Ist Sexismus vorbei?

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Oder gibt es sowas noch, diese Einstellung, dass Frauen weniger wert wären, oder zumindest weniger stark oder schlau oder erfolgversprechend als Männer? Zumindest untersucht das eine neue Umfrage des US-Meinungsforschungsinstituts Pew, die ein uneinheitliches, aber deutliches Bild zeichnet. Demnach finden von knapp 5000 im Juni dieses Jahres befragten US-Bürgern zwar gut die Häfte (53%), dass Frauen mehr Hindernisse auf dem Weg zum Erfolg hätten als Männer. Sieht man sich die Zahlen allerdings genauer an, dann teilt sich die Gesellschaft:

56 % der Männer denken nämlich, dass es in der Vergangenheit solche Probleme gab, aber heute nicht mehr; Frauen sehen das nur zu 35 % so. Natürlich hängt das auch von der allgemeinen politischen Einstellung der Befragten zusammen: 63 % der Republicans sehen Sexismus in der Vergangenheit, aber nur 30 % der Democrats. Die Altersverteilung ist nicht so eindeutig, wie man annehmen könnte, tatsächlich ist das Bewusstein für Sexismus gerade bei älteren Menschen stärker ausgeprägt. Diese Zahlen stammen zwar aus den USA, aber ich denke, dass es hierzulande genau so aussieht.

Andererseits ist eine solche Studie aber auch ein wissenschaftlicher Triumph der Tautologie: Männer werden erheblich seltener auf ihren Körper oder ihre theoretisch vorhandene Befähigung zu allgemeinen Reproduktionshandlungen reduziert als Frauen, geniessen einen grundsätzlichen Kompetenzbonus und sind aus vielfacher Erfahrung daran gewöhnt, dass man sie und ihre Ansichten ernst nimmt, gerne auch ohne Nachfragen zur Faktenlage. Klar haben Männer dann weniger Grund, sich mit geschlechterbedingter Benachteiligung auseinander zu setzen.

Und Leute mit „konservativer“ Haltung, die also gerne eine verklärte Version einer nie so vorgefallenen Vergangenheit zu einem Gesamtkonstrukt aus Autorität, Familie und höherer Ordnung mystifizieren, sind ja genau deswegen rechts. Egal, ob sie nun Trump wählen möchten, oder Seehofer, Farange, Le Pen, Erdogan. Deswegen sind solche Umfragen und ihre Ergebnisse ja auch so signifikant. Weil sie uns erklären, dass die Annahme, Geschlechter seien nun mal in jeder Hinsicht unterschiedlich, auch und gerade im Berufsleben, tief in der Mitte unserer Gesellschaft eingegraben ist. So tief, dass man diese Annahme meistens gar nicht sieht, wenn man dran vorbeikommt. Und das tut man sehr oft. Mehrmals täglich.

Das bedeutet: Wir haben da noch ein klein wenig Arbeit vor uns, so als Gesamt­gesellschaft. Diesen sorgfältig versteckten Müll wieder auszugraben, in seine Teile zu trennen und dann zu recyceln. Ich bin völlig sicher, dass eine Gesellschaft ohne kollektive Verdrängung besser funktionieren würde.

pic via vice, link zur Pew Studie via alternet

3 Kommentare

  1. Also, „konservativ“ heisst zunächst mal bewahrend, das hat nicht unbedingt was mit Verklärung der Vergangenheit zu tun.

    Und Seehofer hat, auch wenn er einen Haufen Müll labert, jetzt wirklich nix in einer Reihe mit den anderen Herren zu tun. Über das Problem in Deutschland, „rechts“ gleich mit „rechtsradikal“ / „autoritär“ gleichzusetzen, fange ich jetzt gar nicht erst an.

    Dem Inhalt des Artikels und Deinem Fazit kann man natürlich dennoch nur zustimmen…wobei ich den Gedanken aufwerfen wollen würde, ob eine Welt, in der Werbung sowohl mit nackten Männern als auch mit nacken Frauen arbeitet, eine etwas entspanntere wäre…

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  2. Frauen habens schwer in der Wirtschaft, buhu …. cry me a river.
    Schon mal versucht als übergewichtiger Mann mit Glatze (genetisch, nicht altersbedingt) einen Job im Middle Management zu bekommen?
    Aber klar, Männer können keine Diskriminierungsopfer sein.

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