Das Wort zum Dienstag

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„Unternehmen, deren Existenz lediglich davon abhängt, ihren Beschäftigten weniger als einen zum Leben ausreichenden Lohn zu zahlen, sollen in diesem Land kein Recht mehr haben, weiter ihre Geschäfte zu betreiben. (…) Mit einem zum Leben ausreichenden Lohn meine ich mehr als das bloße Existenzminimum – ich meine Löhne, die ein anständiges Leben ermöglichen.“ Franklin D. Roosevelt, 1933. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt der Mindestlohn (mit Ausnahmen) 8,50 Euro pro Stunde, das entspricht netto 1040 Euro monatlich. Der Arbeitslosenhilfe-Höchstsatz macht 724 Euro aus, also 316 Euro weniger. Mit welchem Einkommen sich ein anständiges Leben führen lässt, ist eine andere Frage. pic pd.

Wo die Kinder schlafen

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Der schwedische Fotograf Magnus Wennman flog in die Levante und nach Südost­europa, um dort syrische Flüchtlingskinder dabei zu fotografieren, wie sie zu schlafen versuchen. Auf dem Boden, in provisorischen Unterkünften, mit Granat­splittern im Körper und ohne ausreichende medizinische Versorgung. In Jordanien, dem Libanon, der Türkei, Griechenland, Ungarn, Serbien. An den Grenzzäunen und auf den Strassen. Verstreut auf dem Weg weg aus der Kriegszone, in Richtung der wenigen reichen Länder, die wenigstens vorübergehend einige Hunderttausend aufnehmen können. Die Kinder träumen von ihren Wohnhäusern, von der Strassen, Märkten, dem Abendessen, ihren Spielsachen, Filmen im Fernsehen, ihren Eltern und Verwandten. Zwei Millionen Kinder. Und in Deutschland ereifern sich über­ge­wichtige, winselnde Wohlstandsbesitzer, das Boot sei voll. „Wo die Kinder schlafen“ weiterlesen

Mehr Verletzte und Tote bei Autounfällen durch TTIP

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Der VW-Diesel-Skandal (#dieselgate) ist zwar hysterisch und möchte über den Umstand hinwegtäuschen, dass Dieselabgase seit jeher weit mehr krebserregende Stoffe enthalten als Benzinverbrennung das verursacht – hat aber auch sein Gutes. Indirekt. Die Presse wurde nämlich auf weit grössere Skandale aufmerksam. Eine ganze Menge. Und alle heissen: TTIP. Wie das geht? So geht das: „Mehr Verletzte und Tote bei Autounfällen durch TTIP“ weiterlesen

Gesunde Lebensmittel und der Stand der Forschung

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Auf „information is beautiful“ gibt es eine sehr hübsche interaktive Grafik zu Nahrungsmitteln, Lebensmittelzusätzen und deren nachgewiesener Wirkung. Wobei der Stand der wissenschaftlichen Forschung immer weiter voranschreitet. Trotzdem haben wir keinen anderen zur Verfügung. In Kürze: Kaffee ist supergesund, Kokos und Hanf sind echt ok, das meiste ist wirkungslos, einige wenige Stoffe sind sogar schädlich. So wie, unter Umständen, das ehemals so beliebte Fischöl. Aber hier könnt ihr selber rumklicken: snake oil supplements

„Happy Birthday“ ist endlich frei

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Das weltbeliebteste Geburtstagslied „Happy Birthday“, auch in Übersetzung, kostete bisher bei jeder öffentlichen Aufführung Tantiemen. Weil der Verlag Warner/Chappell nach Eigenangaben die Rechte an dem von Mildred and Patty Hill im späten 19. Jahrhundert geschriebenen Song besass. Jetzt urteilte ein Bezirksgericht im son­nigen Kalifornien, dass die Rechte hinfällig seien und der Song daher gemein­frei. „„Happy Birthday“ ist endlich frei“ weiterlesen

Dein Innenminister möchte wissen, welchen Porno du guckst

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Tolle Aktion der österreichischen Piratenpartei: Auf der österreichischen Ausgabe von Youporn ist eine Bannerwerbung zu sehen, mit der dortigen Innenministerin Johanna Mikl-Leitner und dem Claim: „Johanna möchte dir zuschauen!“. Richtig. Möchte sie. Ebenso wie der deutsche Innenminister Thomas de Maizière. Der möchte das auch. Via BND und Bundesverfassungsschutz. Natürlich möchte dann auch deine lokale Polizeidienststelle zuschauen, und das darf die dann auch. „Dein Innenminister möchte wissen, welchen Porno du guckst“ weiterlesen

