Warum kommen so wenige US- und EU-Politiker in den Panama Papieren vor?

Panama_08_2013_Ave_Balboa

Der die erste Welle der Entrüstung über die Steuerfluchtoasen in Panama traf Putin, irgendwelche Scheichs und ein paar Sport-Manager. Und die Bayerische Landesbank. Wo bleiben die reichen, rechtsnationalen US-Milliardäre, die deutschen Provinzpolitiker, die üblichen Verdächtigen? Gehört die Süddeutsche Zeitung neuerdings zur Lügenpresse? Not so fast, mister!

Der Leak enthält 2,6 Terabyte Daten und 11,5 Millionen Dokumente. Sehr umfassende Dokumente. Zum Vergleich: ein typischer Kinofilm auf DVD (unkomprimiert) hat rund ein Tausendstel dieser Datenmenge. An der Sichtung dieser Dokumente sitzen in Deutschland gerade mal zwei Redakteure, weltweit etwa 100. Mossack Fonseca ist absolut nicht die einzige Kanzlei, die Briefkastenfirmen verkauft, und Panama ist nicht die einzige „Oase“ dieser Art.

Im Gegenteil: laut Transparency International und dem Tax Justice Network liegt das zentralamerikanische Land liegt weltweit erst auf Platz 13. Hinter der Schweiz auf Platz Eins, Hong Kong, den USA selbst auf 3 (hier vor allem im Bundesstaat Delaware), Singapur, den Cayman Inseln, Luxemburg, Libanon, Deutschland (Deutschland!), Bahrain, den vereinigten Arabischen Emiraten, Macao und Japan.

Und dann erst Panama. Von wo wir jetzt von einem einzigen Briefkastenhändler einen Teil der Daten bekommen haben. Man sollte davon ausgehen, dass es in Panama noch mehr schwarze Kassen gibt. Und in den 12 anderen Ländern mit noch mehr Steuerfluchtpotential eben noch viel mehr schwarze Geldspeicher. Deswegen geben die Panama Papers nur so einen ersten Einblick in den globalen Steuerbetrug.

Ins Verhältnis gesetzt: Würden für all diese Summen ganz normal Steuern bezahlt, dann gäbe es auf unserem Planeten weder Hunger noch unbehandelte Krankheiten oder Bildungsferne. Jetzt müssen wir nur noch die Gerechtigkeit wiederherstellen.

pic: Avenida Balboa in Panama City, Mario Roberto Durán Ortiz cc by sa

2 Kommentare

  1. Zitat: „…Gerechtigkeit wiederherstellen.“

    Kommentar: klingt danach, als hätte es diese Gerechtigkeit tatsächlich mal gegeben.
    Frage: ist das so?

    Ansonsten: volle Zustimmung!

    Gruß

    Thomas

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  2. Mittlerweile wird ja schon gemunkelt, dass die CIA selber geleakt haben. So sehen plötzlich nur die fiesen Diktatoren schlecht aus, und morgen wenn die amerikanischen Verbrecher belangt werden, dann intressiert sowas keine sau mehr.

    Passiert gerade sonst noch etwas wichtiges das im Getöse untergehen sollte?

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