Je suis Raif

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Während sich in Paris eine Million und in anderen europäischen Städten immerhin Zehntausende Menschen versammeln, um sich völlig zu Recht mit den Opfern des Charlie-Hebdo-Anschlags zu solidarisieren und gleichzeitig für Meinungsfreiheit als unveräusserliche Grundlage von Demokratie demonstrieren, wird ein anderer Vorkämpfer für die Freiheit der Gedanken gerade von einem unserer Verbündeten zu Tode geprügelt. Der saudi-arabische Journalist Raif Badawi wurde im Mai von einem Gericht in Dschidda zu einer Strafe von einer Million Ryal (226.000 Euro), 10 Jahren Gefängnis und 1000 Peitschenhieben (die er wahrscheinlich nicht überlebt) verurteilt; die ersten 50 Schläge hat er am Freitag erhalten.

Weil er ein Internetforum eingerichtet hatte, um dort über die Rolle des Islam in der saudischen Gesellschaft zu diskutieren. Und weil er eine Website der „Saudi-Arabischen Liberalen“ eingerichtet hatte (die sicherlich nichts mit unserer Mövenpickpartei zu tun hat). Raif ist also, ebenso wie Charlie Hebdo (für die sich das saudische Königshaus kondolierend ausgesprochen hat), ein Opfer der freien Meinungsäusserung. Mit dem Unterschied, dass der saudische Journalist von der Welt ignoriert wird, mit Ausnahme von Amnesty International und ein paar Aktivisten (und einzelnen Erklärungen seitens der EU und der USA, aber keinen Druck). Dazu ist das Wüstenkönigreich zu wichtig – als militärischer Aliierter, als Öllieferant und Waffenkäufer. Auch die Bundesregierung in Berlin will womöglich die im abgelaufenen Jahr unterschriebenen Waffendeals nicht gefährden. Soll Raif Badawi dafür geopfert werden? Nein. Je suis Raif!

amnesty, zeit

6 Kommentare

  1. Diese Strafe ist sehr milde in dieser „schlimmsten Diktatur der Welt“ wo Enthauptungen an der Tagesordnung stehen…

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  2. Schwer, das erklären zu wollen. Ich hatte es eben versucht und habs wieder gelöscht, weil es sinnlos war. Ich würde gerne jede Seele gerettet wissen, denn diese Liste hier lässt sich beliebig fortsetzen. Vielleicht tröstet es einfach ein klein wenig, dass zumindest ab und an etwas ins Licht rückt und zur Kenntnis, so wie dieser Tage.

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  3. „…zu wichtig – als militärischer Aliierter, als Öllieferant und Waffenkäufer….“

    Nuff said. Die bringen Kohle und Öl. Da muss man halt darüber hinwegsehen, dass das Hause Saud eine Ansammlung aus Kamel- und oder Kinderfickender Arschlöcher ist. Sorry, wollte sagen lupenreine Demokraten….

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  4. Ich stimme Dir hier vollkommen zu: Wir sollten dieses „je suis…“ als ebenso wichtig in die Öffentlichkeit bringen wie das für Charlie Hebdo – zumal ich recht sicher bin, daß Raifs Argumente insgesamt wesentlich weniger geschmacklos und provozierend waren.
    Wir sind ja noch so „frei“, daß unsere „politischen Unkorrektheiten“ nur zum Abwürgen des Druckers (wie bei mir z.Z.) oder des Computers (wie auch zuweilen) führt. Und wir protestieren für Rde- und Schreibfreiheit. Dazu hätte Raif viel mehr Recht.
    Aber was kann man erwarten von einer Haschemiten-Kamarilla, die für ihre alte Blutfehde mit allen Baath-Anhängern erst Bush junior zum Angriff auf Iraq, dann Obama zur Attacke auf Libyen und Syrien angestiftet, den dortigen „moderaten“ Insurgenten das nötige ‚Sarin‘-Gas (und anderes) geliefert, und auch noch ISIL versorgt hat?
    Was soll man von solchen Meuchellumpen (von Gottes – nein von GB und Frankreichs, später US Gnaden) halten? Und was kann man von dort erwarten? – Eben, was wir gerade besprechen.
    Und von unseren Polit-Eunuchen ist auch nicht viel zu erwarten.
    Wenn sie sich nicht einmal davon abhalten lassen, mit den Mördern von Kiev an einem Tisch zu sitzen, was denn….?

