Copyright ist Diebstahl. Heute: Bill Gates und das Tian’anmen-Massaker

tiananmen

Bill Gates, Sohn aus wohlhabendem Haus und reich geworden durch die Lizenzierung einer Betriebssystem-Raubkopie an den damals wichtigsten PC-Hersteller, kaufte seit 1989 mit seinen überzähligen Miliarden die „Rechte“ an Bildern, um sie dann digital vermarkten zu können. Daraus wurde eine der grössten Fotoagenturen der Erde, Corbis. Diese Firma verkaufte Gates vor einer Woche (22.1.16) an die Visual China Group in Bejing für eine ungenannte Summe. Zum „Portfolio“ von Corbis gehört (unter vielen anderen) auch das weltbekannte Bild vom Tian’anmen-Massaker, dem gewaltsamen Niederschlagen von Demonstrationen gegen die chinesischer Diktatur, mit mehreren tausend Toten im Jahr 1989, vom Fotografen Jeff Widener.

Die Veröffentlichungsrechte dieses einen Bildes, das die chinesische Gewaltherrschaft am stärksten kritisiert, sind nun also in chinesischen Händen. Copyright, ursprünglich dafür konzipiert, um die wirtschaftliche Verwertung einer geistigen Leistung (und sei es ein Schnappschuss…) nicht am Urheber vorbeifliessen zu lassen, dient heute als Mittel der Zensur durch die grösste Diktatur unseres Planeten. Und durch beliebige andere „Rechteinhaber“. Wir sehen: Es ist Zeit, das Urheberrecht (a.k.a. Copyright) zu reformieren und statt dessen festzuschreiben, dass Wissen und Kultur allen Menschen gehören müssen, dass die Erinnerung an Weltereignisse nicht ge- und verkauft werden darf und „geistige Leistung“ keine Handelsware ist, sondern die Grundlage unserer Zivilisation. Es ist Zeit, und der Corbis-Deal zeigt das sehr deutlich, dass die totalitäre Ideologie eines unbeschränkten Kapitalismus als grundrechtsfeindlich in sehr enge Schranken gewiesen werden muss. Noch werden Gesetze von gewählten, nationalen Regierungen gemacht – auch das würde mit TTIP beendet sein. Es ist Zeit, auf die Strasse zu gehen, gegen den totalen (und totalitären) Ausverkauf unserer Zivilisation zum Nutzen einiger weniger Superreicher, und zum Schaden aller anderen Menschen.

pic c Jeff Widener, und nach geltendem Recht dürfte ich dieses Bild nicht zeigen, ohne die chinesische Diktatur für das Massaker zu bezahlen. Fuck you. Wenn ich Jeff mal treffen sollte, geb ich ihm ein Bier aus. Ansonsten ist das Bild im Besitz der Menschheit.

6 Kommentare

  1. […] Fritz hat einen guten Artikel geschrieben, dessen Lektüre sich lohnt: Copyright ist Diebstahl. Heute: Bill Gates und das Tian’anmen-Massaker […]

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  2. War QDOS tatsächlich eine Raubkopie? Meines Wissens nach war es eine Nachbildung von CP/M, aber keine eigentliche Raubmordkopie.

    Ansonsten: full ACK! Ich verweise nochmal auf den Namen James W. Prescott im Hinblick auf eine Problemlösung.

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  3. Ich nehme nicht an, dass Gates dies Bild zwecks Zensur vermarktet hat. Lief der Vorgang ueber einen „Mittelsmann“ oder wie? Das ist der wahrscheinlichste Fall.
    Uebrigens werde ich, immer wenn Tien An Men gross herausgestellt wird, etwas skeptisch:
    Ich verstand die Studenten dort sehr gut, wie auch ihre Ziele:
    Es war keine falsche US „Demokratie“ und Antikommunismus –
    die Jungs ware gute Kommunisten, wollten aber wahren Marx.
    Warum aber nur Tien An Men?
    – Weil es auf der anderen Seite ist!
    Wer erinnert sich noch an Mexico? – 2 Wochen vor der Olympiade!
    Gut 800 Studenten und andere Demonstranten von Polizei und Militaer getoetet – von einem US kontrollierten Regime!
    Aber die Olympiade in Mexiko ging weiter
    – kein Boycott, keine Sanctionen, kein grosser Wirbel
    – und gleich nach dem Massaker totgeschwiegen.
    Wir sollte nicht immer nur unserer Propaganda folgen.

