Sackgassen der Zivilisationsentwicklung: Leistungsschutzrecht

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Das Leistungsschutzrecht ist eine ziemlich neue Erfindung, die auf der Vorstellung aufbaut, dass Suchmaschinen und andere Webseiten Geld bezahlen müssten, wenn sie Überschriften und Satzanfänge von anderen Webseiten beim Suchergebnis abbilden. Beim Entwickeln dieser Vorstellung hat man sich natürlich durch das Urheberrecht inspirieren lassen, das aber ganz klar sagt: „Nur ganze geistige Werke kann man schützen. Ideen nicht, und Überschriften auch nicht. Und es gibt ein Zitatrecht.“ Deswegen musste man auch ein eigenes Recht dafür erfinden, um von Suchmaschinen oder anderen Geld verlangen zu können.

Die grösste aktuelle Schuchmaschine, Google, erklärte dazu vorsorglich, dass man nichts bezahlen wolle, sondern lieber alle kostenpflichtigen Überschriften und Zitatschnipsel aus seinem Suchangebot entfernen würde. Was für die Erfinder des Leistungsschutzrechts, die grossen deutschen verlagshäuser, das wirtschaftliche Aus bedeutet hätte. Deswegen wollte die Verlage Google ein Ausnahmerecht auf Nutzung der Überschriften (etc) geben, weil man sonst das schöne neue Leistungsschutzrecht in die Tonne hätte treten müssen. Was das hier zuständige Deutsche Patent- und Markenamt (DPMA) natürlich verboten hat. Weswegen die in der VG Medien zusammengeschlossenen Verlage dagegen klagen. So dass seit in den drei Jahren seit Inkrafttreten des Gesetzes (nachdem man die Piratenpartei auf 13 Umfrageprozente hochgejubelt hatte, um ein Drohszenario gegenüber der Bundesregierung zu erzeugen) zwar 714.540 Euro durch die Gesetzeslage eingenommen wurden (nicht von Google, sondern aus unbekannten Quellen), dafür aber 3,3 Millionen an Gerichtskosten verpulvert. Gibt ungefähr zweieinhalb Mio Miese. Rausrecherchiert hat das alles Henry Steinhau für irights.de. Vielen Dank! Und anderswo leben kleine Verlage davon, dass sie publizistische und technische Lösungen auf die Herausforderungen der digitalen Gegenwart finden, aber nicht in Deutschland? Tja. Beim bevorstehenden Strukturwandel können wir dann zuschaun. pic: google

3 Kommentare

  1. Ich will zu diesem Thema eigentlich nix mehr lesen, seit ich damals den Fehler gemacht habe, eine Diskussion zum Thema „Ebooks und DRM“ zu verfolgen. Das war in der Anfangszeit, als Amazon gerade laut über die Möglichkeit eines Lesegeräts nachdachte.

    Unfassbar, diese sog. „Experten“ hatten offensichtlich nicht mitbekommen, wie gut das mit dem DRM auf dem Musikmarkt funktioniert hatte. Aber wie gesagt, seither kotzt mich die Ignoranz und Geldgier in diesem Gebiet tierisch an. Die der Verlage, wohlgemerkt, die Autoren sehen ja nix von der Kohle.

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  2. […] bisher ganze 714.540 Euro eingenommen. Dem gegenüber stehen 3,3 Millionen an Gerichtskosten. Macht schlappe 2,5 Mio Verluste bisher. Anwalt müsste man […]

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  3. Leistungsschutzrecht ist das Beste was uns passieren könnte.
    Damit schießt sich die Medienmafia selber ins digitale Aus.

    Ich hoffe nur daß Google denen dann einen Vertrag vorlegt, der kompletten Ausschluß *für alle Zeiten* festlegt. Denn wenn se dann wieder angekrochen kommen, weil die Besucherzahlen gen Null gehen, und Google “Nö” sagt, können se nicht wegen Monopolismus klagen, da sie selber haben ja den Ausschlußvertrag angestrebt haben. :))

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