2015 – wir werden dich vermissen

slider

Am abgelaufenen Jahr gibt es eine Menge zu meckern. Allerdings müssen wir ernsthaft davon ausgehen, dass alles, was uns bisher nicht gefallen hat, im nächsten Jahr (und den darauf folgenden) wiederkommt. Ausser natürlich, wenn wir („we, the people“) das verhindern. Ich will das gerne an ein paar Beispielen erklären:

Das Pic oben zeigt einen pixeligen Slider, also etwas, das man auf dem Bildschirm seines PC, Notebook oder Smartphone sieht. Auf diesen hat Microsoft ein Patent, beantragt im Jahr 2007. Mit Hilfe dieses Patents verklagt der Windows-Konzern gerade die vergleichsweise winzige kanadische Software-Firma Corel (bekannt durch das Grafikprogramm Corel Draw) auf Herausgabe sämtlicher Gewinne aus dem Büropaket Corel Home Office (ex-WordPerfect). Weil da so ein Slider drin ist. So etwas ähnliches hat Apple bereits mit Samsung gemacht: Ein Konzern patentiert irgendetwas triviales, das eigentlich gar keine echte Erfindung darstellt, und schadet anschliessend mit diesem neu erworbenen „geistigen Eigentum“ der Konkurrenz. Das wird so lange gehen, bis es nur noch eine Handvoll Konzerne gibt, die miteinander Duldungsverträge abgeschlossen haben und ansonsten den „geistigen Besitz“ an allem und jedem beanspruchen. Ausser wir („we, the people“) ändern das.

Um zu verhindern, dass Überwachung bekannt wird, plant die britische Regierung jetzt ein Gesetz, das die Veröffentlichung solcher Aktivitäten wie bisher durch Google, Twitter, WordPress, Yahoo und andere kriminalisiert. Gefängnis für die Nachricht „Hier findet totale Überwachung statt“. Gleichzeitig werden Umweltaktivisten, Bürgerrechtsfreunde und kritische Journalisten direkt Terroristen gleichgestellt und deren besondere Überwachung angeordnet. Nicht nur in Russland oder China, sondern in Frankreich nach den Anschlägen auf die Charlie Hebdo Redaktion und das Pariser Nachtleben, in Britannien seit Maggie Thatcher als Vorbild für Angie Merkel regierte oder in Deutschland, wo die 16 Verfassungsschutzämter für solche Dinge zuständig sind. Konkret: wir müssen die sinnlosen, ja schädlichen Verfassungsschutzämter abschaffen. In Thüringen hat die vom Volk gewählte linke Regierung (Ja, die ach so konservativen Linken) bereits einen ersten Schritt dorthin getan.

top400

Währenddessen blüht die Korruption und die Anpassung der Gesetze an die Bedürfnisse der Superreichen. Die New York Times hat einen ausführlichen Artikel darüber, wie das funktioniert (nicht nur in den USA). Die Grafik über diesem Abschnitt zeigt die Entwicklung der offiziellen Steuerlast (nicht dessen, was wirklich bezahlt wird) der 400 reichsten Amerikaner. Warum passiert so etwas? Warum werden Gesetze nach dem Willen der Reichsten zurechtgebogen? Weil es in den Regierungen der reichen Länder immer „konservative“ Regierungen gibt, die von einer grossen Zahl von Menschen gewählt werden, weil erstens Angst vor allen möglichen eingebildeten Bedrohungen und das Wahlversprechen vom Schutz gegen diese Luftnummern und zweitens der Irrglaube der „konservativen“ Wähler, mit genügend Anstrengung auch einmal reich sein zu können, bei jeder Wahl wieder funktionieren. Es gibt auch Gegenbeispiele, etwa Kanada, wo die Gewerkschaften (ja, diese Traditionsvereine) gerade TPP, die pazifische Schwester von TTIP blockieren.

vermögensverteilung

In Deutschland gehört man zu den vermögendsten 10 Prozent, wenn man mehr als 260.000 Euro besitzt. Ein Häuschen und einen kleinen Betrieb, oder ein Einkommen aus der Zeit des Wirtschaftswunders. An dieser Zahl sieht man, wie arm die restlichen 90 % eigentlich sind. Umgerechnet auf die Fläche des Landes sähe das so aus (Grafik oben: Nachdenkseiten, unten: lukeanker):

deeply rooted

2015: Das war’s also mit uns. Gut, dass wir dich los sind. Und nächstes Jahr? Mit genügend Alkohol in die Dystopie abgleiten? Könnt ihr ja machen. Für mich bedeutet das alles, dass mein ursprünglicher Ansatz von 2009 richtig war: Politisch aktiv zu werden, mich mit anderen zusammenzuschliessen, um im bereits heftig tobenden Klassenkampf der reichsten 1% gegen uns, die 99%, etwas ausrichten zu können. Mit meinen geringen Mitteln hab ich bereits einiges erreicht, jetzt brauche ich eine grössere Gemeinschaft, um noch mehr leisten zu können. Je mehr wir („we, the people“) sind, desto stärker sind wir. Und je nachdrücklicher wir alle vier Ecken des Spielfelds besetzen – Wahlen, Medien, Strasse, Internet – desto mehr erreichen wir. Aber nicht mehr dieses Jahr. Sondern nächstes. Also trinkt mit mir auf unseren zukünftigen Erfolg. Nachher, so gegen Mitternacht. Cheers und auf ein bizarres, lustiges, erfolgreiches ’16!

1 Kommentar

  1. Sollten vielleicht erst einmal anfangen, gegen unsere ungleichen Rechtssysteme angehen, denen es gibt deren 2.
    Das Privatrecht und das öffentliche Recht.
    Prof. Dr. David Dürr hält einen sehr interessanten Vortrag darüber unter dem Titel: “ Ein vernünftiges Parteiprogramm. “
    Wenn man da auf einen grünen Zweig käme, wäre vielleicht schon einiges getan.

    Gefällt mir


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