Schöner rechnen, so alle 5 Jahre

Phragmites_australis_Schilfrohr

Der Zustand war schon länger kein haltbarer mehr: Die Front-USB-Ports liessen kein Signal mehr durch (nur noch Strom), so dass ich zum Anschliessen und Auslesen von Gadgets das rückseitige Panel inmitten der tückischen Staubwanderdünen aufsuchen musste (a.k.a. Dangerseeker). Der gerade so eben zweikernige Athlon 245 Stromsparchip (nahezu leistungsfrei) hatte mittlerweile Mühe beim Webseiten­scrollen und der dazu gehörige, nach heutigen Massstäben mikroskopische 19Zoll-Monitor mit traditionsorientiertem 4:3-Seitenverhältnis strahlte vor allem schlechte Laune aus. Letzte Woche Beschlussfassung, tags drauf Bestellung bei einem vertrauenswürdigen Computerteileversender, heute morgen klingelt der Postbote.

Der mit dem gelben Auto. Vier Kartons hat er dabei, diesen Beitrag (wie auch den Geburtstagstext) schreib ich bereits auf der neuen Mühle, im Angesicht eines Bild­schirms von einer Panoramafreude, wie sie auch der Brücke eines Raumkreuzers angemessen wäre. Naja. 27 Zoll und damit etwas breiter als vorher. Der neue PC ist ein Kompromiss aus: Darf nicht viel kosten, soll wenig Strom verbrauchen (weil er den ganzen Tag läuft), muss leise sein und viel schneller als der alte. Mit zwei dual-gebooteten Betriebssystemen und diversen Massenspeichern. Der Antrieb (um mal im Raumschiffsujet zu bleiben) ist ein AMD Athlon X4 845 Carrizo (deswegen das Bild oben, „carrizo“ ist ein spanischen Wort für Schilf), das ist eine relativ neue Desktop-CPU mit dreieinhalb Gigahertz und ohne OnChip-Grafik, weswegen er mit 65 Watt auskommt und der mitgelieferte rote Lüfter kein Geräusch macht. Kostet zusammen auch nur 65 Schleifen. Etwas weniger für ein passendes Gigabyte-Board plus 8GB RAM (DDR3-2400) und ein leises 400W-Netzteil. Schwarzes Midi-Case mit 120mm-Lüfter drin, ein DVD-Laufwerk (man weiss ja nie), sonst noch genügend Platz. Gestartet wird von einer kleinen (240 GB) OCZ-SSD, gross genug für Ubuntu 16.04 (zum Blogschreiben) und Windows 7 (zum Borderlands-2-Zocken). Die gesammelten Texte, Bilder, MP3s kommen auf eine neue WD-HD (blau) mit einem TeraByte Platz, die Spielsachen bekommen eine halb so grosse schon benutzte Harddisk (auch blau) des gleichen Herstellers. Alles, ohne Grafikkarte, unter 400. Nachdem ich vormittags erstmal das schöne Wetter nutzte, um meine Fenster zum Hof nachzustreichen und deshalb erst nachmittags mit dem zusammenschrauben und installieren begann, sind die beiden Datenplatten erst morgen dran. Die SSD macht bereits, was sie soll, und zwar ohne Zögern. Ein echter Erfolg also.

Überhaupt ist das PC-Selbst-Zusammenbauen so ein Männlichkeitsding. Viel gespart is ja nicht dabei. Aber man kann im karierten Hemd und mit der Axt über der Schulter ins Morgengrauen hinausschreiten, um dann im ewigen Forst seinen nächsten Computer eigenhändig zusammen zu schnitzen. Manchmal klappts ja auch, weil man dabei eher wenig falsch machen kann. Obwohl es jedesmal (das ist so ungefähr der fünfte selbstgebaute PC von mir, plus ein paar General­über­holungen) diese Momente gibt, an welchen für endlose, heisse Augenblicke alles verloren zu sein scheint. So wie der, als ich den PC zum ersten Mal mit der Peripherie verbinde und einschalte. Alle Lüfter schwirren eifrig, der Monitor flackert und behauptet dann, er hätte kein Signal. Nach wenigen Minuten angestrengten Draufstarrens fällt mir auf, dass das Monitorkabel nicht an der Grafikkarte (vorerst noch meine alte Radeon 6670) sondern am leeren Mainboard-Grafikport steckt. Kann ja nicht gehen! Also rasch umstecken und… nichts. Kein Signal. Tja. Das war’s dann mit der Männlichkeit, der Axt und dem PC-Selbstbau. Bis mir der leere 8polige ATX-Anschluss auf dem Mainboard, gleich neben dem Prozessor auffällt. Ja, richtig, der braucht ja auch Strom. Und schon funktioniert alles. Also zuerst Windows auf die SSD installieren, kurz einrichten (Virenscanner, Firefox, Mainboard- und Grafik­treiber) und dann Ubuntu parallel drauf. Sehr schön übrigens, das diesjährige long-term Ubuntu. Nur nach dem Neustart grüsst der Grub (Bootmanager), aber ohne Eintrag für Windows. Nix mit Auswählen. Heisst das, ich hab irgendwas mit UEFI und BIOS oder Schlimmeren verbockt und kann alles nochmal…? Hat Linux mal eben Windows kaputt gemacht? Aber dafür gibt’s Hilfeforen, die einem erklären, dass man mit einer einzigen Befehlszeile im Terminal (sudo irgendwas undsoweiter) den Bootmanager wieder flottkriegt. Funktioniert tatsächlich. Überhaupt ist Linux viel handlicher als Windows, vor allem, wenn irgendwas nicht sofort klappt. Tut’s aber jetzt. Demnächst mehr aus der Liga der USB-Stecker-umdrehenden Gentlemen. pic Darkone cc by sa

2 Kommentare

  1. Hätteste was gesagt, 8gb ddr3 hätte ich auch gehabt, auch mit 2400mhz. :)
    Wieso eigentlich kein Goldaveri (die apu von amd)?

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    • Weil die an sich beachtliche Grafikleistung der APUs nicht für moderne Games genügt. Da brauch ich sowieso eine Karte. Jetzt noch die HD 6670, in Kürze eine RX 460.

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