Die Meinungsfreiheit als Europameister

Handball

Tor! Toooor! Der Philosoph und Zeit-Online-Kolumnist Wolfram Eilenberger ist Europameister der Herzen, zumindest für eine Weile, und auch nur in der Extremsportart Meinungsfreiheit, die ansonsten niemanden interessiert, ausser in einem Fall wie diesem. Dann aber ganz besonders. Die nationale Aufmerksamkeit ist ihm sicher („national“! *prust*). Wie ging das? Wie konnte er, so direkt aus dem Denkersessel losgespurtet und über die Papierberge europäischer Geistesgeschichte hechtend den Ball so tief im Netz der gefühlten Lügenpresse versenken, dass der Schmerzensschrei der sichtlich nicht zu Unrecht Getroffenen fast eine Woche und 712 717 Kommentare später immer noch nicht verhallt ist?

Er hat mit, bildlich gesprochen, extrem spitzer Feder, den gerade im Direktvergleich mit Massensport Nummer Eins, Fussball, bemerkenswert geringen Integrationsgrad des Handballs dargestellt: Die Alternative für Deutschland. Da gibt es nämlich nur echt kartoffeldeutsche Spieler. Hm. Das ist nicht völlig super, da Deutschland ja bekanntlich schon immer ein Ein­wander­ungs­land war, und so fasst Eilenberger sehr schön pointiert zusammen: „Wenn Fußball Merkel ist, ist Handball Petry.“ Das wird er doch mal sagen dürfen, oder? Zumal eigentlich allen klar sein sollte, dass die Wochenzeitung „Die Zeit“ sich auch in ihrer Onlineausgabe an gefühlte Bildungsbürger richtet, oder zumindest an Leute mit nicht völlig verdrängtem Schulabschluss. Denen klar ist, dass man in einer Kolumne mal völlig überspitzt auf mögliche Misstände hinweisen kann, eine sehr subjektive Meinung erklären, oder einen Standpunkt einnehmen, den ein kleinerer Bevölkerungsanteil nicht mittragen will. Tja. Was mich betrifft, sollte Eilenberger das grosse Sportverdienstabzeichen mit Pokal und Urkunde sicher sein. Und Nationen sind, und das betrifft irgendwie auch das angeschlossene Teilproblem von National­mannschaften, sind zu genau einem Zweck erfunden worden, nämlich um noch besser Kriege führen zu können. Und weil wir genau wissen, was uns diese Erfindung gebracht hat, sollten wir uns davon trennen und alle Territorial­fantasie­reiche abschaffen. Deutschland natürlich zuerst. Ausser wenn wir ab sofort alles plebiszitär erledigen und Wolfram der Erste zum Ball-Kaiser gekrönt wird, um von diesem Tage an (ausschliesslich) über ein passendes Kolumnenschloss irgendwo im bayerischen Voralpenland (oder anderswo, das soll er dann selbst entscheiden) zu herrschen. Ein Hoch auf unseren Kaiser! Er lebe hoch!

zeit, vice,

Das schöne, unpolitische Lügensport-Ballbild ist vom Fotografen Armin Kuebelbeck und steht unter cc by sa.

2 Kommentare

  1. Wenn wir nationen abschaffen dann gibt es eben wieder stammeskriege. besser?

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  2. Das geht hier nicht um „Nationalitaeten“ – oder doch?
    Ich meine, Fussball hat sich ueberall breitgemacht – zur Wonne vieler
    Handball ist mehr ein Schulsport – und das in vielen Laendern, wo der grosse Raum, den anderes braucht, eben nicht allen zur Verfuegung steht.

    Siehe hierzu auch Basketball – eine Klassensport der Grosstadt – und ihrer Slums – gross geworden, weil die Oberschicht gern Zirkusspielen zusieht. Und so wurde es neben dem, eher dem englischen Kricket vergleichbare Baseball, zum grossen US Sport.

    Und wenn wir von Kricket sprechen (und Rugby), so sind dies Oberklassensportarten, die nicht im kleinen Raum der Arbeiter-viertel gespielt werden koennten – aber Strassenfussball gibt’s im kleinsten Dorf, und in den Favelas Brasiliens, sowie in englischen Industriestaedten – wie an der Ruhr, auch dort im Kohlenpott.

    Der Handball sollte auch ueberall gross und beliebt sein, aber da scheint sich eben der Channel, wie ueblich, erweitert zu haben – und von dor aus, auch der Atlantik, Pazifik – und wo immer das „Raj“ sein Unwesen trieb.

    Wenn wir also Darwinistisch von Ursprung und Heim von Sportarten sprechen, muessen wir immer auf Geographie und Gesellschaft schauen. Dass wir auch vom Sitz springen, wenn „unsere Jungs“ wo Meister werden, ist verstaendlich. – Ud wir sollten das bei „usere Dearns“ genau so tun!

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