Die NASA und das Ende der Astrologie

zodiac

First things first: Weder hat die NASA die Astrologie widerlegt oder zerstört, noch ist der Glauben an die Bedeutung der Sternbilder und Planeten weniger oder mehr zu belächeln als irgendein anderes Glaubenssystem. Zudem sind solche Systeme per Definition faktenfrei, und in ihrer individuellen Bedeutung unangreifbar, da durch die von uns allen akzeptierte Verfassung geschützt. In einfachen Worten: Jeder soll glauben, was er oder sie will, kein Glauben ist irgendwie besser als ein anderer. Was also hat die NASA genau gemacht?

Die US-Raumfahrtbehörde betont, sehr richtig übrigens, dass es keine wissen­schaftlich nachprüfbaren Beweise für die Astrologie gibt. Sondern im Gegenteil ein paar dicke Probleme. Zunächst sind die Sternbilder, wie wir sie kennen, von den Babyloniern vor rund 4500 Jahren aufgezeichnet worden (Astronomie gibt es schon ca 10.000 Jahre länger). Diese einigermassen willkürlichen Muster zusammen­stehender heller Sterne wurden mit mythischen Figuren in Verbindung gebracht, und die 12 „Sternzeichen“, auf der Ekliptik, also der Bahnebene der Sonne und ihrer Planeten bilden den Tierkreis. Winziges Problem: Es sind nicht 12, sondern 13, der Opiuchus (Schlangenträger) wurde unterschlagen, damit die verbleibenden 12 Zeichen in den Kreis von 360 Grad (auch eine Erfindung der Babylonier) passen.

Nächstes winziges Problem: Die Erde eiert ein wenig, die Rotationsachse ist nicht absolut stabil. Das führt dazu, dass sich, von uns aus gesehen, auch die Ekliptik und damit die Bahnen der Planeten gegenüber den Fixsternen verschieben. Das macht heute eine Differenz von mehreren Zeichen (zu je 30 Grad aus). Das astrologische System hat sich also massiv von der astronomischen Realität entfernt; der Opiuchus ist allerdings immer noch mit im Spiel… oder eben nicht. Das alles bedeutet nun nicht, dass die Astrologie widerlegt sei. Weil sie ja nie durch irgend etwas bewiesen war; es handelt sich hier um Annahmen. Genauso wie die Annahme, ein Jesus, Mohammed oder Buddha hätten Unbezweifelbares erzählt. Das Problem mit Glaubenssätzen beginnt ja erst dort, wo Glaubende einen Deutungsanspruch über ihre Mitmenschen erheben und von diesen verlangen, sich an das Glaubenssystem anzupassen. Mir ist nun kein Fall bekannt, an welchem ein Mensch verbrannt, gefoltert, hingerichtet oder auch nur des Landes verwiesen wurde, weil er die Weisheit der Sterne bezweifelt hätte. Insofern hab ich kein Problem mit dieser Weltsicht, anders als etwa mit monotheistischen Kirchen. Noch lieber allerdings ist mir die NASA, und die Erforschung des Weltalls, die Befreiung der Menschheit durch den wissenschaftlichen Fortschritt, und die Überwindung des Kapitalismus durch maschinelle Überflussproduktion. So in etwa wie in den Büchern von Iain Banks, etwa im „Kultur“-Zyklus. Das wär dann eher so mein Glaubenssystem. Amen.

Pic claudia dea pd

Hinterlasse einen Kommentar

Es gibt noch keine Kommentare.

Comments RSS TrackBack Identifier URI

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s