Linksextremismus, verzweifelt gesucht

WCWProtestor_with_GasMaskDem aktuellen Verfassungsschutzbericht zufolge ist die Anzahl der links­extremistischen Gewalttaten deutlich grösser als die der rechtsextremistischen sowie der von Ausländern verursachten zusammen. Dennoch gibt es so gut wie keine wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu linksextremer Gewalt, ganz im Gegensatz zu der von rechts. Das versetzte die Bundesinnenministerkonferenz so ins Nachdenken, dass eine Studie in Auftrag gegeben wurde, die nur einen niedrigen sechsstelligen Betrag kosten und in zwei Jahren fertig sein soll. Der Chef des Hamburger Verfassungsschutzamts, Manfred Murck, begründet das so:

„Der Staat sollte generell ein Interesse daran haben, zu verstehen, warum Leute gegen ihn protestieren.“

Glücklicherweise erklärte sich die national anerkannte Fachpublikation für Linksextremismus, 11k2, bereit, diese Fragen vorab und gegen Flattr-Spende in entsprechender Höhe zu klären. So forderte der Leiter der 11k2-Forschungs­abteilung „Politik und Gesellschaft“, F. N. Berger, die Verfassungsschutzämter auf, klarere Zahlen zu nennen: Wieviele Dönerbudenbesitzer wurden in den letzten Jahren von Linksextremen ermordet, wieviele Asylbewerberunterkünfte angezündet und kleinere ostdeutsche Ortschaften terrorisiert? Umgekehrt verwies der Experte darauf, dass bislang noch keine Zahlen vorlägen, um die Anzahl der von Neonazis angezündeten Unterschichtsautos oder die von Demonstrationen, etwa für Kernkraftwerke, Atomendlager, Eisenbahnmegaprojekte oder Kiezsperrungen Weggetragenen zu bestimmen, die damit unter gewaltbereiten, extremistischen Widerstand gegen die Staatsgewalt fielen. Auch verweist der 11k2-Forscher auf die vom interessierten „Staat“ bislang ungenutzte Möglichkeit, einfach beim nächsten Polizeikessel vorbeizuschaun und die anwesenden potentiellen Linksextremisten aller Altersgruppen direkt mal zu befragen, wo denn eigentlich ihr Problem läge.
Sobald diese Daten statistisch (nicht durch Abhören) erhoben seien, so die Extremismus-Koryphäe, erhalte man auch Klarheit darüber, dass es „Linksextremismus“ in der befürchteten Form gar nicht gibt. Den komplementären „Rechtsextremismus“ gäbe es übrigens auch nicht, sobald man die Budgets der Verfassungsschutzämter und damit ihre Bereitschaft zur bundesweiten Neonazi-Finanzierung zusammenstreicht („Win-Win-Situation“). Zuletzt ermunterte der bekannte 11k2-Fachautor die Verfassungsschutzchefs und ihre Mitarbeiter und Innenminister, mutig die in einer älteren Gesetzesveröffentlichung (a.k.a. „Grundgesetz“ vom 23. Mai 1949) beschriebene vom Volke ausgehende Staatsgewalt zu akzeptieren. Wenn das Volk einfach nicht will, dass irgendwo ein Bahnhof, ein Flughafen, ein Atomendlager gebaut wird, dann lässt man es eben. Setzt man ein solches Vorhaben im Sinne von Einzelinteressen mit (Staats)Gewalt durch, dann kommt es eben wenig überraschend zu Radikalisierung und Extremismus. Für weitere Fragen zum Thema hält diese Fachpublikation gleich unter dem Flattr-Button auch eine Kommentarfunktion bereit.

ndr, pic Andrew Selman cc by

2 Kommentare

  1. rechtsextremismus ist eben ein weitaus enger zu fassender begriff, das wollen die meissten einfach nicht verstehen. eigentlich fällt er nur auf unseren geliebten onkel adi selber zu.
    hingegen linksextrem ist schon der schaulustige der eine demo gegen staat betrachtet. ja so ist das.

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  2. Man muss es auch mal aus einer anderen Perspektive sehen: http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/torben-grombery/auf-dem-linksextremen-auge-blind-deutschlands-verfassungsschuetzer-gestehen-wissensluecke.html (ja, ja.. ich weiss… schon wieder Kopp-verlag, alles vor-verurteilte Neo-rechte-braunesoteriker ;-) …

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