Wenn ein fremder Stern durch unser Sonnensystem rast

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Die Sterne in unserer Milchstrasse bleiben nicht an festen Plätzen, oder kreisen wie eine Schafherde ruhig um das galaktische Zentrum, sondern bewegen sich ohne erkennbare Ordnung, manche auch auf einem Beinahe-Kollisionskurs.

Coryn Bailer-Jones arbeitet am Max Planck Institut für Astronomie in Heidelberg. Er beschäftigt sich dort mit der maschinellen Auswertung astronomischer Daten und dem Einfluss astronomischer Ereignisse auf die Erde, ihre Klima und die biologische Evolution. Aus den Daten des Hipparcos-Satelliten, der 1997 den Sternenhimmel kartografierte, berechnete Bailer-Jones die Möglichkeit von Beinahe-Begegnungen in der Vergangenheit und Zukunft; jeweils einige wenige Millionen Jahre weit.

Er fand, dass der orange Zwerg Hip 85605 in einer viertel bis halben Million Jahre immerhin bis auf 0,04 bis 0,2 Parsec an unsere Sonne herankommt. Das ist für astronomische Verhältnisse sehr nahe, und dürfte dazu führen, dass die Oort-Wolke, also der Kometengürtel unseres Sonnensystems weit ausserhalb der Pluto-Umlaufbahn deutlich gestört wird. Richtig, das bedeutet, dass sehr, sehr viele Kometen ins innere Sonnensystem abgelenkt werden und dort mit der Erde kollidieren können. Die nächste Beinahe-Begegnung dürfte dann erst in 1,3 Millionen Jahren fällig sein, wenn Gliese 710 vorbeischaut. Obwohl eine solche Beinahe-Kollision etwa 30.000 Jahre dauert, ist es wegen der hohen relativen Geschwindigkeit von 30 km/s und mehr ausgesprochen schwierig, dann zum neuen Nachbarstern hinüber zu fliegen. Die bisher schnellste Raumsonde New Horizons nähert sich derzeit dem Pluto mit 16,2 Km/s.

Der letzte Besuch dieser Art fand übrigens vor knapp 4 Millionen Jahren statt und löste mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Kometenregen aus, der aber heute nicht mehr nachweisbar ist. Da im vergangenen Jahr die ESA den Gaia Satelliten startete, werden wir bald genauere himmelskartografische Daten haben, um Zeitpunkte und Distanzen genauer berechnen zu können. Für den Moment kann man Entwarnung geben; jedenfalls was vorbeifliegende Sterne betrifft. Die Erstveröffentlichung dieser Entdeckung war übrigens bereits zu Anfang des Jahres, fand aber im deutsch­sprachigen Raum ausserhalb der üblichen Verschwörungs­seiten kein Echo.

Quellen: Max Planck Institut, space.com, new scientist

pic: phantom-seraph

3 Kommentare

  1. Da hast du mal direkt Voyager 1 vergessen.
    Aktuell bei 17,047 km/s.

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    • Flott, die alte Mühle. Würde zwar auch nicht ausreichen, aber wir haben ja noch etwas Zeit für die Entwicklung energischerer Antriebe.

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      • tja, würde man statt das ganze geld das man für kriege, menschengemetzel, staatendestabilisierungen, anfachung von umstürtzen, spionage und überwachung der bevölkerungen rauswirft (wenn schon) nur anteilsweise (sagen wir 1/4 des umfangs für die oben genannten posten) für entsprechende satelliten und „fernrohre“ wie zB. dem hubble-telescope ausgeben, dann wären wir schon extrem viel weiter mit unserem wissen und verständnis von welt und weltenraum.
        evtl. hätten wir sogar schon eine kleine mondbasis in betrieb.

        2 weitere 1/4 für ernstzunehmende forschung zum wohle aller menschen und den rest der kohle für die aufklärung gegen und – langfristig – für die geistige zerstörung aller religionen.

        und die „antriebe“ (zumindest in vorangeschrittenen entwicklungsstadien) hätten wir wahrscheinlich auch schon.

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