Der Lausanne-Vertrag und der Frieden im Nahen Osten

Arab_League_-_Iran

Womöglich hat sich Barack Obama die Friedensnobelpreis-Vorschusslorbeeren von 2009 jetzt verdient, indem er für die politische Einigung mit dem Iran eine ausreichend grosse Lobby in den USA zusammenstellte. Selbst zum Preis eines vorübergehenden Bruchs mit der israelischen Regierung, was ebenfalls eine diplomatische Sensation darstellt.

Tatsächlich aber geht es hier nicht um die nukleare Abrüstung des Iran, sondern um das Errichten eines Kräftegleichgewichts im Nahen Osten (der im anglophonen Sprachraum „middle east“ heisst, der englische „near east“ heisst bei uns „Balkan“). In den letzten Dekaden setzte sich, immer mit Hilfe der USA, die saudi-arabische Monarchie mit ihrem sehr extremen, wahabitischen (oder salafistischen, oder islamistischen) Sendungsbewusstsein in Szene, exportierte die ultraextremistischen Nachwuchsislamisten nach der Besetzung der Großen Moschee in Mekka im Jahr 1979 als Al-Qaeda nach Afghanistan (einschliesslich des jungen Osama aus der einflussreichen Familie „bin Laden“) und bezahlte Waffen für den Islamischen Staat im Irak und der Levante (ISIL, heute IS) und andere Terror- und Bürgerkriegsgruppen in Asien und Afrika. Der Iran, ebenfalls von westlichen Geheimdiensten mehrfach von einer Hinwendung zur Demokratie abgehalten, bildet das einzige Gegengewicht zu Saudi-Arabien in der Region mit den weltweit grössten Ölvorräten. Durch ein diplomatisches Tauwetter ist es nun möglich, eine Balance herzustellen, ohne weitere Milliarden in eine US-Militärpräsenz zu pumpen. Und genau hier stellt Israel eine Nebenrolle. Ebenso wie übrigens der immer wieder angesprochene Konflikt zwischen Sunni (siehe Arabien) und Shia (siehe Iran), der letztendlich nur eine theologische Frage zum Inhalt hat (es gibt aber noch mehr islamische „Konfessionen“ oder Auslegungen). Nämlich ob die legitimen Nachfahren Mohammeds, also die Kalifen, in direkter Linie mit dem Propheten verwandt sein müssen (konkret: sein Schwiegervater und dessen Verwandte) oder nicht (präzise: sein Schwiegersohn und seine Amtsnachfolger). Nachdem heute aber exakt niemand mehr als Nachfahre Mohammeds (Friede sei mit ihm) gelten kann, ist die Frage eigentlich erledigt und ungefähr so wichtig wie das das große morgenländische Schisma von 1054, das die christliche Kirche in einen orthodoxen und einen katholischen Teil spaltete.

Ich betrachte jedenfalls die Annäherung zwischen 5+1 (UN-Sicherheitsrat + Deutschland) und dem Iran als grössten Durchbruch für den Frieden im Nahen Osten seit dem Ende des zweiten Weltkriegs. Salaam Aleikum allerseits!

pic arab hafez pd

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