ZTE Open C, mit Firefox OS, im wissenschaftlichen Selbstversuch

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Eigentlich brauche ich gar kein Smartphone. Bis ich dieses Teil im Ebay Direktshop für 59,99 € incl Versand bestellte, habe ich ungefähr 2 Jahre lang überlegt (nicht ständig, sondern ab und zu), ob ich mir überhaupt eins zulegen soll oder nicht. Die Entscheidung wurde mir erleichtert, als mein bisher benutztes, koreanisches, zusatzfunktionsfreies Taschentelefon auch nicht mal mehr telefonieren wollte. Nur: Eigentlich hatte ich keine Lust auf ein Gerät, dass ständig zu Apple, Google oder sonstwem nach Hause telefoniert, alle Passwörter, Verbindungs- und Standortdaten petzt und mich nochmal eine Ebene gläserner macht.

Also irgendwas mit Linux, oder? Das am weitesten entwickelte Smartphone-OS schien mir Firefox zu sein, also verglich ich die Testberichte des momentan besten Billigtelefons mit Firefox mit solchen ähnlicher Geräte. Fazit: Geht schon. auch wenn Android-Phones mehr App-Auswahl bieten. Das stellt für mich aber kein kaufentscheidendes Kriterium dar. Ich will telefonieren, mal ne Message verschicken, höchstens twittern. Selbst fotografieren und musikhören sind für mich optional. Und weil der Preis des Open C vor kurzem von 80 auf 60 Euro fiel, war die Wahl nicht mehr so schwer.

Zwei Tage später war das Ding da, natürlich in schwarz, mit 3/4 geladener Batterie, je einem Slot für grosse Simkarten (so dass meine antike Karte reinpasst) und einem für ne zusätzliche MicroSD, dazu Netzteil, USB-Kabel, Headset. Die vorhandenen Telefonnummern liessen sich problemlos von der Simkarte importieren, die Bedienung ist weitgehend selbsterklärend, das 4-inch 480 x 800 Display absolut ausreichend.

Natürlich sehen die Fotos der 3-MP-Kamera nicht toll aus (siehe unten), und manchmal reagiert es nicht gleich und man muss zwei mal wischen. Und das Gehäuse ist bis auf den seitlichen Metallrand pures mattschwarzes Plastik. Aber dafür kostet es mit Zubehör ja auch nur 60 altkontinentale Schleifen.

Und man kann für jede App das Weitergeben der Standortdaten abschalten. Das bedeutet, dass die Bösen mich nur per Funkzelle orten können, und nicht per GPS. Also auf einige Kilometer Genauigkeit statt auf einen Meter – zumindest ohne Triangulation. Bluetooth, Wlan, Internet, alles lässt sich einfach zu oder abschalten. Ich finde Firefox OS ziemlich sicherheitsorientiert. Und das ZTE Open C macht ansonsten seinen Job, ohne Abstürze bisher. Ich kann es also – mit den beschriebenen Einschränkungen – empfehlen.

pic oben trustedreviews. pics unten von mir cc by sa

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6 Kommentare

  1. ah kuhl. ZTE hat ma cisco-switche in den iran verkauft, was die ami’s wegen des embargos gar nich lustich fanden. ansonsten: glückwunsch. ein komplexes, technisches gerät für 60 kopeken … da hält sich die political correctness aber in chinesischen grenzen, was? da wurden die seltenen erden sicher mit guter alter kinderhandarbeit aus afrikanischen minen gebuddelt. ne nachhaltige produktion is für weniger halt nich zu kriegen :)

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    • Da hat Bruno einen Punkt, wie ich finde. Aber die einzigen, die meines Wissens da versuchen, einen Kontrapunkt zu setzen, sind die Jungs und Mädels von fairphone. Da muss noch viel Wasser die Wertach runterfliessen, bis sich das verbreitet. Knapp 50.000 Stück sind verkauft. Es kostet das 5-fache im Vergleich zu dem von Fritz…

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  2. Political Correctness kannste vergessen, sobald ein Akku irgendwo drin ist, oder ein Chip. Da dreh ich die Hand nicht für um. Das ZTE ist aber ein akzeptabler Kompromiss. Kein Fleisch essen und kein Smartphone haben macht einen nicht zu einem besseren Menschen. Man muss trotzdem jedesmal neu entscheiden, imho.

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    • „Kein Fleisch essen und kein Smartphone haben macht einen nicht zu einem besseren Menschen.“

      wieso nicht? nur weil es auch auf unsern lieben onkel adi zutraf?

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      • Nee, nicht deswegen. Und lieb war er auch nicht. Im Übrigen kann man nicht „keine Fehler machen“. Der kategorische Imperativ ist eigentlich ein kategorischer Konjunktiv, aber auch damit kann und soll man verantwortlich umgehn.

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  3. Meh. Das mit den Standortdaten geht auch mit Android. Da muss man kein solcher Masochist sein und sich eines von den bisher erhältlichen, brutal untermotorisierten Smartphones mit FFOS antun. Smartphones sind die nämlich auch. Nur arschlangsam dazu.
    Ebensowenig braucht man irgend etwas anderes mit Google zu „teilen“, wenn man Android nutzt und sich etwas Mühe gibt, darauf zu achten und auf eine gewisse Hinterhältigkeit seitens des Bösen Auges vorbereitet ist. Per Default sind nämlich alle Datenlöcher offen und bei den Updates sollte man auch aufpassen, dass dem so bleibt. Im Endeffekt reicht ein GMail-Konto unter Phantasienamen, das nur für den Appstore benutzt wird. Synchronisieren und „Cloud“-Sichern, kann man auch ohne Dritte: mit OwnCloud – und sogar einen FOSS-Appstore gibt’s (aus dem mittlerweile der Grossteil meiner benutzten Apps stammt) bei F-Droid (https://f-droid.org).
    Da herrscht meiner Meinung nach viel Hysterie und Hörensagen auf der einen und viel Leichtsinn und Ignoranz auf der anderen Seite.

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