Recht auf Vergessenwerden, für Porno-Erpresser und Copyright-Bots

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Das „Recht auf Vergessenwerden“ ist einer der hilflosen Versuche, mit der unübersichtlichen Realität der aktuellen Informationszeit klarzukommen. Ein Recht auf „nicht in der Tageszeitung erwähnt werden“ gab es ja in der guten alten Industriezeit auch nicht. Prompt wird das Konstrukt der Hilflosigkeit missbraucht – und wir sollten den Missbrauchern irgendwie dankbar sein, dass sie uns die Sinnlosigkeit solcher Regulierungsversuche zeigen. Im einen Fall versucht Craig Brittain (pic oben), ein verurteilter Revenge-Porn-Erpresser mit Hilfe von Copyrightansprüchen nach dem US-amerikanischen Digital Millennium Copyright Act (DMCA) Google dazu zu bewegen, seine Machenschaften zu vergessen.

Er hatte sich aus dunklen Kanälen private Nacktbilder besorgt, sie auf seiner angeblichen „Revenge-Porn“-Webseite gepostet und anschliessend profitable Honorare für die Löschung verlangt. Natürlich laufen seine Forderungen gegen Suchmaschinenbetreiber ins Leere.

Die andere Version eines – hier automatisierten – Rechts auf Vergessen ist der millionenfache Löschanspruch angeblicher Copyrightbesitzer gegen Suchmaschinen und Online-Locker. Der deutschen Abmahnfirma Total Wipes Music Group gelang es, ihren Abmahnungs-Bot so schlampig zu skripten, dass alle Websites mit „Download“ im Text zur Löschung aus dem Google-Suchverzeichnis markiert wurden, darunter solche Piratennester wie Walmart.com und Ikea.com. Auch hier ohne Erfolg, und auch hier sehen wir, wie lächerlich das Konzept eines „digitalen Vergessens“ ist. In jeder Form.

Wir sollten endlich damit klarkommen, dass Informationen öffentlich sind, sobald sie öffentlich gemacht wurden. Das gilt für peinliche Details, begangene Fehler und Kinofilme gleichermassen.

Ars technica eins, zwei, pic via boingboing

3 Kommentare

  1. auch der wird irgendwann einmal vergessen.
    denn der alte blöde spruch von wegen

    „das internet vergisst nichts“

    stimmt hinten und vorne nicht. ich könnte mittlerweile ganze ehemalige alte quelle- und neckmann-kataloge (in der dicke) mit anfragen zu geschichtlich relevanteren themen (für die keinerlei oder nur mehr bruchstückhafte sowie kaum mehr zuzuordnende Informationen aufzufinden sind) füllen, als die porn- oder kleinkriminellen aktivitäten einzelner, absolut unwichtiger personen.

    was mich aber bei dir mächtig enttäuscht – obwohl auch du immer über die desinformationen mainstrem-medien herziehst, ist dein eklatanter mangel an recherche. denn wenn schon die eine seite herangezogen wird ihren senf zu einer person oder einem thema abzugeben (+ deinem kommentar), dann sollte man zumindest auch so fair sein die andere fraktion in eigenen worten zu hören/lesen (wenn eh schon vorhanden und ewig leicht zu finden):

    http://isanybodydown.com/

    [January 30, 2015

    Immediate Press Release/Open Letter
    Craig R. Brittain (Domain Owner of Is Anybody Down, 2012-2013)

    Before I get started,

    I want to apologize to those who were affected by Is Anybody Down?. I made a series of poor decisions, then tried to rationalize them, and made it even worse. I am sorry for the damage that I caused to everyone that ended up on my website. I am making amends at every opportunity. I regularly volunteer for, and donate to charitable organizations (I encourage you to do the same!).

    I ask for your forgiveness. What I did was wrong.

    With that said, let me clarify what actually happened with regards to Is Anybody Down, to set the record straight. ]

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    • Na gut mal,, dann lassen wir ihn mal verschwinden solange er sich nicht wieder danebenbenimmt. Einer der fragwürdigen „Fortschritte“ unserer Zeit ist ja die Lust an der Vergeltung für selbst die ältesten Fehltritte, was eben auch späte Rache oder Erpressung ermutigt. Hinzu kommt dann auch die Schwächung der Beweislast und des ‚In Dubio PRO Reo‘. Das frühere Verjährungsprinzip hatte schon auch gute Gründe.

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