Suck The Balls!

„Suck The Balls!“ ist ein Kunstprojekt von Niklas Roy, in welchem 10.000 gelbe Tischtennisbälle (eigens für das Projekt von Pingxiang Zhongying Packing Co. Ltd., Jiangxi, China hergestellt) von einem handelsüblichen Staubsauger durch eine Anordnung aus durchsichtigen Kunststoffröhren gesaugt werden, um dann von Besuchern in Form einer Bälledusche wieder in den den unteren Auffangcontainer gelenkt zu werden. niklas roy via mefi

Neulich, gegen Hass und Rassismus

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In meiner Wohn-Schlafstadt gab es bisher keine Pegida- oder sonstige Islamhasser­umzüge; nur die üblichen Kleingruppen-Nazi-Auftritte. Trotzdem war das humorfreie Treiben in ostdeutschen Städten eklig genug, um auch hier, im ansonsten verschlafenen bayerisch-schwäbischen Prosperitätsgürtel Leute dagegen auf die Strasse zu bringen. Beim ersten Flashmob im Dezember etwa 200, beim zweiten am vorgestrigen Montag dann etwa 700 Teilnehmer (Polizei schätzte 400). Auffällig war die unter dem unverbrauchten Begriff AugeNauF breit aufgestellte, gut gelaunte antifaschistische Front, vom lokalen türkischen Kültürverein (der heisst wirklich so), über Linke, Piraten, Antifa, Attac, plus schwer zählbar viele linke/bunte Splittergruppen. „Neulich, gegen Hass und Rassismus“ weiterlesen

Warum ich stolz bin, Deutscher zu sein

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Es war etwas kompliziert, in einem Land aufzuwachsen, das den grössten Genozid und Brudermord der Geschichte begangen hat. Ohne sich wirklich davon zu distanzieren. Und statt dessen Mittäter des Dritten Reiches als Parlaments­abgeordnete, Richter, Offiziere, Geschäftsführer weiter in Ehren hielt. Und das bis zum heutigen Tag, an dem wir den 70sten Jahrestag der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee feiern.

Allerdings glaube ich, dass nichts Gutes dabei herauskommen kann, wenn man sein Land hasst, das, in dem man aufgewachsen ist, das einem eine kulturelle Identität gegeben hat. Für mich persönlich kam die Befreiung aus dieser Sackgasse mit dem Mauerfall. Obwohl – oder gerade weil – ich im Süden der Republik aufgewachsen bin, in der stumpf-weiss-blauen Heimatvertriebenenkultur der wirtschaftswunder-verliebten Nachkriegszeit, in der man als Kind durchaus auch mal angeschrien wurde, wenn man es wagte, Hitler zusammenfassend als Arschloch zu bezeichnen. „Warum ich stolz bin, Deutscher zu sein“ weiterlesen

Wie Japan den IS besiegte

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Der selbsternannte islamische Staat (ex-ISIL, wahrscheinlich nur so eine Art illegale Herrschaftsausdehnung Saudi-Arabiens, aber das muss sich noch zeigen) hat zwei japanische Staatsbürger gefangen genommen, und droht die beiden zu ermorden, wenn nicht rechtzeitig Lösegeld bezahlt wird. Die japanische Regierung will nicht mit Terroristen verhandeln. Viel Glück den beiden. Die japanische Internetbevölkerung tut inzwischen exakt das Richtige: „Wie Japan den IS besiegte“ weiterlesen

Retreat of the body horror

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Seit Dienstag hab ich mich ungefähr so gefühlt wie Grant auf dem Screenshot oben, aus „Slithers“. Ein übrigens sehr sehenswert trashiger B-Movie, mit Nathan Fillion als US-Kleinstadt-Cop. Nur waren in meinem Fall keine glibbrigen Alien-Parasiten die Ursache, sondern eine einfache Grippe mit Fieber, Kopfschmerzen und dem ganzen Programm. Aber das Pic drückt mein bis gestern abend deutlich zer-morphtes Körpergefühl aus. Klar, in einem solchen Zustand kann ich mich maximal zum Wasserhahn vortasten, zur Küche, wo die Orangen auf dem Kühlschrank liegen oder zur Flüssigkeitsrückgabe am anderen Ende des Flurs (der mir noch nie so lang erschien wie in den letzten Tagen). „Retreat of the body horror“ weiterlesen