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  5. IHR WERDET ALLE GEFICKT

    [ 12. Januar 2015 um 14:22 Uhr

    Die gestrige Manifestation von Paris wird, so eindrucksvoll sie auch war, die Möglichkeit zur Sozial- und Medienkritik um Jahre zurückwerfen

    Verantwortlich: Albrecht Müller

    Es ist großartig, dass sich so viele Menschen gegen die Ermordung von 17 Menschen wenden und für Pluralität, für Pressefreiheit und Verständigung zwischen den Religionen eintreten. Ich habe das Geschehen und die mediale Behandlung gestern und heute nicht mit Genugtuung und Bewunderung verfolgt, sondern mit Sorgen. Die Überschrift eines ersten Textentwurfs von gestern lautete: „Vom schamlosen Missbrauch der Morde von Paris durch Politik und Medien.“ Jetzt will ich den unterlassenen Einwurf mit einigen kritischen Fragen und Feststellungen nachholen. Albrecht Müller.

    1. — Die westliche Politik nutzt das Verbrechen, um ideologisch aufzurüsten: die Morde waren ein Anschlag auf unsere „Werte“, auf die Freiheit und insbesondere auf die Pressefreiheit, auf die Demokratie. – Damit wird vergessen gemacht, wie wertlos, wie wenig orientiert an Grundwerten der Menschlichkeit und Brüderlichkeit die Politik geworden ist. Es wird vergessen gemacht, dass es die vielbeschworene Wertegemeinschaft gar nicht gibt. Wo ist denn die Brüderlichkeit bei der Übertragung der sogenannten Reformpolitik auf Griechenland und andere Länder? Wo ist denn die Brüderlichkeit im Umgang mit den Menschen in Staaten, die der Westen destabilisiert hat? Wo ist denn die Gerechtigkeit geblieben? Und wo ist die Freiheit in Guantanamo geblieben? Und an vielen anderen Orten der Welt?

    2. — Die Überschriften und Botschaften lauten wie gestern in der Tagesschau/Tagesthemen: „Gemeinsam gegen den Terror“, „Die Welt rückt zusammen“; in meiner Zeitung: „Europa vereint gegen den Terror“. Was bleibt als Hauptbotschaft bei solchen Schlagzeilen und den entsprechenden Berichten über: „Wir sind die Guten“. – Merken die Bewunderer der großen Solidarität von gestern nicht, dass hier zugleich die Sauce des Einvernehmens über die überall sichtbare Ungerechtigkeit und über Gängelung und Überwachung und auch über die gängige Korruption im Westen gekippt wird?

    3. — Sowohl in der Übernahme des Sprachgebrauchs – „Terror“ – als auch in auffallend oft hinterlassenen Bemerkungen zur angeblichen Notwendigkeit besserer Kooperation mit den USA und im Westen insgesamt muss doch klar werden, dass diese schrecklichen Ereignisse von Paris benutzt werden, den Schulterschluss zwischen den USA und Europa fester zu machen und überall einzuüben und in den Köpfen und Herzen zu verankern. Die Bild-Zeitung hat das ja schon am 9. Januar schamlos zum Ausdruck gebracht: „Zwischenruf zum Anschlag in Paris – warum wir die Überwachung der NSA gegen den Terror brauchen“. Und die europäischen Innenminister haben in den Gesprächen mit dem amerikanischen Innenminister in die gleiche Kerbe gehauen.

    4. — Der Kampf gegen TTIP und andere Vorhaben wird nach der einvernehmlichen Manifestation von gestern schwieriger. Da sollte man sich keine Illusionen machen.

    5. — Die Kritik am Umgang mit Russland in der Ukraine-Krise und die Forderung nach Strukturen der gemeinsamen Sicherheit in Europa einschließlich Russlands werden es viel schwerer haben. Der Widerstand gegen Krieg wird es schwerer haben.

    6. — Die Kritik an den zerstörerischen und menschenverachtenden Kriegen des Westens, der USA und der NATO – von Libyen über den Iran bis nach Afghanistan – wird es nach den gestrigen Manifestationen noch schwerer haben. Das haben vermutlich die meisten der Demonstranten nicht gewollt; aber so wird es kommen.

    7. — Die Kritik an der Geopolitik der USA (und des Westens) wird abprallen an der Solidarität der Europäer im Kampf gegen den Terror. Wer wird denn noch an Kleinigkeiten wie den folgenden von a bis g herummeckern, wenn es um das große Ganze geht? Hier ein paar Hinweise auf die „Kleinigkeiten“:

    a. — der Folterbericht – siehe unter anderem hier.

    b. — der Bericht über die Beeinflussung der internationalen Finanzmärkte durch den Präsidenten und seinen Zuarbeiter Mister Glaser: „Die Superwaffe des Mr. Glaser“

    c. — die Überwachung durch die NSA

    d. — die Verfolgung der Whistler-Blower, von denen ARTE letzthin berichtet hat.

    e. — die Ächtung Snowdens

    f. — der Drohnenkrieg

    g. — die Aktivitäten der US-Sondereinheit im Kampf gegen den Terror. (Terror, das ist der gleiche Begriff, der in den Berichten über die Demonstrationen von gestern gebraucht wird.)

