Netzneutralität: Die Tech-Giganten wachen auf

castle_rushen

In den USA ist die Netzneutralität noch bedrohter als in Europa, wo das EU-Parlament klare Regeln für freien Wettbewerb festgelegt hat. Das unaufregend klingende Wort Netzneutralität beschreibt nämlich den bisherigen, aber bedrohten Zustand des Internet – Unternehmen, die Daten weitertransportieren (Internet Provider und Carrier), bekommen ihre Einnahmen heute von den Nutzern der Anschlüsse. Also sowohl von mir und euch als auch von Google und allen anderen Anbietern von „Inhalten“, also mehr oder weniger beliebten Webseiten. Nur:

Die Anzahl der möglichen Anschlüsse ist endlich, und die Marktsättigung ist bereits in Sicht. Das bedeutet: In diesem Bereich ist kein Wachstum mehr drin. Und auch die Nebengeschäfte der Datentransporter, nämlich Telefon und TV über Internetleitungen, bringen keine wesentlichen zusätzlichen Gewinne. Also kommen Läden wie die Deutsche Telekom auf die bewährte Idee, als Wegelagerer ein paar Dukaten extra zu machen: Sie versuchen, eine Art Zoll auf durchgeleitete Daten zu erheben. Zunächst von den grossen Web-Anbietern wie Youtube, und später dann auch von allen anderen. Wobei diejenigen Daten schneller durchgeleitet werden sollen, die bezahlen – und alle anderen gucken in die Röhre.

Diese Raubtierkommerzialisierung wird durch die sehr Telefon-und-TV-Firmen-freundliche Haltung der US-amerikanischen Regulierungsbehörde FCC (Federal Communications Commission) begünstigt. Bisher gabs da nur aus dem progressiven Flügel (Piraten und so) ernsthaften Widerspruch – aber jetzt haben über 100 US-Hitech-Unternehmen, darunter Google, Facebook, Twitter, WordPress und Amazon, der Behörde ihren Widerspruch gegen den Ausverkauf der Netzneutralität mitgeteilt. Das sollte einen Unterschied machen.

Noch deutlicher bringt es der der-Webhoster Neocities. Er hat die IP-Adresse der FCC demonstrativ für alle Zugriffe auf die Neocities-Homepage auf Analog-Modem-Geschwindigkeit 28,8 Kbps eingebremst. Und zwar solange, bis die FCC bezahlt. Den Nginx-Code für die Bremse hat der fortschrittliche Hoster auf Github untergestellt. Diese virtuelle Form einer Sitzblockade macht der FCC natürlich im Moment nicht viel aus, trägt aber auf jeden Fall zur Solidarisierung bei, gegen den Ausverkauf des Internet und für Netzneutralität.

bbc, ars technica, pic shazz cc by sa

1 Kommentar

  1. irgendwie muss der traum vom unendlichen wichstum doch aufrechtgehalten werden!

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