die sich solches – alles – gefallen lassen, braucht man sich nicht wundern wenn es andere menschen gibt die dieses unter allen umständen ausnutzen werden – solange ihnen keine grenzen gesetzt werden… .

    . . .und wenn es halt keinen politiker und keinen gesetzgeber dafür gibt (weil alle damit beschäftigt sind sich die taschen auf kosten anderer zu füllen) muss man es halt selber in die hand nehmen – mit allen dazugehörigen Konsequenzen.:

    natürlich muss man dann – wenn es mal soweit kommt – auf entsprechende drohungen auch entsprechende taten folgen lassen.

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  3. Klingt wie SCO vs. Linux, nur etwas anders, aber der Grundgedanke ist ziemlich ähnlich.
    Das Problem der linearen Fernsehanbieter ist, dass sie sich über Jahre geschlossene System geschaffen haben und davon ausgehen, dass der Zuschauer diesen Regeln zu folgen hat.
    Jetzt merken sie, das stimmt nicht, der Zuschauer hat sogar die Freiheit der Wahl, Globalisierung und so.
    Allerdings, wenn der Zuschauer in Australien nicht über VPN Netflix aus den USA schauen darf, warum darf dann ein US-Unternehmen ein australisches Unternehmen besitzen, dazu noch aus dem exakt gleichen Grund (nämlich weil es geht)?

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  4. Naja, Globalisierung ist ja schön und gut, Sachen von da kaufen, wo sie billiger sind / unter „lockeren“ Arbeitsbedingungen hergestellt werden – absolut akzeptabel, aber eben nur so lange es nur die Industrie und nicht der Verbraucher macht.

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  5. Ersetze Kaffeevollautomaten durch Drucker und es ist ein alter Hut (leider).

    Fehlt nur noch, dass Keurig mit anderen Herstellern eine Rechte-Verwertungs-Gesellschaft gründet, die dann erfolgreich einfordert, dass sämtliche Geräte, mit denen man Wasser warm machen kann, mit einer Abgabe belegt werden, weil man damit ja auch Kaffe aufbrühen könnte.
    Und auf Holz, weil man da ja Feuer machen kann mit dem man…

    Das Ganze am besten unter der Prämisse, dass man das ja an die armen Kaffeebauern abführen müsse weil die sonst grausam verhungern müssen…

    hm – hoffentlich lesen die das nicht *schauder*

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