    8. — Medienkritik wird schwieriger. Wir haben ja Pressefreiheit so der Gesamteindruck. Der Satz des früheren Gründungsherausgebers der FAZ Paul Sethe vom 5. Mai 1965: „Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten“, klingt wie die irrelevante Erkenntnisse lang vergangener Zeiten. Es ist ja auch nicht mehr nötig, solche Erkenntnisse zu haben, weil ja gar nichts im Argen liegt. Über 1 Million Menschen haben sich mit ihren Plakaten und Buttons „Je suis Charlie“ zu der Meinung bekannt, dass es hier einen Anschlag auf die vorhandene Pressefreiheit gegeben habe. Die Existenz von Charlie, die Existenz dieses kritischen Blattes wird als Existenz von pluraler Meinungsbildung gewertet. Das ist grotesk.
    Im Kapitel 21 meines Buches „Meinungsmache“ habe ich auf über 60 Seiten im Detail beschrieben, warum man davon ausgehen muss, dass die Medien als kritische Instanz verschwunden sind. Mit dieser Aussage würde ich bei den Teilnehmern der gestrigen Manifestation nur noch ungläubiges Kopfschütteln auslösen. Ja, „wir“ haken uns jetzt ein und marschieren so zusammen gegen die Zweifel an jeglicher Sozial- und Medienkritik. Aufklärung ist nicht mehr angesagt. Wir stehen zusammen!

    9 — Zur Vertiefung: Stellen Sie sich vor, morgen, am Dienstagabend zur üblichen Zeit würde die „Anstalt“ vom ZDF mit dem folgenden Programm daherkommen (ab Minute 37), also mit einer kritischen Würdigung des Wirkens einiger besonders einflussreicher Journalisten und ihrer atlantischen Vereinigungen – die Macher dieser Sendung und vermutlich auch das ZDF würden von der Politik als pietätslos und von den Medien als unkollegial und unsolidarisch mit „Charlie“ niedergemacht.
    Medienkritik ist stigmatisiert, das zeigt auch die zuvor eingeklinkte Illustration, die gestern die erste Seite der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung geziert hat. Aus dem Mund eines der Terroristen von Paris schallt der Ruf: „Lügenpresse!“. – Wehe, wir versuchen weiter die Glaubwürdigkeit vieler Medien zu hinterfragen. Die im Gegenangriff gebrauchte Assoziation steht.

    10 — Aufklärung auch im Sinne der Suche danach, was die Terroristen von Paris zu ihren Taten tatsächlich getrieben hat und welche sozialen Hintergründe es möglicherweise gibt, ist nicht sonderlich aktuell. Gefragt wird nicht mehr, nicht nach den Hintergründen, auch nicht nach den Ungereimtheiten. Wer in diesen herumrührt, stellt sich außerhalb der geschlossenen Reihen.
    Auf eine mir gestern begegnete Ausnahme will ich hinweisen und zugleich sichtbar machen, dass unsere Medienkritik keineswegs pauschal ist. Der Reporter der ARD in Paris, Matthias Werth, hat gestern neben vielem anderen immerhin auch geraten, sich über die Ursachen Gedanken zu machen und dem Sinne nach gefragt: Wie geraten junge Menschen in diesen Strudel? – Nach meinem Eindruck ist er mit dieser richtigen Frage ziemlich einsam.

    Es gebe noch viel anzufügen, manche Leser werden meine Anmerkungen hinterfragen. Warum nicht! Die NachDenkSeiten sollen ein Medium für Menschen sein, die sich noch eigene Gedanken machen. So ist es gedacht. Deshalb auch dieser Text. ]

    http://www.nachdenkseiten.de/

    von diesen signifikanten punkten mal abgesehen möchte ich jedem empfehlen auch die restlichen beiträge, anmerkungen und kommentare zum thema (und auch anderen) durchzulesen.

    die NachDenkSeiten sind eines der wenigen politischen seiten – mittlerweile mit einer gewissen bundesweiten reichweite und gewicht – die sich überhaupt noch kritisch mit unseren und anderen politischen, wirtschaftlichen und medialen dreckschweinen*** auseinandersetzen.

    (***ich schreib bereits mehrfach anderswo das ich diese gierigen, macht-geilen, gewissenlosen und über millionen leichen gehenden elemente nur mehr als solche (dreckschweine) bezeichnen werde, denn ich weigere mich schlicht und einfach sie weiterhin als menschliche wesen anzuerkennen)

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  6. Hat dies auf Attac Baden-Baden rebloggt und kommentierte:
    Raif Badawi, saudi-arabischer Journalist

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