Was nach der Flüchtlingswelle bleibt

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Natürlich fliehen nach wie vor weltweit Millionen von Menschen vor Kriegen und Katastrophen aus ihrer Heimat in eine ungewisse Zukunft. Nur Deutschland macht nach einem kurzen Moment der Hilflosigkeit (nicht etwa der Menschlichkeit) die Grenzen dicht, rechtzeitig zur Eröffnung des Münchner Oktoberfestes. Jetzt werden die Züge und Bahnhöfe als Wirtschaftsfaktor benötigt, die fliehenden Syrer, Eriträer, Afghanen müssen eben in stacheldrahtumzäunten ungarischen Lagern ausharren oder auf griechischen Inselstränden verhungern. Die Flüchtlingswelle wurde per Dekret der deutschen Bundesregierung für beendet erklärt, die Heimatvertriebenen und ihre Überlebenshelfer als Illegale und Schleuser kriminalisiert, der stumpf­braune rechte Rand unserer Republik mit aufmunternden Reden selbsternannt konservativer Politiker in die angebliche Mitte der Gesellschaft zurückgelockt. Aber hat die kurze Phase halboffener Grenzen und aufschäumender Hilfsbereitschaft weiter Teile der Bevölkerung auch nur irgendetwas verändert? „Was nach der Flüchtlingswelle bleibt“ weiterlesen

Hitachi ersetzt Abteilungsleiter durch künstliche Intelligenz

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Robokalypse, nächstes Kapitel: Der japanische Konzern Hitachi setzt ab sofort Computer mit KI-Software als Leiter von Logistikeinrichtungen (Lagerhallen) ein. Bereits in der ersten Version steigerte die Software die Effizienz um 8 Prozent. Was wurde ersetzt? Nein, nicht Lagerarbeiter. Der Chef wurde durch eine Blechkiste ausgetauscht. Lagerarbeiter wird es in 20 Jahren sowieso nicht mehr geben. Chefs dann also auch nicht. Überhaupt werden Konzerne nur noch sehr wenige Mitarbeiter benötigen. Ich halte das nicht für ein Problem: Dann lassen sie sich leichter verstaatlichen. hitachi via io9, pic brookstone

Als ob Gregor Gysi neuer Chef der SPD wäre

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Die britische Labour-Partei hat heute Jeremy Corbyn zum neuen Parteichef gewählt, einen langjährigen Friedensaktivisten, Parlamentarier und Sozialisten. Das ist, als ob Gregor Gysi neuer Chef der SPD wäre. Ein massiver Linksrutsch. Natürlich werden jetzt die Medien (kontrolliert von reichen Leuten und/oder Medienkonzernen) über ihn herfallen. Aber es ist eine Chance für Britannien. guardian, pic youtube

Wo das Star-Wars-Märchen einen wirklichen Wert hat

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Es gibt ein neues Star-Wars-Buch von Chuck Wendig: „Aftermath“. Das ist zunächst mal nicht welterschütternd. Auch nicht, dass es darin einen schwulen Protagonisten gibt. Warum auch nicht? Zu erwarten war auch die Reaktion der ewiggestrigen Deppen, die sich darüber beschweren, er würde die „Homo-Agenda vorantreiben“ und Star Wars dadurch „nicht mehr kinderfreundlich“ sein lassen. In kaum einem anderen Filmwerk werden so viele Hände abgehackt und Leute zerteilt wie im Lukas’schen SciFi-Epos, aber egal. Bemerkenswert ist aber erst Chucks Reaktion. Er schreibt nämlich in seinem Blog: „Wo das Star-Wars-Märchen einen wirklichen Wert hat“ weiterlesen

