Die Befreiung der Nofretete

nofretete_hack

Die Büste der ägyptischen Königin (Pharaonengattin) Nofretete (in anderen Sprachen: Nefertiti) wurde im Jahr 1912 von der Deutschen Orient-Gesellschaft entdeckt bzw gestohlen – je nach Perspektive. Seither ist das Kunstwerk (mit Unterbrechungen) in Berliner Museen zu sehen und die Ägypter hätten es gerne zurück. Nun hat ein irakisch-deutsches Künstlerduo, Nora Al-Badri und Jan Nikolai Nelles, die Büste heimlich (also ohne Genehmingung durch das Museum) 3D-gescannt und die 3D-Datei zum selber ausdrucken ins Netz gestellt.

Ja, der Nofretete-Hack ist eine tatsächliche Kunstaktion, und die „Befreiung“ der Nofretete kann zur Beutekunst-Diskussion beitragen. Bravo. Hier gibts die Nofretete-Datei zum Download, via Torrent oder FTP.

kottke, musikexpress, boingboing, hyperallergic, pic: website von Nora Al-Badri und Jan Nikolai Nelles

3 Kommentare

  1. Je nun, Nefertiti verdient sicher befreit zu werden. Vielleicht verdanken wir ja ihr alle religioese Modernitaet des Monotheismus.
    Sie hatte ja zweifellos grossen Einfluss auf ihren urspruenglichen Gatten, Amunhotep IV – und da sie selbst aus der Region Syriens-Palaestinas stammte, wohl auch auf die Anwerbung jener Hibaru (die eigentlch als wilde Raeuberstaemme aus der Wueste engebrochen waren – siehe Genesis Kap. 23) als Expatriate-Oeffentliche Beamte zur Uebernahme des Vesorgungsdienstes usw. von den Priestern in THeben (Josef hatte das nicht erfunden – war schon lange da). Die Priester mochten das gar nicht, und sobal Ikhnaten (Amunhotep IV) tot war, mussten die alle wieder weg. Ja, und da habe ich dies alte Papyrus entdeckt, das ein junger Schueler von Moses schrieb:
    (nur im Excerpt)

    „Das gab mir aber doch zu denken. Vielleicht war Moses – eigentlich war er ja als Prinz Thutmosis aufgewachsen – und sicher auch etwas bevorzugt gewesen. Da war ja auch noch etwas mit einer Aussetzung gwesen in einem Weidenkorb, und die Prinzessin –war das vielleicht Meraen gewesen- hatte die ihn sozusagen adoptiert. – Und weil er so nett und intelligent dreingeschaut hatte, nannte sie ihn auch nach Thot, demGott des Wissens, der auch das wichtige Schreiben erfunden hatte. Den Teil seines Namens hatte er dann aber abgelegt, zu Ehren des Einen Gottes, Aten.

    Moses ließ sich dazu elbst nicht gerne befragen – verständlich: Jeder weiß doch gerne, wer seine Eltern sind. Eine Prinzessin als Adoptivmutter – na ja. Aber da fragen sich halt doch viele: ‚Binsenkörbchen? – Im Nil? – Ja, woher denn? – Und wieso? Mädchen erzählen ja manchmal ziemliche Geschichten – besonders, wenn sie was verheimlichen wollen.‘

    Das nahmen denn viele auch an – auch von ‚unsere Layt‘. Und schließlich: Es ist doch schon sehr gut und hilfreich, wenn man einen richtigen Prinzen zum Führer hat – noch dazu einen, mit dem der Große Eine selber redet, und der vor den Mächtigen von Ägypten ziemlich stark auftreten kann – und es tut!

    Aber hier, mit der Sklaverei und dem Pyramidenbau – und Moses wußte auch nichts vom Baby- Umbringen. Da war mir doch vieles ganz anders erzählt worden. Ich mußte einfach fragen:

    „Waren denn unsere Leut‘ nicht alle ganz gemein unterdrückt?“

    „Nein, nicht wirklich. Es ging ja anfangs, direkt nach Ikhnatens Tod nicht gleich so wild zu. Ja, die Priester von Ammun-Ra, in Theben, wollten wieder die Wirtschaft an sich ziehen – und sie taten das auch. Aber wir waren noch immer in starken Positionen: Wissen ist Macht – und wir hatten viel davon: vor allem, wie der Staat zu der Zeit lief.

