Wer wählt eigentlich diese AfD?

Chaplin_Der_grosse_Diktator

Die einfache Antwort: Dieselben Leute, die früher Hitler gewählt haben. Natürlich klingt diese Antwort zu einfach, zu pauschalisierend, auch wenn sie trotzdem richtig ist. Der Nationalsozialismus wurde ja auch nicht nur von glühenden, gaskammerfixierten Antisemiten, Militaristen, Nationalisten und Chauvinisten zur Blüte gebracht, sondern von einer grossen Anzahl von Desorientierten, Enttäuschten, Verunsicherten und von Angst getriebenen. Damals wie heute gibt es eine Mehrheit von wahlberechtigten Bürgern, die ihre Zustimmung zum politischen System abhängig machen vom eigenen Wohlstand. Wir dürfen nicht verkennen, dass materieller Wohlstand in unserer Leistungsgesellschaft nicht einfach synonym mit Bequemlichkeit ist, sondern eben auch mit persönlichem Erfolg, mit dem Anspruch auf Selbstwert, Würde, Ansehen.

Wie wir wissen, haben die unteren und mittleren Haushaltseinkommen seit dem Mauerfall in Deutschland stagniert. Übersetzt heisst das, dass alle ausser den Reichen in unserem Land in den letzten 35 Jahren keinen materiellen, und damit auch keinen persönlichen Erfolg erreichen konnten. Gleichzeitig stiegen die Wirtschaftskraft, das Bruttonationalprodukt, das Konsumangebot. Und allen, die noch zuhören, wird nahegelegt, zu akzeptieren, dass nur die Besseren von der sichtbaren positiven Entwicklung profitieren, nicht aber die Versager. Und wer möchte sich bitte als Versager fühlen, als jemand, der selbst an seinem ausbleibenden Wohlstand schuld hat?

Da hilft es auch nichts, wenn sich die linke Intelligenzia auf die höhere moralische Position zurückzieht, das alles wären doch nur Lügen, man müsse das Joch der Konsumgesellschaft abwerfen und sich an ideellen statt materiellen Werten orientieren. Was zwar sachlich richtig ist, dennoch aber keine Lebensalternative bietet, wenn man nicht bereits Teil der erwähnten Intelligenzia, sondern der materiell orientierten Mehrheit ist. In welcher es nicht wirklich möglich ist, die Nutzniesser aktueller Wirtschaftspolitik (also alle ausser den unteren und mittleren Haushaltseinkommen) zu kritisieren, weil man ja eigentlich selbst so sein will, und an das Versprechen glauben möchte, dass der Weg dorthin allen offen stünde (was wieder gelogen ist… aber was soll’s).

Kommt nun eine Partei in Spiel, die sehr klare, einfache Lösungen anbietet, etwa indem die Schuld bei einer Gruppen von „Anderen“ geortet wird, dann ist diese Lösung ausserordentlich attraktiv. Der Franzmann, der Jude, der Iwan, der Araber, sonstwer. Dieses Herabschauen und später Herabschreien und Herabschlagen auf eine klar definierte Gruppe hat nicht nur den Vorteil, dass man genau weiss, wer an der eigenen Misere Schuld trägt, sondern dazu noch den Bonusvorteil, dass man genau weiss, wer hier der Bessere ist. Was das eigene Defizit an Selbstwert, Würde, Ansehen ausgleicht.

Das ist das Prinzip von „ich bin kein Nazi, aber“. Und hervorgerufen wird es letztendlich vom gebrochenen Wohlstandsversprechen der kapitalistischen Nachkriegsdemokratie. Von der Austerität, wenn wir dieses neue Modewort (das aber wiederum sachlich völlig richtig ist) bemühen wollen. Und befeuert wird es von den Nutzniessern der Austerität, die sich damit erfolgreich aus der Verantwortung für die von ihnen verursachte wirtschaftliche Ungerechtigkeit stehlen können. Oder woher genau hat die AfD das Geld für die überraschend breit angelegten Werbekampagnen? Auch hier sind die historischen Parallelen unübersehbar, auch das grosse nationale Vorbild gelangte nur mit Hilfe einer finanziellen Elite an die Macht. Die Mitläufer, die keine Nazis sein wollen, sind die ersten Opfer dieses falschen Spiels. Noch bevor irgendjemand wegen seines ausländischen Erscheinungsbilds umgebracht wurde.

Der Weg aus diesem Dilemma führt nur über die Erkenntnis, dass „AfD“ nur der neue Name für das bereits bekannte Lügengebilde einer kapitalistischen Demokratie ist, die angeblich allen gleichermassen offensteht, in Wirklichkeit aber einzelne begünstigt, und die Masse der Bevölkerung dafür bezahlen lässt. Und über die Entscheidung, das Angebot der Demokratie wahrzunehmen, nämlich nicht immer nur neue Vertreter zu wählen, sondern selbst Verantwortung zu übernehmen. Nicht alle und zu 100%, aber zumindest in einem höheren Umfang als heute. Die echten, glühenden Gaskammerfans und Supernationalisten werden natürlich weiter AfD, NPD und sonstige Neonaziparteien wählen, aber das haben diese Leute schon immer gemacht, mit den bekannten einstelligen Prozentergebnissen.

Das pic ist natürlich aus dem grossartigen Chaplin-Film „Der Grosse Diktator“ von 1940.

4 Kommentare

  1. „Die einfache Antwort: Dieselben Leute, die früher Hitler gewählt haben. “
    Damit, Fritz , hast Du es Dir zu leicht gemacht

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  2. Danke für diesen Artikel!

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  3. Dieselben Leute, die früher die Linke gewählt haben.

    Und daran sieht man sehr schön dass die meisten Linkswähler nicht an das Gemeinwohl denken, sondern nur an sich selbst. Eigennützlich.

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  4. […] „Wer wählt eigentlich diese AfD?“ wird sich auf dem 11k2-Blog gefragt. Die Antwort finde ich schlüssig und schön auf den Punkt gebracht. […]

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