Die Krise der Humanwissenschaften

ego depletion1

Wissenschaften, die den Menschen beschreiben (im Gegensatz zu Natur­wissen­schaften, die sich mit Messbarem beschäftigen) haben das Problem, dass widerwillig finanzierte Studien bedauerlich oft weder eindeutige Ergebnisse liefern noch wiederholbar sind. Wenn man also die selbe Studie zu einem anderen Zeitpunkt durchführt, kommt gerne mal was anderes dabei raus. Unter diesem Problem leiden Medizin, Kulturforschung, Psychologie, und aus letzterer Disziplin kommt aktuell ein griffiges Beispiel von der University of Pennsylvania.

Dort versuchten Forscher etwas über Willensermüdung („ego depletion“) heraus zu finden, indem sie 238 Teilnehmer sowohl komplizierte als auch aggressive Computergames spielen liessen und in einem darauffolgenden Test prüften, ob deren Entscheidungsfähigkeit darunter gelitten hatte. Die Studie brachte kein formulierbares Ergebnis, was gar nicht so selten vorkommt.

Also fügten die Forscher um den Psychologen Joseph Hilgard einen weiteren Parameter ein, nämlich Erfahrung mit Games und engten das Testfeld nachträglich auf erfahrene Spieler ein (ungefähr ein Virtel des Testfeldes), so dass auf einmal signifikante Ergebnisse aufschienen. Ein Segen für das Forschungsteam, das ja greifbares Resultate vorweisen muss, um weitere Forschungsgelder zu erhalten, aber ein kleineres Desaster für die Wissenschaft, weil das eigentlich völlig unbewiesene Konzept der ego depletion von da ab weiter für Verwirrung sorgte, bis Hilgard seinem Gewissen folgte und öffentlich erklärte, dass man sich bei der Interpretation der Ergebnisse geirrt habe. Das wiederum kommt nicht besonders häufig vor.

Aus diesem Vorgang den Schluss zu ziehen, Humanwissenschaften wären sowieso komplette Grütze und man sollte das Geld lieber für etwas Sinnvolles einsetzen, halte ich allerdings für wenig sinnvoll. Statt dessen sind wir angehalten, präzisere Vorgaben für wissenschaftliche Studien zu etablieren. Tests von Medikamenten, psychologischen Konzepten oder kulturellen Eigenschaften sollten die Freiheit haben, kein Ergebnis zu liefern. via vox

2 Kommentare

  1. Thesen ueber den „wahren Zustand“ der Erde, des Universums, oder des Menschen / der Menschin sind eine uralte Erscheinung, in Legenden und Wunschbildern, aber auch in Zwangsvorstellungen. Sie ensprangen (und entspringen) meist aus Unkenntnis und Furcht, und dem Wunsch nach dem „Besseren“ oder, im besten Fall, nur dem Wusch des Verstehens.
    Viele Ursprungs- oder Schoepfungslegenden sind daraus entstanden – und manche, wie ‚Genesis‘, sind recht klug. Diese kam jedoch ihrerseits schon aus einer fortschrittlichen Vorgabe: Aegyptens Amunhotep IV, der sich aus Glaubensgruenden den Namen Ikhnaten nahm (wie auch seine Gattin Nfertiti sich Neferuaten nannte): Es war der Begriff EINER GROSSEN KRAFT entstanden – ihr Symbol war die Sonne, aber viel mehr steckte dahinter, das eben ueber Begreiflichkeit stand.
    Und diese Ueberbegreiflichkeit ist eigentlich der Befinn von Venunft und Logik, im Sinne von Sokrates‘ „ich weiss, dass ich nichts weiss.“ Das ist kein dumer Spruch, sondern Bekenntnis zur Weisheit: Zugeben, dass etwas nicht klar ist, ist tausendmal besser als einfach etwas zu behaupten, da einem zwar passt – aber einfach nicht wahr ist.
    Und davon haben wir heute mehr als je zuvor: Hitler verdrehte Darwin und Gobineau zu einem grotesken Irrglauben, der sich aber „Wissenschaft“ nannte, weil im Hintergrund etwas wirkliche Wissenshaft stand: Darwin hatte die Naturwahl im Ueberleben geschildert, Gobineau sagte, die menschlicben Rassen seien verschieden, weil jeweils ihrer Uwelt angepasst. Damit kann man leben. Mit der falschen Rasenlehre nicht.
    Aehlich haben wir heute eine Lehre, die sich „wissenschaftlich“ nennt, weil sie einen Teil der Psychologie und dere Namengebung benutzt, naemlich, aus der Verhaltenspsychologie das Wort „Gender“. Gender heisst in diser Schule der Psychologie das Verhalten, das sich auf Erbgrundlage und Umwelterfahrung entwickelt. Das Wort selbst bekraeftigt den „Genus“, der feststeht – UMwelt und Gender jedoch sind wandelbar wie Knete

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  2. das problem hat doch jede wissenschaft mittlerweile: es ist zu einer industrie verkommen. wer nicht publiziert ist raus.
    deswegen entstehen fake veröffentlichungen, fake journale, fake konferenzen etc.. nur damit leute eine zeile mehr in ihrer publikationsliste haben. geschaffenens wissen: 0.

    wir haben offensichtlich mehr wissenschaftler als man wissen schaffen kann..

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