Wenn bereits der Adel das Grundeinkommen fordert

Robert_Skidelsky_9_medium

Der britische Wirtschaftshistoriker Robert Skidelsky (bild oben), seit 1991 als Baron Skidelsky, of Tilton in the County of East Sussex Mitglied des Oberhauses, fordert im vom deutschen Wirtschaftsmagazin Capital zweitveröffentlichten Artikel „Mindestlohn oder Mindesteinkommen?“ für das Project Syndicate ein Umdenken. Er weist darauf hin, dass in fast allen reichen Industrienationen eine breite Schicht der „working poor“ („Prekariat“) entstanden sei, die vom Staat mit Steuernachlässen bezuschusst würde. Die verschiedenen Versuche sozialwirtschaftlicher Regulierung führten zum heutigen Modell des Mindestlohns, welches aber durchgehend und in jedem Fall ein Problem offen lässt:

In allen Ländern genügt der Mindestlohn nicht, um ein Leben in bürgerlicher Teilhabe zu führen oder eine Familie zu ernähren. Auch in Deutschland liegt das Mindestlohn-Nettoeinkommen nach Steuern und Sozialabgaben nur hauchdünn über dem Sozialhilfesatz („Hartz 4“). Im Vereinigten Königreich, so rechnet Skidelsky uns vor, fallen 38% der Haushalte in diesen Einkommenssektor. Er rechnet unter Berufung auf Kollegen weiter, dass eine Erhöhung des Mindestlohns von 6,50 (9,28 €) auf 9 Pfund (12,85 €) den Arbeitgebern Mehrausgaben von 4 Milliarden Pfund (5,72 Mrd €) bescheren, den Staat aber um 12 Milliarden (17,13 Mrd €) entlasten würde. Allerdings würde auch eine solche Umorientierung nicht zu einer bleibenden Lösung führen.

Der Grund ist die fortschreitende Automatisierung. Sie wird uns, wie man heute weiss, in 20 Jahren 50 % der Arbeitsplätze kosten; der Prozess hat bereits eingesetzt. Der Ausweg aus einer Entwicklung in die Massenverelendung ist daher das Mindesteinkommen, welches allen zur Verfügung steht, die Erwerbseinkommen erzielen können, das wirklich über der Armutsgrenze liegt. Ganz unabhängig davon, welche Vorbehalte man gegen ein solches Wirtschaftsmodell haben könnte, wir werden nicht umhin können, eine allgemeine, bedingungslose Existenzsicherung einzuführen.

project syndicate via capital, pic via robertsidelsky

7 Kommentare

  1. [ Der Grund ist die fortschreitende Automatisierung ]

    automatiesierung und retionalisierung.

    darf ich mal darauf hinweisen dass das genau die grundlagen waren auf die die arbeitszeitverkürzungen ibei vollem lohnausgleich n den 1980zigern zuerst diskutiert, dann erkämpft wurde, um diese dann anfang der 90ziger jahre zug um zug gesetzlich umzusetzen. bzw. diese an die produktivität langsam anzupassen.

    das war ja auch u.a. (nicht nur) der grund dafür das renteneintrittsalter mit verträglichern anpassungen herabzusetzen.
    nur wurde von der politik der hebel zum massenhaften missbrauch für die konzerne gleich mit-eingebaut und auch von ihr selber benutzt um zB. ältere staatsangestellte schneller los zu werden.

    tja liebe leutz, so alt ist das thema schon.

    nur wurde es von unseren scwharz-konservativen volksverrätern sowie den rot-grünen arbeitnehmerverrätern (eigentlich auch nur konservative mit anderem anstrich um besser täuschen zu können) im laufe der 2000der wieder zurückgenommen und sogar noch draufgesattelt um somit die allgemeine niedrige telhabe an den produktionsteigerungen durch die automatisierung noch weiter herabzusenken.

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    • Alles richtig. Nur dreht der technische Fortschritt jetzt erst so richtig auf.

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      • Seit Beginn des IT-Zeitalters und Auslagerung von Produktionen nach Billigländern, hat sich dieses Fortschritts-Argument schon als falsch erwiesen – ähnlich dem Mythos des sog. „Paperless Office“.

        Die Berechnungen des guten Lords sind ungelehrt. Verelendung ist nicht im Sinne der Industrie – eher der Wohlfahrtsverbände und Sozial-Ideologen. Der Mindestlohn ist ein „roter Hering“ des Statismus.

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  2. SO weit kommts noch!
    Das die Masse weniger arbeiten muss und trotzdem genug Geld hat um ohne existenzängste durch den Tag zu kommen!
    Dann fangen die am ende noch an zu denken!!! UND DAS WOLLEN WIR NICHT!

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