Besorgte Pegida-Eltern im Politfasching

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In mehreren Bundesländern versuchen seit einigen Monaten nicht nur Islam-, Demokratie- und Pressefreiheitshasser, sondern auch selbsternannte Kinderschützer den politischen Schwerpunkt nach rechts zu verlagern. Mit dürftigem Erfolg. Die „besorgten Eltern“ wollen angeblich Sexualkundeunterricht in der Schule und ähnliche Monströsitäten verhindern, werden dabei von den selben Leuten unterstützt wie die Dresdner Ausländerhasser und deshalb von der Presse als „Pegida für die Schule“ betitelt. Auch in meiner schönen und nur ganz leicht verschlafenen Heimatstadt wollten die vor allem russischstämmigen Abendlandverteidiger mit mangelhaften Dativkenntnissen („Gebt die Kinder Zeit!“) ihre bizarren, sexualisierten, etwas ekligen Ansichten zu Kindheit und Schule verbreiten. „Besorgte Pegida-Eltern im Politfasching“ weiterlesen

Erika Sanada und die Angst aus der Kindheit

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erika_sanada_portraitSie sagte in Interviews, die Inspiration für ihre Werke (Keramik, glasiert) beziehe sie aus den Erinnerungen an ihre bittere Kindheit in Tokio, aus ihren nicht endenden Ängsten vor zahllosen kleinen Dingen und Möglichkeiten und aus Horrorfilmen, die sie gesehen hat. Die Filme halfen ihr, das Trauma ihrer Kindheit zu überwinden. Heute überwindet sie ihre Angst durch ihre Arbeiten. „Erika Sanada und die Angst aus der Kindheit“ weiterlesen

Für die Freiheit: Je suis Mia

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Mia Khalifa lebt noch, hat aber bereits Todesdrohungen erhalten. Weil sie aus dem Libanon stammt und beruflich erfolgreich ist: Das Erwachsenen-Unterhaltungs-Portal Pornhub erklärte die 21jährige nach nur dreimonatiger Branchenerfahrung zur Nummer Eins. Wenn Miss Khalifa gerne als Pornoschauspielerin arbeiten möchte, ist das ihre Sache. Kein Grund für Todesdrohungen. Selbst wenn sie den Anfang der libanesischen Nationalhymne „Koullouna lil-watan, lil’oula lil-‘alam…“ auf die Haut tätowiert trägt. Aber Moment, stecken dahinter nicht etwa die selben islamistischen Extremisten, die in Frankreich gerade 17 und in Syrien hunderttausende Menschen ermordet haben? „Für die Freiheit: Je suis Mia“ weiterlesen

Der Teletext im Ersten

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Noch ist nicht alles verloren: Der Teletext, seit 1980 zuverlässiges elektronisches Informationsmedium auch ausserhalb aller Sendezeiten, ist immer noch da. Sogar in diesem neumodischen Internet (eine vorübergehende Modeerscheinung, nächstes Jahr haben die jungen Leute wieder was ganz anderes), das ja ansonsten so unübersichtlich ist. Hm. Irgendwie rührend, dieser 8-Bit-Journalismus, nicht? ard-text

Je suis Raif

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Während sich in Paris eine Million und in anderen europäischen Städten immerhin Zehntausende Menschen versammeln, um sich völlig zu Recht mit den Opfern des Charlie-Hebdo-Anschlags zu solidarisieren und gleichzeitig für Meinungsfreiheit als unveräusserliche Grundlage von Demokratie demonstrieren, wird ein anderer Vorkämpfer für die Freiheit der Gedanken gerade von einem unserer Verbündeten zu Tode geprügelt. Der saudi-arabische Journalist Raif Badawi wurde im Mai von einem Gericht in Dschidda zu einer Strafe von einer Million Ryal (226.000 Euro), 10 Jahren Gefängnis und 1000 Peitschenhieben (die er wahrscheinlich nicht überlebt) verurteilt; die ersten 50 Schläge hat er am Freitag erhalten. „Je suis Raif“ weiterlesen

Die Chemtrails von Dammartin-en-Goele

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Vorgestern, am Mittwoch 7.1., stürmten zwei (oder drei?) maskierte Männer die Redaktionsräume des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo und erschossen dort die vier wichtigsten Karikaturisten des Landes und acht weitere Menschen. Nur eine Zeichnerin überlebte den Anschlag. Das Attentat wurde auf Amateur­/Handyvideos festgehalten, als die Schiesserei begann. Trotz Vermummung wurden die beiden noch am selben Tag identifiziert. Die professionell agierenden, also ausgebildeten Männer flohen mit einem Citroen, wurden allerdings in einer Kleinstadt kurz ausserhalb von Paris heute abend von der Polizei gestellt und erschossen. Im Fluchtwagen fand man den Personalausweis eines Täters. „Die Chemtrails von Dammartin-en-Goele“ weiterlesen

