Piraten und Kultur

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Der Vorstand des Landesverbands Bayern der Piratenpartei hat mich am letzten Wochenende zum Beauftragten fur Kultur und Urheberrecht berufen (Trommelwirbel, Blechblasinstrumente). Danke für das Vertrauen, lieber Vorstand des aktuell mitgliederstärksten Landesverbands. Hier ist meine Antrittserklärung, in der ich meine Einstellung zu Kultur und Kulturpolitik ausführe:

Kultur ist das, was uns am Leben hält. Also nicht Würstchen mit Senf oder Tomatenlasagne oder Mineralwasser mit Aspirin, sondern Dinge, die wir tun oder auch nur erleben, die uns einen Sinn vermitteln. Alle Menschen sollten was mit Kultur machen. Einfach weils gesund ist (so ähnlich wie Sport, nur mehr für die Seele als für den Körper).

Ich mach schon ziemlich lange „was mit Kultur“. Und schreibe drüber. Zur Piratenpartei bin ich übrigens vor 5 Jahren gekommen, weil ich nicht mit dem zunehmende Fracking des Urheberrechts einverstanden war. Dem Downgrading von Kunst und Musik zur Bananenlieferrepublik für Finanzjongleure. Und dem ganzen Rest.

Kultur hat unzählbar viele Formen und Geschmacksrichtungen. Aber aus der Sicht der Piraten ist das Allerwichtigste: Katzenbilder. Darum geht es eigentlich, wenn wir von Kultur sprechen. Und dann vielleicht noch: Killerspiele. Und, bereits deutlich weiter hinten: Bittorrent. So ist die Gegenwartskultur nunmal aufgestellt: Regenbogenfarbene Katzenchöre jonglieren mit flammenden Laserpistolen über die quelloffene Matrix in der schwebenden Space-Kathedrale namens Pirate Bay. Das mag man verstehen oder nicht, es ist trotzdem so.

Alle anderen Kulturformen sind natürlich auch ok. Schachspielen und James Joyce und die Höhle von Lascaux und Donna Summer und die Teletubbies. Alles roger. Wir finden das gut, dass jeder so sein eigenes Ding hat. Aber aus Perspektive der Gegenwartskultur, der mit lightspeed wandernden Raumzeitfalte des Jetzt und der Leute, die darauf surfen und zur politischen Vertretung ihrer Surftätigkeit eben die Piratenpartei gegründet haben, geht es eben um Katzenbilder.

Die Frage, die sich allerdings spätestens am nächsten Montagmorgen stellt, ist die nach der Verteilung des aktuell knappen Guts öffentlicher Finanzen. Kultur ist ja nett und alles, solange es dabei nicht um Geld geht. Und? Was und? Das hab ich doch schon weiter oben beantwortet. Es geht darum, dass alle Zugang zu Kultur haben, zur sinnstiftenden Quelle geistigen Lebens. Aktiv und passiv, als Ausübende oder Teilnehmende. Zuallererst in den Gegenwartsmedien, auf den Bildschirmen aller Grössen, und ebenso auf der Strasse und in der Nachbarstadt oder wo auch immer Leute sind, die ihre Kultur mit einem teilen möchten. Das bedeutet: Ja, ich habe gerade gesagt, dass wir (das Volk) weniger für Hochkulturobelisken ausgeben können, damit die Partizipation gefördert wird. Zum Glück sind Bildschirme nicht teuer, und sobald unsere Kids ab der dritten Klasse coden lernen, sind die Screens auch schneller gefüllt. Die ganzen vielfältigen Kulturformen für die unzählbaren Geschmacksrichtungen sollen natürlich weiterexistieren. Nur eben weniger gepimpt. Und weniger exklusiv, und leichter für alle zugänglich. Das wird natürlich keine gewaltsame Kulturrevolution und wir sollten keine Staatstheater anzünden oder ganze Sinfonie-Orchester zur Reisernte deportieren. Die Frage „Brot oder Kuchen?“ lässt sich erfahrungsgemäss nicht mit der Guillotine beantworten.

Kulturpolitik aus Sicht der Piraten heisst: Maximale Vielfalt der Formen und Stile, freier Zugang zu Wissen und Kultur, gerechte Kompensation für Künstler, Straffreiheit für Fans. Also Recht auf Remix. Recht auf Alles-Angucken. Recht auf die eigene geistige Leistung. Freiheit für die Kunst. Und das Wissen. Selbst auf die Gefahr hin, dass sich einige, im Vergleich winzige Wirtschaftsbranchen umorientieren und statt der Besitz- die Servicemetapher benutzen müssen. Das wäre kein zu hoher Preis. Im Gegenteil: Wenn Monopole fallen, nutzt das der Wirtschaftsentwicklung. Jedesmal wieder. Aber das nur der Vollständigkeit halber. Das Wichtigste, also die kulturelle Identität der Gegenwartskultur und ihr zentrales Symbol hatte ich schon betont, und will es abschliessend noch einmal tun: Katzenbilder.

Pic oben brimark cc by nc nd

nyan cat video von Prguitarman (Christopher Torres), Saraj00n und daniwell

1 Kommentar

  1. Gz! Mach was draus!

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