Wir wissen es bis heute nicht

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Oder anders gesagt: Wir wissen bis heute nur das, was uns die US-Geheimdienste gesagt haben. Und wir wissen über diese, dass sie uns bei jeder einzelnen Gelegenheit angelogen haben. Und wir haben ein paar unbewiesene Verschwörungstheorien, die wir aber nicht glauben möchten. Weil das bedeuten würde, dass wir dabei zugesehen haben, wie ein paar Tausend normale Leute umgebracht werden, nur damit man mit diesem Ereignis weitere Kriege rechtfertigen kann, die das geostrategische Gleichgewicht zugunsten einer Seite kippen sollen. Und damit die Profite aus den Rohstoffen eines halben Kontinents. Aber das wollen wir auf keinen Fall glauben. Denn wenn wir das täten, wären wir Komplizen. Und keine guten, anständigen Menschen mehr. Chronisch lügende Geheimdienste hin oder her. Die Welt ist unangenehm kompliziert, nicht wahr? pic boobailey via thisisnthappiness

Retrogaming: Interstellaria

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„How are you, Gentlemen?“ So schön waren Sidescroller damals nicht: Interstellaria ist ein 2D-Game in 80er-Pixeloptik mit extrem launigem Chiptune/8Bit-Soundtrack. Abenteuer im Weltall. Bizarre Aliens. Dunkle Bedrohung der Menschheit, oder was nach langen Jahren der Alienherrschaft von ihr übrig ist. Endlose Freiheit des Weltalls (fast) und 2D-Raumschiffe wie aus dem Spielzeugladen. Dazu ein bischen Micromanagement der Pixel-Muppets (Crewmitglieder), Pew-Pew-(2D)Raumgefechte und bescheuert lustige Begegnungen auf den Reisen durchs 2D-Weltall. Gibts seit Juli auf GOG oder Steam für knapp 10€. Hab mich lange nicht mehr so mit einem Game amüsiert. Hach. Retro. „Retrogaming: Interstellaria“ weiterlesen

Hipster Barbie ist authentischer als du

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Eine anonyme Hochzeitsfotografin aus der US-Hipsterhauptstadt Portland, Oregon, hat diesen wundervollen Instagram-Account mit Socality Barbie in der Hauprolle. Atmosphärische Fotos, die jedem „Millennial“ Neid abringen müssten – wären sie nicht mit einer immer lächelnden Plastikpuppe. Ist das eine Metapher auf das Leben von heute? Sind wir alle nur Plastikpuppen auf der verzweifelten Suche nach Authentizität? Oder präziser formuliert: Seid ihr alle nur Plastikpuppen auf der verzweifelten Suche? Nach Authentizität? Echtem Leben? Echten Gefühlen? Ich kann mich ja kulturell hier nicht einordnen, ich würde auch eher Godzilla-Puppen vor Industrieruinen knipsen als gendernormatives Spielzeug vor Strandidyllen. Ach was. Macht doch, was ihr wollt. Aber die Bilderserie ist grossartig. Prost! Auf Portland!

Polaroid Snap

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So gegen Jahresende wird es die Polaroid Snap zu kaufen geben, für angekündigte 99 $ (~ 88 €). Zehn Megapixel, kein Zoom, kein Display, Selfie Timer, Micro-SD-Kartenslot (32 GB) und ein eingebauter ZINK-Drucker, der auf Wunsch Bilder in 5 mal 7,6 cm Grösse ausdrucken kann. Ein 50er-Pack ZINK-Papier kostet circa 25 $, aber man kann die Schnappschüsse ja auch später von der SD ausdrucken. Gehäuse in schwarz, weiss, rot oder blau. Das könnte dann der legitime Nachfolger der „alten“ Polaroid sein, oder? via mashable

Sex, Soziologie und Videospiele

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Das US-Forschungsinstitut Quantric Foundry beschäftigt sich ausschliesslich mit Nutzern von Computer- und Videospielen und ihrem Verhalten. In einer aktuellen Veröffentlichung beschäftigen sich die Gründer Nick Yee und Nicolas Ducheneaut mit Geschlechterunterschieden im Gaming. Dazu sind eine Vielzahl an Gerüchten und Mythen im Umlauf, die sich allerdings bei einer statistischen Auswertung von über 100.000 Studienteilnehmern schnell verflüchtigen sollten. Bei einer Gegenüberstellung der Bewertung von 12 Motivationen durch männliche und weibliche Gamer fällt zunächst auf, dass für Frauen eher Design, Phantasie und Erreichen von vollständigen Lösungen im Vordergrund zu stehen scheinen, während nach Eigenangaben Männer eher zerstören, entdecken und planen wollen – die grössten Geschlechter­unterschiede scheint es bei Wettbewerb und Heraus­forderungen zu geben (pic mitte). „Sex, Soziologie und Videospiele“ weiterlesen