Adolf Hitler, die Bayerische Staatsregierung und das Urheberrecht

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Es ist 2015, das Jahr, in dem wir keine Ferien auf dem Mond oder dem Meeresboden machen können, wie uns das vor 50 Jahren versprochen wurde. Statt dessen tragen wir ein brieftaschengrossen flaches Gerät bei uns, mit dem wir von überall aus alle Bücher, Filme, Zeitungen der Welt ansehen und mit jedem anderen, der ebenfalls so ein Gerät dabei hat, sprechen oder Nachrichten austauschen können. Weltweit. Und alles, was wir mit diesen Geräten machen, wird von Geheimdiensten kontrolliert und aufgezeichnet. Eine seltsame Zukunft haben wir uns da zurecht gezimmert.

Mit dem Jahr 2015 endet ausserdem, wie sich manche unter uns erinnern, der nach internationalen Verträgen 70 Jahre über den Tod des Autors hinausreichende urheberrechtliche Schutz einer ursprünglich 1925 veröffentlichten, etwas wirren Propagandaschrift namens „Mein Kampf“. Ab 2016 dürfte also jeder das Pamphlet nachdrucken und verkaufen – zumindest, was das Urheberrecht betrifft. „Adolf Hitler, die Bayerische Staatsregierung und das Urheberrecht“ weiterlesen

Erneut Cannabis-Debatte in Deutschland

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Zur Zeit wirbt der deutsche Hanfverband wieder vermehrt für eine Ent­krimi­na­li­sierung und Freigabe von Cannabis. Anlass für den Aufschwung einer Diskussion sind die liberalen Entwicklungen in den USA. Dort sind nicht nur medizinische Hanfsamen sowie das konsumierbare Endprodukt in 23 Staaten mittlerweile auf Rezept erhätlich. In fünf Bundesstaaten der USA ist Cannabis sogar frei erwerbbar für alle ab 21 Jahren, und besteuert.

In Deutschland gibt es derzeit eine Trend-Umkehr im Cannabis-Konsum: Mehr Leute fangen wieder an, die Pflanze für den Rausch zu konsumieren. Eine Freigabe der Droge, also eine Legalisierung und Gleichstellung mit Alkohol und Tabak, würde dabei den Zugang nicht nur regulieren, sondern auch die Konsumenten entkriminalisieren. Dafür steht der deutsche Hanfverband. Auch die steuerlichen Einnahmen kämen dem Bund zugute: bei 6 Euro pro Gramm und einem 50%igen Steuersatz könnte das Land pro Jahr 1,8 Milliarden Euro Umsatz zusätzlich machen, so der Grünen-Bundestagsabgeordnete Dieter Janecek.

Aber nicht alle sind dafür. Gerade die Trend-Umkehr sollte ein Grund gegen die Legalisierung der Droge sein. Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, äußert sich vehement dagegen. Mit dem Anstieg der Konsumentenzahlen häuften sich auch die Menschen, die wegen ihrer Sucht nach Hilfe suchten, und eine Legalisierung von Cannabis, die meistkonsumierte Droge in Deutschland, würde das falsche Signal senden.

Mortler findet auch die Werbespots des deutschen Hanfverbandes nicht in Ordnung, denn auch die Organisation wisse, dass vor allem jugendliche Cannabis konsumierten und langfristig Schäden zu erwarten hätten. 7,8 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren haben bereits schon einmal Cannabis genommen, und 1,3 Prozent regelmäßig – mit aufsteigendem Trend. Psychische Nachwirkungen sind der häufigste Grund für eine Entzugstherapie.

Allerdings bleibt das Verbot trotzdem nicht besonders pragmatisch, denn auch Alkohol und Tabak sind bekanntlich nicht gesund und führen zu Schäden bei Jugendlichen. Gleichzeitig, so argumentiert der Deutsche Hanfverband, ist es ein Leichtes für Kriminelle, den Schwarzmarkt zu dominieren und schlechte Produkte auf den Markt zu spülen. Eine Freigabe, so wie sie in den USA derzeit etwa in Colorado aktuell ist, könnte zu einer besseren Aufklärung führen. Gesparte Gelder bei der Kriminalverfolgung könnten in die Suchtprävention und Therapie fließen, wird argumentiert.

Gastbeitrag (text+pic) von Wolfgang Schutz