Jan Böhmermann und der Rassismus der anderen

pol1z1stensohn

Ich nehme mal an, jeder hat Böhmermanns POL1Z1STENS0HN – Video gesehen. Wo er den Gangsterrapper macht und sonnenbebrillt lustig-debile Reime spricht. Satire eben. Die, ihrem Verfassungsauftrag entsprechend, vor nichts haltmacht. Grossartige künstlerische Leistung, ein ganzes Genre, das komplette Biotop deutscher Gangsta-Rapper innerhalb von 4 Minuten blosszustellen. Dass es sich damit auch um die bedeutendste deutsche literarische Leistung des Jahres handelt, erkennt man an der nachfolgenden Diskussion quer durch alle Medien. Endlich haben wir hier unser eigenes Gamergate, in dem wutschäumend am Kern der Sache vorbei diskutiert werden darf.

Mit dem Unterschied, dass Böhmermann nicht mit geschlechtsbedingten Vergewaltigungs- und Morddrohungen konfrontiert wird wie etwa Anita Sarkeezian. Ein Punkt, der in der aktuellen Debatte übrigens völlig fehlt. Die sich statt dessen mit der gefühlten Opferrolle der Immigranten in unserem Land aufhält, die ja wohl kollektiv unterdrückt werden, wenn man sich über Gangsta-Rap und Street-Cred lustig macht. Das ist aber seinerseits ein rassistischer Standpunkt. Immigranten, Arbeitslose, Teenager und andere angeblich gefühlte Randgruppen sind nämlich keineswegs dringend auf mysogyne, homophobe und gewaltverherrlichende Verse von Bad-Boy-Darstellern angewiesen, die damit erfolgreich zu ihrem Lebensunterhalt kommen. Warum auch nicht. Deswegen ist es trotzdem mysogyne, homophobe und gewaltverherrlichende Scheisse. Die wir uns als kritikfähige Erwachsene aber trotzdem genau so reinziehen können wie die neueste Hillbilly-Splattersploitation-Dramedy. Weil wir ja wissen, dass da ja nicht wirklich Menschen aufgegessen und die unerschöpflichen Hektoliter-Blutfontänen letztlich auch nur mit (gefärbtem) Wasser aufgekocht werden: Hier stimmt die Distanz noch.

Zusammenfassung: Was die Künstler machen, also Kunst, oder vorangegangene Ereignisse reflektieren und neu darstellen, ist völlig in Ordnung, ob bei Baba Haft oder Baba Böhm. Was die Kids auf Twitter und Facebook tun, nämlich reine, unverfälschte und grösstenteils unfundierte Meinung aussprudeln, ist auch in Ordnung. Meinungsfreiheit FTW. Das Problem sind, wie so oft, die konventionellen Medien, die im Bestreben, bis hin zur Auflagensteigerung wichtig genommen zu werden, einen enormen Stapel Mist verbreiten. Mit erfreulichen Ausnahmen. Und danke nochmal an Aykut und Jan für den ganzen Spass.

Beispiele: jetzt, zeit, vice, rap, splash, br

4 Kommentare

  1. übrigens die antwort von haftbefehl https://www.youtube.com/watch?v=AdLiqQQWdks

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    • also wenn das die Antwort ist, dann war die Sache abgesprochen. Sowas in weniger als 3 Tagen zu produzieren ist gelinde gesagt sportlich.

      zum Thema, sehr unterhaltsam die ganze Diskussion.

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      • der hat aber nicht zu wenig erfahrung mit solchen videos. außerdem ist der clip nicht wirklich anspruchsvoll

        übrigens: die richtige antwort auf das ganze

        ganz witzig

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