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    • – kein Boycott, keine Sanctionen, kein grosser Wirbel

      was ja klar ist sind in mexico (auch damals schon) doch so ziemlich alle US-konzerne und großfirmen angesiedelt.

      heute könnten sie auch in china reihenweise massaker begehen – so gut wie nichts würdest du hören davon.

      als bspl. nur mal an tibet (gibts das überhaupt noch?) erinnert:
      solange fast keine US-konzerne und großfirmen in china waren – ein drama zeitungs artikel nach dem anderen, eine tragische TV-doku nach der anderen und am laufenden band, die TV-nachrichten waren voll damit (zeitweise konnte man schon fast meinen china würde nur aus tibet bestehen), protest-konzerte und veranstaltungen mit dem dalei lahmarsch im halbjahresrythmus in großaufmachung im fernsehen (sogar in eigentlich reinen unterhaltungs-sendungen). jahrzehntelang durchgehend die 70ziger, 80ziger und 90ziger. hunderte NGOs, ORGs, spendenvereine und (grüne/öko/etc.)-partein konnten gar nicht genug öffentlichkeitswirksam mit dem empörungs-schwanz in der hand abwichsen und es jedem „bukkake-style-mässig“ in die gehörgänge und augen spritzen.

      aber dann seit ende der 90ziger anfang der 2000der jahre (bis 2003-4) – als immer mehr US-konzerne und großfirmen in china produzieren ließen oder sich gleich ganz ansiedelten wurde die nachrichtenlage über tibet immer dünner (geradezu steil abnehmend) —–> und seit etwa 2005 ist tibet nur noch eine klitzekleine randnotiz die medial vornehmlich immer nur dann hoch-gekocht wird wenn irgendwelche US-konzerne und großfirmen (oder die „wall street“) von den chinesen nicht das bekommen was sie haben wollen oder sich vorstellen.
      ansonsten zwischen den ereignissen komplett schicht im schacht.

      dasselbe gilt ja auch für afrika in kontinentalem ausmaß.
      seit mehr als 20 jahren (seit der großen US und EU-konzern invasion ab mitte der 90ziger jahre) findet afrika praktisch gar nicht mehr statt. nur noch dann wenn gerade mal ein massaker passiert. das aber auch fast nur dann wenn irgendwelche konzerninteressen oder tourismus-unternehmen davon tangiert sind.
      wenn nicht, ist es lediglich eine kleine eilmeldung darüber das gerade irgendwo 100 – 500 – 1000+x menschen abgeschlachtet wurden. handelt es sich dabei „nur“ um moslems – und sind keine christen oder juden unter den opfern – besteht sogar die große wahrscheinlichtkeit das es überhaupt nicht gemeldet wird – oder wenn doch noch, dann mit laaaaaaaanger verzögerung.
      naja, und jetzt gerade ist afrika mal wieder ziemlich en vogue weil die ganzen „zwangs-demokratisierten“ flüchtenden als folge der ganzen „arabischen frühlinge“ an den pforten EUs anklopfen (drecks-pöbel! kommen einfach hierher und wollen leben statt sich zuhause (mittels unserer waffen) anständig zerfetzen und einäschern zu lassen).

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  4. Die Aussage „nach geltendem Recht dürfte ich dieses Bild nicht zeigen, ohne die chinesische Diktatur für das Massaker zu bezahlen“ stimmt allerdings nicht. Welches Recht meinst Du denn?

    Im Übrigen gibt es auch Aufnahmen von Dutzenden anderer Fotografen und Filmaufnahmen. Also kein Stress.

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    • Und im Zusammenhang mit Fotografen, die 1989 nur nach China reisen konnten, weil sie dafür bezahlt wurden, ist der Spruch „Copyright ist Diebstahl“ vielleicht etwas kurzsichtig.

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