    Nach Ankhkhepure und Smenkhkare wurde es etwas schwieriger. Nicht daß der junge Pharao Tut es besonders auf uns abgesehen hatte, es war viel mehr sein Regierungs- und Armeechef, Ay, der selbst an die Macht wollte – und es ja dann auch schaffte.“

    Ich hatte schon einiges davon gehört – aber meist nur Gerüchte. Aber Moses wußte da sicher mehr als die meisten:

    „War das der Pharao Tut Ankh Amun?“

    „Ja – ein netter junger Mann. Ein bißchen kränklich – aber das hat ihn nicht umgebracht.“

    „Umgebracht?“

    „Ich glaub‘ schon. Der Ay war lange hinter den Kronen her – beiden: Ober- und Unter- Ägypten. Und bei Tuts Tod war sicher einiges nicht koscher. Aber Ay hatte ja den Palast und die Verwaltung davon in der Hand – da war nichts nachzuforschen, und den Sarkophag bekommt man auch nicht auf – besonders wenn er mal nilaufwärts zum Gräbertal verschifft ist.“

    „Oh, ist das, warum man keine Pyramiden mehr baute? Ist das ein besserer Platz?“

    „Eigentlich ja – vorausgesetzt man legt dort auch eine kleine Garnison mit verlässlichen Wachsoldaten an: ein Tal, mit nur einem Eingang und leicht kontrollierten steilen Seitenwänden mit glatten Oberflächen. Ich habe das selbst gesehen. Eine gute und sichere Anlage. Und die Gräber sind tief – mit Zusatzfallen zur Sicherung. Das war neueste Technologie. Aber man braucht immer auch Wachpersonal.“

    „Und Ay hat sich dann selber auf den Thron gesetzt?“

    „Richtig. Und der war nicht mehr ganz so freundlich.“

    Jetzt verstand ich das ein bißchen besser: Mit dem Ay, und dann Rameses war es also wieder besser, statt ‚Aten‘ wieder ‚Ammon‘ oder ‚Ra‘ anzurufen, wenn man den Kopf behalten wollte. Uund dann war es auch nicht nur der alleine, sondern auch die ganze Götterfamilie, von Isis und Osiris, und Anubis bis Thot. Dabei war es so schön gewesen mit ‚Aten‘, und unsere Leute hatten das auch mit Begeisterung angenommen –auch wenn sie ih ‚Adonai‘ nannten–wie Moses meinte:

    „Das hat uns eigentlich erst das Gefühl gegeben, das Göttliche und die Welt richtig zu verstehen.“

    (siehe hierzu auch S. Freud: ‚Der Mann Moses‘ – aber das hier schrieb ich ohne das Buch zu kennen)

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  2. Es gibt allerdings inzwischen technische Zweifel am Wahrheitsgehalt dieser Story (so schön ich sie auch finde):

    http://www.heise.de/make/meldung/3D-Raub-der-Nofretete-Eine-unglaubhafte-Geschichte-3117841.html

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  3. Die Büste und ihr Vorbild sind geradezu umwerfend; obschon ich eine Menge hervorragender Museen und eine Vielzahl von Monumenten Ägyptens kenne, wissen mich Büste und Königin jedesmal aufs Neue in ihren Bann zu schlagen. Über die tatsächliche Bedeutung Nofretetes für die Geschichte Ägyptens wissen wir heute weniger als wir je zuvor zu wissen geglaubt haben und bewegen uns, wie uns heute klar wird, mit mehr als einem Fuß auf unsicherem Terrain bloßer Spekulation. Allein die Frage, weshalb die Königin (etwas verkürzt dargestellt) plötzlich von der Geschichte verschluckt und von einem rätselhaften neuen König Semenchkare in der Öffentlichkeit des damaligen Ägyptens abgelöst wurde, eröffnet ein weites Feld von Mutmaßungen – ohne große, geschweige denn durch Artefakte abgeklärte, Sicherheiten.
    Das ist jedoch längst nicht alles: wer sich dem Studium der Büste aufmerksam hingibt, der findet ungeheure Parallelen nicht nur zur Amarna-Kunst, sondern auch speziell zur Totenmaske des Tut-Ankh-Amun. Es handelt sich bei der Büste mit großer Sicherheit vielleicht um eine optische „Glättung“, dennoch um ihr weitestgehend authentisches Bild. Wir sehen (gerade in der farblosen Scan-Version!) ein wahrhaftiges Abbild der Königin und damit die Darstellung einer tatsächlich wunderschönen Frau.

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